Gustav Bickell

Gustav Bickell

Gustav Wilhelm Hugo Bickell (* 7. Juli 1838 in Kassel; † 15. Januar 1906 in Wien) war ein deutscher Orientalist. Er galt als einer der besten Kenner der syrischen Sprache und verfasste zahlreiche Schriften über syrische Handschriften, die syrischen Kirchenväter und das Alte Testament.

Leben

Sein Vater Johann Wilhelm Bickell (1799–1848) war Professor für Kanonisches Recht an der Universität Marburg, zuletzt Justizminister von Hessen-Kassel. Gustav Bickell studierte ab 1857 in Marburg und Halle Theologie und Sprachwissenschaften und wurde 1862 Privatdozent für semitische und indogermanische Sprachen in Marburg, im folgenden Jahr unterrichtete er in denselben Fächern an der Universität Gießen. In den Hymnen des syrischen Asketen Ephräm, die er in London transkribierte, fand er für sich ein klares Zeugnis für die Unbefleckte Empfängnis Mariens, wie sie auch von der katholischen Kirche gelehrt wird. In der Folge trat er am 5. November 1865 zur katholischen Kirche über. Nach seiner Konversion trat er in das Priesterseminar Fulda ein und wurde 1867 zum Priester geweiht. 1868 begleitete er seinen Cousin Ludwig Bickell auf einer Studienreise. Ab 1869 lebte er am Priesterkolleg Santa Maria dell’ Anima in Rom.

Er lehrte anschließend orientalische Sprachen an der Akademie von Münster und wurde 1871 außerordentlicher Professor. Zu dieser Zeit wurde er zum energischen Verfechter der päpstlichen Unfehlbarkeitslehre. 1874 wurde er an der theologischen Fakultät der Universität Innsbruck Professor für christliche Archäologie und semitische Sprachen. 1891 erhielt er einen Ruf an die Universität Wien, wo er an der philosophischen Fakultät Professor für semitische Sprachen war. Bickell wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.

Ehrungen

1892 wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1901 wurde er zum Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.

Seit 1876 war er Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung AV Austria Innsbruck. 1921 wurde ein Porträtrelief Bickells von Karl Nickmann im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. 1922 benannte man die Bickellgasse in Wien-Meidling nach dem Wissenschaftler.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Commons: Gustav Bickell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Gustav Bickell – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Josef Lenzenweger: Sancta Mariae de Anima. Herder, Wien-Rom 1959, S. 149.
  2. ↑ Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 40.
  3. ↑ Univ.-Prof. Dr. Dr. Gustav Wilhelm Hugo Bickell. In: oecv.at. Abgerufen am 30. April 2024.
Personendaten
NAME Bickell, Gustav
ALTERNATIVNAMEN Bickell, Gustav Wilhelm Hugo (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Altorientalist
GEBURTSDATUM 7. Juli 1838
GEBURTSORT Kassel
STERBEDATUM 15. Januar 1906
STERBEORT Wien