Günther Paal

Gunkl, Wien 2010

Günther „Gunkl“ Paal (* 23. März 1962 in Wien) ist ein österreichischer Kabarettist und Musiker. Paal trat mit anderen Kabarettisten in verschiedenen Gruppierungen wie der Gruppe Wiener Wunder, der Gruppe Familie Lässig oder Science Busters auf. Er hatte auch eine Reihe von erfolgreichen Soloauftritten. Im Oktober 2026 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Besitzes von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial am Wiener Landesgericht zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Leben und Wirken

Günther Paal wuchs in Wien-Favoriten auf. Seinen Künstlernamen Gunkl verdankt er seinem Bruder, der „Günther“ nicht aussprechen konnte. Paal besuchte von 1972 bis 1975 das Bundesrealgymnasium Waltergasse. Daraufhin machte er an der Graphischen eine fünfjährige Ausbildung zum Reprofotografen, die er mit Matura abschloss. Er begann Publizistik und Soziologie zu studieren, was er aber bald abbrach. Dann arbeitete er zwölf Jahre als Kellner in Wiener Lokalen.

Über sein Saxophonspiel kam er zu Alfred Dorfers Auftrittsband und fand dabei heraus, dass auch er Kabarett machen könne. Er war Mitglied der Gruppe Wiener Wunder, die 1986 Musik zum rekordbrechenden Kinofilm Müllers Büro beisteuerte, im selben Jahr mit Loretta einen Radiohit hatte und 1993 den Soundtrack zum österreichischen Kinofilm Muttertag lieferte. Neben Soloprogrammen spielte Paal ab 1993 Saxophon und E-Bass in Alfred Dorfers Auftrittsband. Von 2004 bis 2011 trat er in dessen Fernsehsatireshow Dorfers Donnerstalk regelmäßig als „Spezialist für eh alles“ auf.

1997 war Paal Moderator der ORF-Kultursendung Kunst-Stücke. Für den Kunstpreis Der freche Mario der Giordano-Bruno-Stiftung war Gunkl 2013 Schirmherr.

Gunkl, Wien 2010

Seit 2014 spielt Günther Paal zusammen mit Manuel Rubey, Cathi Priemer, Clara Luzia, Gerald Votava und Boris Fiala in der Gruppe Familie Lässig. Er war bis 2026 Teil der Wissenschafts-Kabarettgruppe Science Busters.

Paal ist Teil der Kabarettist:innen for Future und unterstützte im Mai 2023 eine Straßenblockade der Letzten Generation. Zwar befinde man sich mit der gewählten Protestform an der „Kante“ der Zulässigkeit, man würde es aber nicht machen, wenn es nicht notwendig wäre.

In seiner Freizeit schmiedet er Damastmesser. Er ordnet sich selbst im Spektrum des Asperger-Syndroms ein.

Strafverfahren

Gegen Paal wurde im September 2026 Anklage der Staatsanwaltschaft Wien wegen sexuellen Missbrauchs eines 3-jährigen Mädchens und des Besitzes von „zumindest 960 Bildern und 19 Videodateien von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial[s]“ erhoben. Laut Ausführungen Paals wurde er 2024 von der heute 42-jährigen Mutter mit dem Vorschlag kontaktiert, ein erneutes Dreiertreffen von Mutter und Großmutter (heute 62) zu vereinbaren. Laut Paals Rechtsanwalt Florian Höllwarth soll es sich bei den Frauen um Prostituierte handeln, die mit seinem Mandanten eine Dreiecksbeziehung geführt hätten.

Beim Treffen in der Wohnung der Mutter sei ihm das Kleinkind (damals etwa drei Jahre alt) seinen Angaben zufolge „zugeführt“ worden. In der Folge soll er von der Mutter und der Großmutter des Kindes erpresst worden sein und ihnen insgesamt 189.000 Euro gezahlt haben. Als die Geldforderungen nicht abrissen, folgte im Mai 2026 die Selbstanzeige Paals, wenngleich er ab September 2026 noch eine neue Tournee plakatierte. Die mutmaßlichen Erpresserinnen kamen in Untersuchungshaft. Am Tag des Bekanntwerdens der Causa veröffentlichte Paal ein Video, in dem er im Wesentlichen die erhobenen Vorwürfe gegen ihn gestand. Er sei bereit, „jede Strafe, die kommt, unwidersprochen hinzunehmen“, so Paal.

Paal wurde am 22. Oktober 2026 zu drei Jahren unbedingter Haft und 5000 € Entschädigung für das Opfer verurteilt. Die beiden Frauen wurden wegen schwerer Erpressung angeklagt und zum Ersatz von 159.000 Euro erpressten Gelds und ebenfalls zu unbedingten Haftstrafen verurteilt: Die Mutter (42) des Kindes zu 2 Jahren und 9 Monaten und die Großmutter (62) zu 2 Jahren und 3 Monaten. Alle drei Angeklagten haben ihre Strafen angenommen.

Programme

Kabarett Solo

  1. Grundsätzliche Betrachtungen – anschaulich gemacht an kuriosen Einzelleistungen der Tücke des Alltags, was als Programmtitel vermutlich ein bisschen zu lang ist, zumal darin eine, sei’n wir ’mal ehrlich, sehr unelegante Genitivkette enthalten ist. (1994)
  2. Das Beste aus den nächsten sechs Programmen mit Ausnahme des fünften (1995)
  3. Ich muss mich jetzt genug konzentrieren, damit ich diese quasimetasprachliche Geschichte halbwegs glaubwürdig und nachvollziehbar auf die Bühne stell’ (1997)
  4.     (1998) Programm hat keinen Titel, also auch nicht „Ohne Titel“
  5. Ich laß mich gehen – Ein Abschied (2001)
  6. Glück – eine Vermutung (2002)
  7. Vom Leben – ein Entlebnisbericht
  8. Wir – schwierig (Premiere 3. Oktober 2006)
  9. Verluste – eine Geschichte (Premiere 28. August 2008)
  10. Die großen Kränkungen der Menschheit – auch schon nicht leicht (Premiere 1. September 2011)
  11. So Sachen – ein Stapel Anmerkungen (Premiere 3. September 2014)
  12. Zwischen Ist und Soll (Premiere 12. September 2017)
  13. So und anders – eine abendfüllende Abschweifung (Premiere im September 2020)
  14. Nicht nur, sondern nur auch – ein ziemlich ungeordneter Versuch, über Ordnung zu reden (Premiere 19. September 2023)
  15. Apropos übrigens – Überleitungen mit Füllung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Premiere für 15. September 2026 in Wien geplant, „aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmt verschoben“)

Mit anderen Künstlern

Bücher

Film und Fernsehen

Radio

Auszeichnungen

Commons: Gunkl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Günther Paal und Gemüseauflauf „Gärtnerin“ am 17.10.2011. In: burgenland.orf.at.
  2. ↑ Alfred Lobnik: „Gunkl“-Prozess: Drei Jahre unbedingt für Kabarettisten Günther Paal. In: kleinezeitung.at. 22. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  3. ↑ Renate Graber: Kabarettist Gunkl: „Wer ohne Aber denkt, ist gefährlich“. In: derstandard.at. 4. November 2017, abgerufen am 21. September 2026.
  4. ↑ Hall of Fame. In: brg4.at, abgerufen am 19. September 2026.
  5. ↑ Gunkl mit neuem Programm. „Ich habe eine Hoffnung, hege aber eine Befürchtung“. In: falter.at. 8. September 2026, abgerufen am 19. September 2026.
  6. 1 2 Gunkl: „Das Dasein muss genügen“. In: thomastrenkler.at. 29. Oktober 2014, abgerufen am 19. September 2026.
  7. ↑ Palfrader und Co. schließen sich Klimaprotest als „Kabarettisten For Future“ an. In: puls24.at. 15. Mai 2023, abgerufen am 17. Mai 2023.
  8. ↑ Gunkl: „Das Problem ist ja nicht das Zuschlagen“. In: meisterstrasse.com. 18. Mai 2018, archiviert vom Original am 31. März 2023; abgerufen am 1. Dezember 2025.
  9. ↑ Trotz Autismus auf der Bühne. In: wienerzeitung.at. 5. Februar 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  10. ↑ Josef Kleinrath: Fall Gunkl: Anklage wegen Missbrauchsverdachts, 960 Bilddateien und 19 Videos. In: kurier.at. 16. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  11. 1 2 Prozess gegen Günther Paal alias „Gunkl“ am 22. Oktober. In: derstandard.at. Abgerufen am 18. September 2026.
  12. ↑ Josef Kleinrath: Missbrauchsfall Gunkl: Frauen sprechen von Dreierbeziehung und Liebe. In: kurier.at. 17. September 2026, abgerufen am 18. September 2026.
  13. ↑ Missbrauchsanklage gegen Gunkl: „Hab’ Schande auf mich gebracht“. In: vol.at. 17. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  14. ↑ www.kabarett.at: Apropos übrigens. In: kabarett.at. Abgerufen am 19. September 2026.
  15. ↑ Gunkl mit neuem Programm: „Ich habe eine Hoffnung, hege aber eine Befürchtung“. In: falter.at. 8. September 2026, abgerufen am 19. September 2026.
  16. ↑ Kindesmissbrauch: Was wir bisher über den Fall Günther Paal alias „Gunkl“ wissen. In: derstandard.at. Abgerufen am 17. September 2026.
  17. ↑ Bekannter heimischer Künstler unter Kindesmissbrauchsverdacht. In: derstandard.at. 16. September 2026, abgerufen am 16. September 2026.
  18. ↑ Kindesmissbrauch: Paal schuldig gesprochen. In: orf.at. 22. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  19. ↑ Presseinformation – Urteil Strafsache Günther P. ua. In: justiz.gv.at. Landesgericht für Strafsachen Wien, 22. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  20. ↑ Peter Temel: Gunkl-Premiere: Paarhufer, Paviane, Philosophie und Plexiglas. In: kurier.at. 18. September 2020, abgerufen am 13. Oktober 2020.
  21. ↑ Gunkl findet Humor „im Spalt zwischen Ist und Soll“. In: volksblatt.at/APA. 16. September 2023, abgerufen am 16. September 2023.
  22. ↑ Programm: Apropos übrigens. In: e-a.at. 17. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  23. ↑ Missbrauchsvorwürfe gegen Gunkl: Anklage. In: orf.at. 16. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  24. ↑ Uraufführung von Gunkls „Via Emilia“ im RadioKulturhaus. APA-Meldung vom 10. Februar 2005, abgerufen am 21. Jänner 2015.
  25. ↑ Sabine Hottowy: Zu Ostern: „Herz und Hirn“ In: diepresse.com. 25. März 2015, abgerufen am 1. Juni 2017.
  26. ↑ Gerd Kern: Gunkl und Walter mit Herz und Hirn (Memento vom 29. Januar 2016 im Webarchiv archive.today).
  27. ↑ Local-Bühne Freistadt: Freistädter Frischling (Memento vom 12. April 2019 im Internet Archive). Abgerufen am 5. März 2018.
  28. ↑ NÖN: Spaßvogel für Gunkl. Artikel vom 23. April 2015, abgerufen am 3. August 2015.
  29. ↑ orf.at: Kabarettpreis für Günther „Gunkl“ Paal. Artikel vom 4. September 2018, abgerufen am 4. September 2018.
Personendaten
NAME Paal, Günther
ALTERNATIVNAMEN Gunkl
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Kabarettist
GEBURTSDATUM 23. März 1962
GEBURTSORT Wien