Guo Wengui

Guo Wengui (2017)

Guo Wengui (chinesisch: 郭文贵; * 1968 oder 1970 in Shen, Shandong) auch bekannt als Miles Guo (andere Varienten: Miles Kwok, Ho Wan Kwok, Guo Haoyun/郭浩云), ist ein im Exil lebender chinesischer Unternehmer und Betrüger. In den Vereinigten Staaten wurde er 2024 wegen mehrerer schwerer Betrugs- und Geldwäschedelikte schuldig gesprochen und im Juni 2026 zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Laufbahn

Guo wurde in der Provinz Shandong geboren. Er ist das siebte von acht Kindern. Er begann seine Geschäftskarriere in Zhengzhou, bevor er nach Peking zog, um sich während der Olympischen Spiele 2008 in Peking verschiedene Bauaufträge zu sichern. 2006 lieferte er ein Sexvideo, welches den stellvertretenden Bürgermeister von Peking zeigte, an die Polizei. Der stellvertretende Bürgermeister, der eines von Guos Grundstücksgeschäften angefochten hatte, wurde daraufhin inhaftiert, was Guo den Bau eines Gebäudekomplexes ermöglichte. Laut Berichten kam er dank seiner guten Kontakte zu den staatlichen Sicherheitsorganen an das Material. Guo galt zu dieser Zeit als politisch gut vernetzter Unternehmer und gehörte sogar zu den 100 reichsten Menschen Chinas.

Guo wurde 2014 von den chinesischen Behörden der Korruption und anderer Vergehen beschuldigt und verließ China. Er lebte später in den Vereinigten Staaten, zunächst mit einem Touristenvisum, und beantragte dort 2017 politisches Asyl. Die chinesischen Behörden warfen ihm unter anderem Bestechung, Entführung, Geldwäsche, Betrug und Vergewaltigung vor; Guo wies die Vorwürfe zurück. Nach seiner Flucht in die Vereinigten Staaten warf Guo der Kommunistischen Partei Chinas Korruption und Machtmissbrauch vor. Guo behauptet, ein Whistleblower zu sein und belastende Dokumente über die chinesische Regierung zu besitzen. Seine Behauptungen über interne Vorgänge in der chinesischen Führung blieben vielfach unbestätigt, trugen aber zu seiner Bekanntheit in der chinesischen Exilgemeinde und unter Kritikern der Kommunistischen Partei bei. Die chinesische Regierung stellte einen internationalen Haftbefehl bei Interpol auf ihn aus. Eine Auslieferung an die chinesischen Behörden wurde allerdings später von der Regierung von Donald Trump abgelehnt. Anfang 2017 eröffnete er einen Twitter-Account, auf dem er häufig Personen aus dem chinesischen Establishment kritisiert. So warf Guo dem Vizepräsidenten Chinas, Wang Qishan, vor, außereheliche Affären zu haben und sich an dem Unternehmen HNA Group bereichert zu haben. Wangs Ehefrau soll laut Guo Immobilien und Vermögen in den Vereinigten Staaten besitzen.

Im August 2018 berichteten mehrere Hongkonger Medien wie die South China Morning Post, dass die Hongkonger Polizei das Vermögen der Familie Guo eingefroren hat, die der Geldwäsche unter dem Namen von Guos Tochter Guo Mei beschuldigt wird. Am 3. Juni 2020 nahmen er und Steve Bannon an Bord von Guos Yacht in den Gewässern von New York City an einer Veranstaltung teil, auf der ein „Neuer Bundesstaat China“ ausgerufen wurde, der „die chinesische Regierung stürzen“ würde und als eine Art Exilregierung fungieren soll. Guo und Bannon beschrieben die Initiative als gegen die Kommunistische Partei Chinas gerichtete Bewegung; sie erschien vor allem als Online- und Lobbykampagne. Im August 2020 wurde Bannon bei einer frühmorgendlichen Razzia auf Guos 35-Millionen-Dollar-Luxusyacht, die in Connecticut vor Anker lag, von Bundesbehörden verhaftet, weil er Millionen von Dollar von der gemeinnützigen Organisation We Build The Wall gestohlen haben soll. Bannon wurde später von Präsident Trump begnadigt. In einem späteren Verfahren auf Ebene des Bundesstaats New York bekannte sich Bannon 2025 im Zusammenhang mit dem Grenzmauer-Projekt schuldig und erhielt eine dreijährige bedingte Entlassung ohne Haftstrafe. Zwischen 2018 und 2020 startete Guo zwei Medienprojekte mit Bannon, G News und GTV Media Group. Diesen Medien wurde die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien vorgeworfen.

Im Februar 2022 verurteilte ihn ein New Yorker Gericht zu einer Millionenstrafe, weil er eine Yacht dem Zugriff seiner Gläubiger entzogen hatte. Wenige Tage später leistete er vor einem Gericht in Connecticut den Offenbarungseid. Seine Wohnung in Manhattan steht zum Verkauf. Im März 2023 wurde Guo vom FBI in seinem New Yorker Penthouse festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, Tausende Investoren um mehr als eine Milliarde Dollar betrogen zu haben. Die angeklagten Geschäfte umfassten unter anderem Beteiligungen an Unternehmen und Projekten, einen Mitgliederclub mit einem Mindestbeitrag von 10.000 US-Dollar sowie die Kryptowährungsplattform Himalaya Exchange. Zwischen 2018 und 2023 warb Guo von seinen Online-Anhängern mehr als eine Milliarde US-Dollar ein, indem er ihnen hohe Renditen und exklusive Dienstleistungen in Aussicht stellte. Die Gelder wurden nach den Feststellungen der US-Behörden unter anderem für einen aufwendigen Lebensstil verwendet, darunter ein Penthouse in Manhattan, ein Anwesen in New Jersey, ein Lamborghini im Wert von etwa einer Million US-Dollar und eine Yacht im Wert von 37 Millionen US-Dollar. Guo bestritt die Vorwürfe und erklärte, die Gelder seien für seinen politischen Aktivismus verwendet worden.

Im Juli 2024 befand eine Jury in New York Guo in neun von zwölf Anklagepunkten für schuldig, darunter Wertpapierdelikte, Überweisungsbetrug und Geldwäsche. Seine frühere Mitarbeiterin Yvette Wang wurde im Jahr darauf wegen ihrer Rolle in dem System zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2026 wurde Guo in New York zu 30 Jahren Haft verurteilt. Die Bundesrichterin Analisa Torres ordnete außerdem den Einzug von 889 Millionen US-Dollar an. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Guo Menschen ausgenutzt hatte, die eine Demokratisierung Chinas unterstützten, und das Geld zur Finanzierung seines eigenen Lebensstils verwendete. Guo hielt an seiner Unschuld fest; seine Anwälte kündigten an, gegen Schuldspruch und Strafmaß Berufung einzulegen.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Winand von Petersdorff: FBI verhaftet Bannon-Kumpel. In: faz.net vom 16. März 2023, abgerufen am 2. August 2023.
  2. ↑ Miles Guo Sentenced To 30 Years In Prison For Leading Billion-Dollar Fraud. Abgerufen am 6. Juli 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Miranda Jeyaretnam: Chinese Billionaire Guo Wengui Sentenced to 30 Years for Billion-Dollar Fraud. In: Time. 30. Juni 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 Alastair McCready: Chinese tycoon Guo Wengui sentenced to 30 years in US prison for fraud. In: The Guardian. 30. Juni 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  5. ↑ Michael Forsythe: As Trump Meets Xi at Mar-a-Lago, There’s a ‘Wild Card’. In: The New York Times. 4. April 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. September 2021]).
  6. ↑ Deutsche Welle (www.dw.com): Guo Wengui: Der Milliardär, der Peking zittern lässt | DW | 18.10.2017. Abgerufen am 21. September 2021.
  7. ↑ China responds after Steve Bannon ally Guo Wengui sentenced to 30 years. 30. Juni 2026, abgerufen am 12. Juli 2026 (englisch).
  8. ↑ Cezary Podkul in New York and Chun Han Wong in Beijing: Chinese Fugitive Guo Wengui Amasses War Chest to Battle Beijing. In: Wall Street Journal. 3. Oktober 2017, ISSN 0099-9660 (wsj.com [abgerufen am 21. September 2021]).
  9. 1 2 3 Shakeel Sobhan: US: Chinese billionaire sentenced to 30 years in prison. In: Deutsche Welle. 30. Juni 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  10. ↑ Lauren Hilgers: The Mystery of the Exiled Billionaire Whistle-Blower. In: The New York Times. 10. Januar 2018, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. September 2021]).
  11. ↑ Deutsche Welle (www.dw.com): Guo Wengui: Der Milliardär, der Peking zittern lässt | DW | 18.10.2017. Abgerufen am 21. September 2021 (deutsch).
  12. ↑ Vincent Barone: Mysterious ‘Federal State of New China’ banners seen on planes over NYC. In: New York Post. 4. Juni 2020, abgerufen am 21. September 2021 (amerikanisches Englisch).
  13. ↑ Alan Feuer, William K. Rashbaum, Maggie Haberman: Steve Bannon Is Charged With Fraud in We Build the Wall Campaign. In: The New York Times. 20. August 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. September 2021]).
  14. 1 2 3 4 5 Osmond Chia: Chinese tycoon sentenced to 30 years in US jail. In: BBC News. 1. Juli 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  15. ↑ US-Milliardär verbreitet Verschwörungsmythen in Deutschland. Abgerufen am 21. September 2021.
  16. ↑ Christian Berthelsen: Chinese Exile Guo Wengui Held in Contempt, Must Pay $134 Million. In: bloomberg.com. 10. Februar 2022, abgerufen am 2. August 2023 (englisch).
  17. ↑ Blake Schmidt: NYC Condo Listed at $45 Million Housed Exiled Chinese Tycoon. In: bnnbloomberg.ca. 15. Februar 2022, abgerufen am 2. August 2023.
  18. ↑ Mike Wendling, Grace Tsoi: Guo Wengui: How a Chinese tycoon built a pro-Trump money machine. In: bbc.com. 25. März 2023, abgerufen am 2. August 2023 (englisch).
  19. ↑ Martin Pengelly, Amy Hawkins: Chinese business tycoon and Bannon ally Guo Wengui arrested in $1bn fraud conspiracy. In: theguardian.com. 15. März 2023, abgerufen am 2. August 2023 (englisch).
  20. ↑ Betrug und Geldwäsche: Chinesischer Immobilienmagnat Guo Wengui in den USA zu 30 Jahren Haft verurteilt. In: Der Spiegel. 30. Juni 2026, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 30. Juni 2026]).
Personendaten
NAME Guo, Wengui
ALTERNATIVNAMEN Guo, Haoyun; Miles, Guo; Miles, Kwok
KURZBESCHREIBUNG chinesischer Unternehmer und politischer Aktivist im Exil
GEBURTSDATUM 1968 oder 1970
GEBURTSORT Shen, Shandong