
Gustave Deloye (eigentlich: Jean-Baptiste Gustave Deloye; * 30. April 1838 in Sedan, Ardennes; † 17. Februar 1899 in Paris) war ein französischer Bildhauer und Medailleur. Er gilt als Vertreter des Neobarock, einer Stilrichtung der französischen Bildhauerei des späten 19. Jahrhunderts, die sich am 18. Jahrhundert orientiert. Sein Werk Saint Marc (Musée d’Orsay) ist ein bekanntes Beispiel für diese Stilrichtung. Deloye hinterließ einige seiner Werke dem Museum seiner Heimatstadt Sedan.
Gustave Deloye war ein Sohn des Xavier Deloye. Ab 1857 studierte er an der École des Beaux-Arts in Paris, wo er Schüler von François Jouffroy, Jean-Pierre Dantan und Philippe Joseph Henri Lemaire war. 1862 erhielt er den zweiten Rompreis für die Figur Le berger Aristée perdant ses abeilles. Sein Salondebüt gab er mit der Gruppe Héro et Léandre. In der Folge beschickte der überwiegend in Paris ansässige Deloye bis zu seinem Tod nahezu alljährlich den Salon der Société des artistes français, vorwiegend mit Statuen, Statuetten und Gruppen mythologisch-genrehaften Inhalts sowie mit Bildnisbüsten, Medaillons und dekorativen Arbeiten. Stilistisch orientierte er sich, dem Beispiel Jean-Baptiste Carpeauxs folgend, an der Skulptur des 18. Jahrhunderts, insbesondere an Clodion und Étienne Maurice Falconet.

Ab 1873 hielt sich Gustave Deloye mehrere Jahre in Wien auf. Dort stellte ihm Fürst Johann II. von Liechtenstein ein Atelier sowie Aufträge für den Liechtensteingarten und Schloss Eisgrub in Mähren zur Verfügung. In dieser Zeit war er auch an der dekorativen Ausstattung des Wiener Ausstellungspalastes für die Weltausstellung 1873 beteiligt. Sein Aufenthalt in Wien wird als nicht ohne Einfluss auf die österreichische Bildhauerei jener Zeit beschrieben, etwa auf Viktor Tilgner. In Paris erhielt er unter anderem Aufträge für das Hôtel de Ville (Bildnis Charles-Nicolas Cochins, Stein, 1882) und das Palais de l’Institut (Marmorbüste von Émile Littré, Salon 1882, im Auftrag des Ministère de l’Instruction publique). Anlässlich des Besuchs des russischen Zaren Nikolaus’ II. in Paris wurde er 1896 mit der Ausschmückung des Parks der russischen Gesandtschaft betraut. 1891 vollendete er das Denkmal für Giuseppe Garibaldi auf der Place Garibaldi in Nizza nach einem ursprünglichen Entwurf von Antoine Étex, der 1888 verstorben war und das Werk unvollendet hinterlassen hatte. Im selben Jahr schuf er zwei Flachreliefs für ein Denkmal des costa-ricanischen Nationalhelden Juan Santamaría in Alajuela, Costa Rica. 1892 wurde er zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. 1898 gehörte er neben Jean-Léon Gérôme zu den Gründungsmitgliedern der Société de l’art précieux. Er starb 1899 in seiner Pariser Wohnung in der Rue de Calais und wurde in L’Étang-la-Ville beigesetzt. Zu seinem umfangreichen Œuvre zählen mythologische und allegorische Darstellungen, Genrefiguren, Bildnisbüsten sowie eine größere Zahl von Medaillons – nach AKL Online etwa 200 – und dekorative Arbeiten, darunter Modelle für die Porzellanmanufaktur Sèvres.
Werke Deloyes befinden sich unter anderem im Musée de Picardie in Amiens, im Musée des Beaux-Arts d’Angers, in der Hamburger Kunsthalle, im Museum für angewandte Kunst (MAK) sowie im Naturhistorischen Museum und in der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien.

Gustave Deloye stellte von 1865 bis 1899 regelmäßig im Pariser Salon aus und erhielt dort 1872, 1879 und 1886 ehrenvolle Erwähnungen sowie 1887 eine Medaille dritter Klasse. Auf den Weltausstellungen 1889 und 1900 in Paris wurde ihm ebenfalls eine Auszeichnung (Bronzemedaille) zuerkannt. In Wien nahm er 1872 und 1888 an den Ausstellungen des Künstlerhauses teil und erhielt 1888 die Silberne Staatsmedaille.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Deloye, Gustave |
| ALTERNATIVNAMEN | Deloye, Jean-Baptiste Gustave (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Bildhauer und Medailleur |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1838 |
| GEBURTSORT | Sedan |
| STERBEDATUM | 17. Februar 1899 |
| STERBEORT | Paris |