Guntrud (fl. um 712) war die Tochter des Baiernherzogs Theudebert und seiner Gattin Regintrud. Sie heiratete im Jahr 712 oder wenig später den Langobardenkönig Liutprand (712–744), der am Hof ihres Vaters zusammen mit Liutprands dorthin geflohenen Vater Ansprand Asyl gefunden hatte, als seine Familie aus Italien von der Herrschaft vertrieben worden war. Während Ansprands Frau Theodorada sowie ihr Sohn Sigiprand und ihre Tochter Aurona von den Siegern verstümmelt wurden, durfte der noch minderjährige Sohn Ansprands, Liutprand, seinem Vater ins Exil folgen.
Nach neun Jahren im Exil konnte Ansprand mit Hilfe des Bayern den Thron wiedererringen, er starb jedoch noch im selben Jahr 712. Liutprand folgte seinem Vater auf dem Thron. Mit der Ehe Liutprands und Guntruds nahm man „die Tradition der bairisch-langobardischen Ehebündnisse“ wieder auf, wie Martina Hartmann konstatierte.
Guntrud und Liutprand hatten ‚lediglich‘ eine Tochter, wie Paulus Diaconus in seiner Historia Langobardorum, Liber VI, 43 vermerkt: „de qua unam solum filiam genuit“. Der Name der Tochter ist nicht überliefert. Über Guntrud selbst erfahren wir darüber hinaus nichts.
Ernst F. Steffny: Die Bajuwaren zwischen Inn und Enns. Oberösterreich im 6., 7. und 8. Jahrhundert, Magisterarbeit, Wien 2010, S. 53: „711/12 schließlich intervenierte Theodbert militärisch im Langobardenreich und verhalf Luitprand auf den Thron, der sogleich Theodberts Tochter Guntrud ehelichte und so die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Baiern und Langobarden erneuerte.“
Wilfried Menghin: Die Langobarden. Archäologie und Geschichte, Theiss, Stuttgart 1985, S. 196.
Jörg Jarnut: Agilolfingerstudien. Untersuchungen zur Geschichte einer adligen Familie im 6. und 7. Jahrhundert, Anton Hiersemann, Stuttgart 1986, S. 118.
Ludo Moritz Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter Bd. II Teil 2, Gotha 1903, S. 125: „Die Beziehungen zu den befreundeten Bayern aber waren jetzt noch enger geknüpft, als in den letzten Zeiten der bayrischen Dynastie, und wurden noch gekräftigt, als Liutprand wenige Jahre nach seiner Thronbesteigung die Guntrut, die Tochter seines früheren Beschützers Teutpert, ehelichte. Allerdings wurde er aber durch diese Ehe auch in die Zwistigkeiten hineingezogen, die nach Teutperts Tode um dessen Erbe entbrannten …“