Gustav Jacoby

Gustav Jacoby (* 24. Dezember 1895 in Wiesbaden; † 25. Mai 1939 in Berlin (?)) war ein deutscher Humorist und Vortragsmeister.

Leben und Wirken

Er war ein Sohn des Lustspieldichters Wilhelm Jacoby, dessen Posse “Pension Schöller” noch heute gespielt wird. Ursprünglich sollte er eine Kaufmannslehre bei einer Sektkellerei antreten, doch ihn zog es zur Bühne. Er bekam eine Volontärstelle beim Frankfurter Schauspielhaus. Danach folgten Engagements in Bad Homburg, im Seebad Binz und in Putbus auf der Insel Rügen. 1917 wurde er eingezogen und trat in Fronttheatern auf.

Einer misslungenen Klassikeraufführung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, bei der er vernichtend kritisiert wurde, verdankte Jacoby den Wechsel ins humoristische Fach. Von da an unterhielt er bei Vortragsabenden sein Publikum mit eigenen Conférences und war dabei so erfolgreich, dass er bald zu einem Großen der Kleinkunst aufstieg. Er debütierte 1924 am Berliner Rundfunk. Richtig bekannt aber machten ihn die »Lustigen Abende« bei der WERAG, der Vorläuferin des Westdeutschen Rundfunks, bei denen er als Conférencier wirkte. Doch gastiert er auch an anderen deutschen Sendern und Bühnen, so z. B. am Deutschen Theater in München oder in der Berliner “Scala”.

Die Kritik der zeitgenössischen Presse zeichnete ihn mit Prädikaten wie „starke künstlerische Persönlichkeit“, „geistreicher, launiger Plauderer“ und „großer Vortragsmeister“ aus, ja nannte ihn gar einen „echten Causeur“ und „wahrhaften Bohemien“. Hervorgehoben wurden seine „reiche Skala an Modulation“ und seine „hervorragende Sprachtechnik“.

Seine Spezialität waren launige Plaudereien und mundartliche Spaziergänge durch die Landschaften des Reiches, deren Dialekte er meisterhaft beherrschte: „Zu den bekanntesten Nummern, die Jacoby vortrug, gehörte die ‘Darstellung landsmännischer Typen in Ausdruck und Gebärde’ “. Mit Monokel und Zigarre, seinen unvermeidlichen Kennzeichen, auftretend, zählte er zu den beliebtesten Humoristen im Deutschland der 1930er Jahre. Ende 1938 zwang ihn schwere Krankheit zur Aufgabe seines Berufes. Er starb im Alter von 44 Jahren.

Für Lindströms Odeon-Etikett nahm er in der 2.Hälfte der 1920er Jahre eine Reihe von Grammophonplatten auf, die seine Stimme der Nachwelt erhalten haben.

Tondokumente (Beispiele)





Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ so bei Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Göttingen, im Selbstverlag 1992; laut Donderer S. 74 war er der Bruder des Ufa-Filmregisseurs Georg Jacoby, nachmals Ehemann von Marika Rökk.
  2. ↑ vgl. Leonhard, Programmgeschichte S. 1014 : „Der rheinische Humorist Gustav Jacoby trat bereits im ersten Sendejahr mehrfach in Berlin, je zweimal in Frankfurt ... auf.“
  3. ↑ vgl. Taschenalbum “Künstler am Rundfunk” S. 247, wo es zu seiner Photographie heißt: „Gustav Jacoby, einer der deutschen Meisterhumoristen, übernimmt die Conference in den "Lustigen Abenden" des Westdeutschen Rundfunks.“ Und im 4. Band von “Künstler im Rundfunk” steht auf S. 32: „Er gastiert unzählige Male an deutschen Sendern in größeren Veranstaltungen und mit eigenen Vortragsprogrammen.“ Bei radiomusaeum.org (Memento vom 19. Oktober 2016 im Internet Archive)
  4. ↑ H.Dollinger S. 150
  5. ↑ Im Programmheft der “Scala” vom Dezember 1937 wurde Jacobis Auftritt „Der lachende Weltenspiegel“ auf S. 8 sogar direkt als „politische Conférence“ angekündigt, vgl. Donderer et al., S. 74
  6. ↑ zit. nach Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Göttingen, im Selbstverlag 1992
  7. ↑ vgl. Albumblatt m. sign. Zeitungsausschnitt, datiert Leipzig, 27. April 1933, kl. Artikel: „Er unternimmt einen Streifzug nach Bayern, Schwaben, Sachsen, nach Berlin, Frankfurt und zum Rhein, und erzählt seine amüsanten Erlebnisse jeweils in dem betreffenden Dialekt.“
  8. ↑ vgl. Müller S. 327
  9. ↑ vgl. Zeichnung von Adler bei radiomusaeum.org (Memento des Originals vom 8. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. ↑ Etiketten abgebildet bei picclick.de (abgerufen am 3. Juli 2020)
  11. ↑ Etikett abgeb. bei -plattenshop.net (Memento des Originals vom 7. Juli 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (abgerufen am 3. Juli 2020)
  12. ↑ sokrates-digital.de
  13. ↑ Titelseite abgeb. bei radiomusaeum.org (Memento vom 10. Dezember 2016 im Internet Archive)
Personendaten
NAME Jacoby, Gustav
KURZBESCHREIBUNG deutscher Vortragskünstler und Humorist
GEBURTSDATUM 24. Dezember 1895
GEBURTSORT Wiesbaden
STERBEDATUM 25. Mai 1939
STERBEORT unsicher: Berlin