Guy Bodenmann

Guy Bodenmann 2026

Jose-Guy Bodenmann (* 1962) ist ein Schweizer Psychologe, Heilpädagoge und Psychotherapeut. Er ist Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich.

Leben

Bodenmann wuchs zunächst in Bern auf, später in der französischsprachigen Schweiz, wollte ursprünglich Kunstmaler werden und studierte zunächst Kunstgeschichte und Germanistik in Bern, bevor er dieses Studium abbrach und zur Klinischen Heilpädagogik und Psychologie wechselte.

Bodenmann ist mit der Psychologin und Paartherapeutin Corinne Bodenmann-Kehl verheiratet, mit der er auch gemeinsam publizierte und die ihn zum Forschungsaufenthalt in Washington begleitete. Sie haben drei gemeinsame Kinder.

Ausbildung

Guy Bodenmann studierte Klinische Psychologie (lic. phil. 1991), Allgemeine und Angewandte Psychologie sowie Klinische Heilpädagogik (Diplom 1987) an der Universität Freiburg/Schweiz 1995 schloss er das Doktorat in Klinischer Psychologie ab und promovierte zum Thema Bewältigung von Stress in Partnerschaften: der Einfluss von Belastungen auf die Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen., 1999 habilitierte er mit der Venia legendi für Klinische Psychologie. 1993–1994 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt bei John Gottman an der University of Washington (Seattle, USA).

Bodenmann ist eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut und Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Er absolvierte seine Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie bei der Schweizerischen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (SGVT) und spezialisierte sich in Paartherapie bei Neil Jacobson und John Gottman (beide USA) sowie Kurt Hahlweg und Brigitte Schröder in (beide Deutschland). Er ist Ausbildner, Supervisor und Selbsterfahrungstherapeut.

Berufliche Tätigkeit

Von 1988 bis 1991 war er Unterassistent und anschliessend von 1991 bis 1995 Lehrstuhlassistent bei Meinrad Perrez an der Universität Freiburg/Schweiz. Von 1995 bis 2008 leitete Bodenmann das Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg/Schweiz, zuerst als Koordinator, anschliessend als Direktor. 2001 bis 2005 hielt er eine SNF-Förderprofessur an der Universität Fribourg inne, anschliessend war er bis 2008 assoziierter Professor für Klinische Beziehungspsychologie an der Universität Fribourg.

2003 lehnte er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Psychologie Clinique de l’Adulte an der Universität Genf ab.

Seit 2008 ist Bodenmann ordentlicher Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich. Er ist Direktor der Praxisstelle für Paartherapie und der Praxisstelle für Kinder- und Jugendpsychotherapie am Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich. Er ist Co-Präsident der Akademie für Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter (AVKJ) und Direktor von zwei Weiterbildungsstudiengängen (MAS für kognitive Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen, MAS für Schulpsychologie).

Forschungsschwerpunkte

Zu Bodenmanns Forschungsschwerpunkten gehören:

Einen Schwerpunkt von Bodenmanns Forschung bildet das dyadische Coping. Bereits 1991 untersuchten Bodenmann und Meinrad Perrez gemeinsam die Stressbewältigung in Partnerschaften aus einer systemischen Perspektive. In der Folge entwickelte Bodenmann das Systemisch-Transaktionale Modell (STM), das Stress und Coping bei Paaren als wechselseitig voneinander abhängige Prozesse auffasst. Das Modell unterscheidet unter anderem supportives, delegiertes und gemeinsames dyadisches Coping sowie negative Formen. Zur Erfassung des dyadischen Copings entwickelte Bodenmann das Dyadische Coping Inventar (DCI).

Das STM entwickelte sich zu einem zentralen Ansatz der internationalen Forschung zum dyadischen Coping; eine Übersichtsarbeit von Falconier und Kuhn bezeichnet es als das Modell, das den grössten Teil der Forschung auf diesem Gebiet angeleitet habe. Eine Metaanalyse zeigte zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen dyadischem Coping und Partnerschaftszufriedenheit.

Basierend auf diesem Konzept entwickelte Bodenmann das evidenzbasierte Präventionsprogramm Paarlife zur Förderung der stressbezogenen emotionalen Selbstöffnung, des empathischen Zuhörens und des dyadischen Copings. Paarlife (auf Englisch: Couple Coping Enhancement Training, CCET) wird in verschiedenen Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, USA) angeboten und wurde auch für gleichgeschlechtliche Paare adaptiert (CCET-SMS).

Den Forschungsaufenthalt bei Gottman bezeichnete Bodenmann rückblickend als prägend für seine wissenschaftliche Entwicklung. Während er sich zuvor vor allem mit Stressforschung beschäftigt hatte, verband er in der Folge Stress- und Paarforschung miteinander.

Die Universität Zürich führt Bodenmann unter Berufung auf einen Scoping-Review von Sharkey et al. auf Platz 4 der weltweit einflussreichsten Beziehungsforscher.

In einem Interview mit dem SPIEGEL führte Bodenmann 2025 aus, Forschung und klinische Praxis hätten auch seine eigene Partnerschaft stark beeinflusst, weil er problematische Verhaltensmuster bei Paaren beobachte und dabei erkenne, wie leicht man selbst in solche Muster geraten könne. Auf die Frage, ob er bedauere, angesichts neuer KI-Möglichkeiten bald aufhören zu müssen, nennt er die Erforschung realer Alltagsinteraktionen von Paaren als besonders faszinierende Zukunftsperspektive, verweist dann aber darauf, dass es viele kluge Nachwuchswissenschaftler gebe, die diese Forschung fortführen würden.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Laut Google Scholar (Stand August 2026) wurden insgesamt 680 Fachartikel und -beiträge, an denen Bodenmann mitgewirkt hat, 32'211 mal zitiert (h-index 90; i10-Index 273). Der von ihm entwickelte Fragebogen Dyadisches Coping Inventar (DCI) wurde bisher in 24 Sprachen übersetzt und in 15 Sprachen validiert.

Als Herausgeber und Autor hat Guy Bodenmann u. a. folgende Werke veröffentlicht:

Lehrbücher:

Fachbücher:

Sachbücher:

Therapiematerialien:

Herausgeber-Werke:

Podcast

Seit 2023 produziert und publiziert Bodenmann gemeinsam mit Kristina Schneider den im Interview-Format gestalteten Psychologie-Podcast Beziehungen verstehen.

Commons: Guy Bodenmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Guy Bodenmann im Porträt: Über Stress bei Paaren. Abgerufen am 16. August 2026 (deutsch).
  2. 1 2 3 Claudio Rizzello: (S+) Guy Bodenmann: Der Schweizer Streitforscher über Wut, Liebe und die gute Entschuldigung. In: Der Spiegel. 17. August 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. August 2026]).
  3. ↑ Guy Bodenmann: Bewältigung von Stress in Partnerschaften : der Einfluss von Belastungen auf die Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen. In: Freiburg, Schweiz : Univ.-Verl. [u. a.], 1995 ; Bern : Huber, 1995. 1995, abgerufen am 16. Juli 2026.
  4. 1 2 3 4 Guy Bodenmann. Universität Zürich, abgerufen am 16. August 2026.
  5. ↑ Guy Bodenmann - Psyfinder - Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen. Abgerufen am 18. August 2026.
  6. ↑ Fortbildungen :: SGVT SSTCC. Abgerufen am 18. August 2026.
  7. ↑ Universität Zürich: Jahresbericht 2008. 2008, S. 46, 127, abgerufen am 16. Juli 2026.
  8. ↑ Psychotherapeutisches Zentrum | Psychologisches Institut | UZH. Abgerufen am 16. August 2026.
  9. ↑ Guy Bodenmann, Meinrad Perrez: Dyadisches Coping – eine systemische Betrachtungsweise der Belastungsbewältigung in Partnerschaften. In: Zeitschrift für Familienforschung. Band 3, Nr. 3, 1991, S. 4–25.
  10. ↑ Guy Bodenmann: A systemic-transactional conceptualization of stress and coping in couples. In: Swiss Journal of Psychology. Band 54, Nr. 1, 1995, S. 34–49.
  11. ↑ Guy Bodenmann: DCI - Dyadisches Coping Inventar | Testzentrale. In: Hogrefe Verlag. 2008, abgerufen am 18. August 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
  12. ↑ Mariana K. Falconier, Rebekka Kuhn: Dyadic Coping in Couples: A Conceptual Integration and a Review of the Empirical Literature. In: Frontiers in Psychology. Band 10, 2019, doi:10.3389/fpsyg.2019.00571.
  13. ↑ Mariana K. Falconier, Jeffrey B. Jackson, Peter Hilpert, Guy Bodenmann: Dyadic coping and relationship satisfaction: A meta-analysis. In: Clinical Psychology Review. Band 42, 2015, S. 28–46, doi:10.1016/j.cpr.2015.07.002.
  14. ↑ G. Bodenmann, S. D. Shantinath (2004). The Couples Coping Enhancement Training (CCET): A new approach to prevention of marital distress based upon stress and coping. Family Relations, 53 (5), 477-484.
  15. ↑ A. K. Randall, C. J. Totenhagen, E. G. Calveri, G. Bodenmann, K. Grevins, S. S. Rostoky (2024). The Couples Coping Enhancement Training – Sexual Minority Stress (CCET-SMS) Relationship Education Program: Feasibility, acceptability, and preliminary evidence of effectiveness. LGBTQ+Family: An Interdisciplinary Journal. doi:10.1080/27703371.2024.2405148
  16. ↑ Award Winners. International Association for Relationship Research, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
  17. ↑ Mariana K. Falconier. University of Maryland School of Public Health, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
  18. ↑ James C. Overholser: The 4th Annual "Psyche" Awards for Valuable Contributions to Psychotherapy: Encouraging the Integration of Science and Practice. In: Journal of Contemporary Psychotherapy. Band 51, 2021, S. 273–282, doi:10.1007/s10879-021-09507-6.
  19. ↑ Gmelch, S., Bodenmann, G., Meuwly, N., Ledermann, T., Steffen-Sozinova, O., & Striegl, K.: Dyadisches Coping Inventar (DCI): Ein Fragebogen zur Erfassung des partnerschaftlichen Umgangs mit Stress. ZORA - Zurich Open Repository and Archive, 11. Dezember 2008, abgerufen am 16. Juli 2026.
  20. ↑ Guy Bodenmann. In: Google Scholar. Abgerufen am 16. Juli 2026.
  21. ↑ Publikationsliste. (PDF) Universität Zürich, abgerufen am 11. Februar 2024.
  22. ↑ Guy Bodenmann: Beziehungen verstehen. In: Podcast. Abgerufen am 16. Juli 2026.
Personendaten
NAME Bodenmann, Guy
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Heilpädagoge, Psychologe und Psychotherapeut
GEBURTSDATUM 1962