
Jose-Guy Bodenmann (* 1962) ist ein Schweizer Psychologe, Heilpädagoge und Psychotherapeut. Er ist Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich.
Bodenmann wuchs zunächst in Bern auf, später in der französischsprachigen Schweiz, wollte ursprünglich Kunstmaler werden und studierte zunächst Kunstgeschichte und Germanistik in Bern, bevor er dieses Studium abbrach und zur Klinischen Heilpädagogik und Psychologie wechselte.
Bodenmann ist mit der Psychologin und Paartherapeutin Corinne Bodenmann-Kehl verheiratet, mit der er auch gemeinsam publizierte und die ihn zum Forschungsaufenthalt in Washington begleitete. Sie haben drei gemeinsame Kinder.
Guy Bodenmann studierte Klinische Psychologie (lic. phil. 1991), Allgemeine und Angewandte Psychologie sowie Klinische Heilpädagogik (Diplom 1987) an der Universität Freiburg/Schweiz 1995 schloss er das Doktorat in Klinischer Psychologie ab und promovierte zum Thema Bewältigung von Stress in Partnerschaften: der Einfluss von Belastungen auf die Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen., 1999 habilitierte er mit der Venia legendi für Klinische Psychologie. 1993–1994 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt bei John Gottman an der University of Washington (Seattle, USA).
Bodenmann ist eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut und Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Er absolvierte seine Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie bei der Schweizerischen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (SGVT) und spezialisierte sich in Paartherapie bei Neil Jacobson und John Gottman (beide USA) sowie Kurt Hahlweg und Brigitte Schröder in (beide Deutschland). Er ist Ausbildner, Supervisor und Selbsterfahrungstherapeut.
Von 1988 bis 1991 war er Unterassistent und anschliessend von 1991 bis 1995 Lehrstuhlassistent bei Meinrad Perrez an der Universität Freiburg/Schweiz. Von 1995 bis 2008 leitete Bodenmann das Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg/Schweiz, zuerst als Koordinator, anschliessend als Direktor. 2001 bis 2005 hielt er eine SNF-Förderprofessur an der Universität Fribourg inne, anschliessend war er bis 2008 assoziierter Professor für Klinische Beziehungspsychologie an der Universität Fribourg.
2003 lehnte er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Psychologie Clinique de l’Adulte an der Universität Genf ab.
Seit 2008 ist Bodenmann ordentlicher Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich. Er ist Direktor der Praxisstelle für Paartherapie und der Praxisstelle für Kinder- und Jugendpsychotherapie am Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich. Er ist Co-Präsident der Akademie für Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter (AVKJ) und Direktor von zwei Weiterbildungsstudiengängen (MAS für kognitive Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen, MAS für Schulpsychologie).
Zu Bodenmanns Forschungsschwerpunkten gehören:
Einen Schwerpunkt von Bodenmanns Forschung bildet das dyadische Coping. Bereits 1991 untersuchten Bodenmann und Meinrad Perrez gemeinsam die Stressbewältigung in Partnerschaften aus einer systemischen Perspektive. In der Folge entwickelte Bodenmann das Systemisch-Transaktionale Modell (STM), das Stress und Coping bei Paaren als wechselseitig voneinander abhängige Prozesse auffasst. Das Modell unterscheidet unter anderem supportives, delegiertes und gemeinsames dyadisches Coping sowie negative Formen. Zur Erfassung des dyadischen Copings entwickelte Bodenmann das Dyadische Coping Inventar (DCI).
Das STM entwickelte sich zu einem zentralen Ansatz der internationalen Forschung zum dyadischen Coping; eine Übersichtsarbeit von Falconier und Kuhn bezeichnet es als das Modell, das den grössten Teil der Forschung auf diesem Gebiet angeleitet habe. Eine Metaanalyse zeigte zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen dyadischem Coping und Partnerschaftszufriedenheit.
Basierend auf diesem Konzept entwickelte Bodenmann das evidenzbasierte Präventionsprogramm Paarlife zur Förderung der stressbezogenen emotionalen Selbstöffnung, des empathischen Zuhörens und des dyadischen Copings. Paarlife (auf Englisch: Couple Coping Enhancement Training, CCET) wird in verschiedenen Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, USA) angeboten und wurde auch für gleichgeschlechtliche Paare adaptiert (CCET-SMS).
Den Forschungsaufenthalt bei Gottman bezeichnete Bodenmann rückblickend als prägend für seine wissenschaftliche Entwicklung. Während er sich zuvor vor allem mit Stressforschung beschäftigt hatte, verband er in der Folge Stress- und Paarforschung miteinander.
Die Universität Zürich führt Bodenmann unter Berufung auf einen Scoping-Review von Sharkey et al. auf Platz 4 der weltweit einflussreichsten Beziehungsforscher.
In einem Interview mit dem SPIEGEL führte Bodenmann 2025 aus, Forschung und klinische Praxis hätten auch seine eigene Partnerschaft stark beeinflusst, weil er problematische Verhaltensmuster bei Paaren beobachte und dabei erkenne, wie leicht man selbst in solche Muster geraten könne. Auf die Frage, ob er bedauere, angesichts neuer KI-Möglichkeiten bald aufhören zu müssen, nennt er die Erforschung realer Alltagsinteraktionen von Paaren als besonders faszinierende Zukunftsperspektive, verweist dann aber darauf, dass es viele kluge Nachwuchswissenschaftler gebe, die diese Forschung fortführen würden.
Laut Google Scholar (Stand August 2026) wurden insgesamt 680 Fachartikel und -beiträge, an denen Bodenmann mitgewirkt hat, 32'211 mal zitiert (h-index 90; i10-Index 273). Der von ihm entwickelte Fragebogen Dyadisches Coping Inventar (DCI) wurde bisher in 24 Sprachen übersetzt und in 15 Sprachen validiert.
Als Herausgeber und Autor hat Guy Bodenmann u. a. folgende Werke veröffentlicht:
Lehrbücher:
Fachbücher:
Sachbücher:
Therapiematerialien:
Herausgeber-Werke:
Seit 2023 produziert und publiziert Bodenmann gemeinsam mit Kristina Schneider den im Interview-Format gestalteten Psychologie-Podcast Beziehungen verstehen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bodenmann, Guy |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Heilpädagoge, Psychologe und Psychotherapeut |
| GEBURTSDATUM | 1962 |