Guglielmo Gratorolo

Guglielmo Gratarolo, 1566

Guglielmo Gratorolo oder Guglielmo Grataroli und latinisiert Guilielmus Gratarolus (* 16. Mai 1516 in Bergamo; † 16. April 1568 in Basel) war ein italienischer Alchemist und Arzt.

Leben

Gratorolo stammte aus einer wohlhabenden Familie von Wollhändlern und Ärzten, studierte in Padua und Venedig (Laurea 1539). Er war Arzt in Mailand und Bergamo, fand als Calvinist vor der Verfolgung durch die Inquisition zunächst Zuflucht in Graubünden, Straßburg und ab 1552 in Basel, wo er als Arzt wirkte und Medizin lehrte. 1562 war er kurz für ein Jahr Professor in Marburg, wo er am 8. Februar 1562 seine erste Vorlesung (über die Ars parva des Galen) hielt, ging dann aber 1565 zurück nach Basel.

1561 veröffentlichte er bei dem Verleger und Drucker Sebastian Henricpetri in Basel eine Sammlung alchemistischer Texte (Verae alchemiae artisque metallicae, citra aenigmata, doctrina). Es war Teil einer Veröffentlichungsreihe alchemistischer Sammelwerke beginnend mit De Alchemia und in das Theatrum Chemicum mündend. Er gab auch alchemistische Texte bei dem Basler Verleger Pietro Perna heraus (wie 1561 Johannes von Rupescissa). Gratorolo gab auch die Philosophen Guillaume de Conches und Pietro Pomponazzi (etwa De naturalium effectum admirandorum causis, sive de incantationibus von 1520) heraus.

Daneben veröffentlichte er über Medizin, Diätetik, Wein, Gedächtnis, Landwirtschaft und andere Themen.

Schriften

Verae Alchemiae, Inhalt

Viele Texte waren schon in De Alchemia abgedruckt, Gratorolo ließ in Band 1 nur die Tabula Smaragdina mit dem Kommentar von Hortulanus weg, der ein Jahr zuvor 1560 in Basel separat erschien (und fälschlich Johannes de Garlandia zugeschrieben war). Ziel ist vor allem die Publikation der Schriften von Pseudo-Lull und Pseudo-Geber. Inhalt der Ausgabe von 1561 (es gab auch einen Nachdruck eines Teils der Schriften in Basel 1572):

Band 1:

Band 2:

Literatur

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Anmerkungen

  1. ↑ Wie Ferguson, Bibl. Chemica, Band 1, S. 342, schreibt geben einige Autoren Sterbedaten 1562 (so Petrus Nigidius der Jüngere in seinem Marburger Professorenkatalog und Christian Gottlieb Jöcher) und 1564 an. 1568 gibt z. B. Friedrich Wilhelm Strieder Grundlagen zu einer hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte 1785
  2. ↑ Peter Nigidius: Elenchus Professorum Academiae Marpurgensis vita defunctorum. Paul Egenolph, Marburg 1591.
  3. ↑ Manuela Doni: Il „De incantationibus“ di Pietro Pomponazzi e l’edizione di Guglielmo Grataroli. In: Rinascimento. Band 15, 1975, S. 183–230.
  4. ↑ Werner Friedrich Kümmel: Der Homo litteratus und die Kunst, gesund zu leben. Zur Entwicklung eines Zweiges der Diätetik im Humanismus. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim an der Bergstraße 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), S. 67–85, hier: S. 80–82.
  5. ↑ Nach John Ferguson, Bibliotheca Chemica, Band 1, 1906, S. 341
  6. ↑ Ein bereits 1559 in Köln erschienener anonymer Dialog, der Paracelsus fälschlich als Befürworter der Möglichkeit der Gold-Transmutation vereinnahmt. Lange wurde angenommen, der Dialog wäre von Gratorolo selbst, der aber ein Gegner von Paracelsus war. Jüttner vermutete den Paracelsus-Freund Bartholomäus Schobinger (1500–1585), was Didier Kahn völlig ablehnt.
  7. ↑ Als eine Art Kommentar zu den folgenden Schriften von Pseudo-Lull und Pseudo-Geber: schon 1548 in lateinischer Übersetzung bei Petreius erschienen (De Alchemia Dialogi Duo). Die Übersetzung stammt von Gratorolo, der Bracesco 1551 traf und von ihm ein Exemplar seines Buchs erhielt (Didier Kahn, siehe Weblinks). Er ersetzt den Namen des Dialogpartners Demogorgon von Bracesco durch einen namenlosen Lull-Schüler.
  8. ↑ Tauladanus ist ein ansonsten unbekannter französischer Alchemist. Er greift hier die Interpretation Pseudo-Gebers von Bracescos an, dass die Prima Materia der Alchemisten Feuer sei
  9. ↑ Griechisch wiedergegeben
  10. ↑ Nach Ferguson auch genannt De Alchemia. Möglicherweise von 1325 von einem unbekannten Autor. Hier das erste Mal veröffentlicht.
  11. ↑ Arnaldus von Villanova fälschlich zugeschrieben wie auch die anderen Texte unter seinem Namen. Die Werke von Villanova erschienen 1504 und 1509.
  12. ↑ Fälschlich zugeschrieben wie auch die anderen Texte hier unter seinem Namen
  13. ↑ Pseudo-Aristoteles, ein wichtiger Text der Alchemie, hier erstmals gedruckt
  14. ↑ Erstdruck des Liber lucis von Johannes von Rupescissa
  15. ↑ Odomar, Pariser Mönch und Alchemist des 14. Jahrhunderts
  16. ↑ Mögliche Verwendung des Steins der Weisen gegen die Pest. Chiara Crisciani, Michela: Black Death and Golden Remedies. Some Remarks on Alchemy and the Plague, in: A. Paravicini Bagliani, F. Santi (Hrsg.), The Regulation of Evil. Social and Cultural Attitudes to Epidemics in the Late Middle Ages, Florenz: Sismel - Edizioni del Galluzzo, 1998, S. 7–39
  17. ↑ Caravantes, spanischer Alchemist, über den nichts bekannt ist. Ferguson, Bibl. Chemica, Band 1, 1906, S. 141. Hier Erstdruck.
  18. ↑ Gedichte von Augurello, davon der Chrysopoeia mit alchemistischem Inhalt, der Geronticon nicht. Schon 1518 in Basel bei Johannes Froben veröffentlicht