Győr

Győr
Győr (Ungarn)
Győr (Ungarn)
Győr
Basisdaten
Staat: Ungarn Ungarn
Region: Westtransdanubien
Komitat: Győr-Moson-Sopron
Kleingebiet bis 31.12.2012: Győr
Kreis: Győr
Koordinaten: 47° 41′ N, 17° 38′ OKoordinaten: 47° 41′ 0″ N, 17° 38′ 0″ O
Höhe: 118 m
Fläche: 174,61 km²
Einwohner: 129.373 (1. Jan. 2025)
Bevölkerungsdichte: 741 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 96
Postleitzahl: 9000–9030
KSH-kód: 25584
Struktur und Verwaltung (Stand: 2025)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 21 Ortsteile
Bürgermeister: Pintér Bence, seit 2024
Postanschrift: Városház tér 1
9021 Győr
Website:
(Quelle: II. Detailed data of localities In: Detailed Gazetteer of Hungary. Hungarian Central Statistical Office)
Die Basilika von Győr, unten der Széchenyi tér (Széchenyi-Platz)
Győr, Karmeliterkirche mit ehemaligem Kloster am Wienertor-Platz (rechts der Brücke)

Győr ([ˈɟøːr] ⓘ; deutsch Raab, lateinisch Antike: Arrabona, Mittelalter: Jaurinum, Jaurium, Javarinum, Jurinum) ist eine westungarische Stadt mit etwa 130.000 Einwohnern. Die Stadt hat Komitatsrecht. Sie liegt im westlichen Pannonien, der Kleinen Ungarischen Tiefebene. Hier mündet die Raab in die Mosoni Duna (Moson-Donau oder Kleine Donau), einen rechten Seitenarm der Donau.

Geschichte

In der Antike befand sich auf dem Gebiet der Stadt Győr die römische Siedlung Arrabona. Davon leitet sich der Name „Raab“ ab. Bistum und Burggrafschaft wurden im 10. Jahrhundert gegründet, das Stadtrecht folgte 1271. Győr war während der Türkenkriege einer der letzten Vorposten vor Wien und hatte daher unschätzbare militärische Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde Raab nach Plänen der italienischen Baumeister Pietro Ferrabosco und Bernardo Gaballio zur Festung ausgebaut. Im Lapidarium von Győr sind auch Fragmente des Wiener Tores (Bécsi-kapu), eines triumphbogenartigen Renaissanceportals, aufbewahrt, die Kaiserkrone, das königlich ungarische Wappen, allesamt aus dem harten, weißen Kaiserstein aus Kaisersteinbruch (ungarisch Császárkőbánya).

Die Befestigung der Stadt wurde 1564 unter der Obhut von Hermes Schallautzer vollendet. Im Langen Türkenkrieg wurde Raab 1594 von den Osmanen erobert, konnte 1598 jedoch durch Adolf von Schwarzenberg zurückerobert werden – ein Ereignis, dem eine solche Bedeutung beigemessen wurde, dass im ganzen Reich auf Befehl Rudolfs II. Raaberkreuze mit der Inschrift „Sag Gott, dem Herrn, Lob und Dank, dass Raab wieder kommen in der Christen Hand“ errichtet wurden, die man vor allem in Niederösterreich heute noch findet.

Nachdem das osmanische Heer bei der zweiten Belagerung von Wien 1683 zurückgeschlagen worden war, erblühte Raab. 1712 verlieh König Karl III. der Stadt das Marktrecht, Königin Maria Theresia bestätigte Raab 1743 als königliche Freistadt (ungarisch Szabad királyi város). Dadurch erfolgte ein rasanter Aufschwung. In West- und Nordungarn, also in den vornehmlich katholischen Landesteilen, stellten Bischofsresidenzen den Triumph der Gegenreformation selbstzufrieden und stolz zur Schau. Nahe Győr begannen 1742 die Bauarbeiten für den Palast der Erzäbte der Territorialabtei Pannonhalma. Johann Heinrich Mulartz baute 1749 das Krankenhaus in einem Vorort. 1718 wurde in Győr eine Jesuitenakademie gegründet, die eine philosophische und juristische Ausbildung anbot und an der ab 1745 auch weltliche Studenten zugelassen wurden. Aus ihr wurde die Königliche Akademie von Győr 1776 gegründet. Hier studierten unter anderem Antal und Ferenc Deák. Im Jahr 1809 fand die Schlacht bei Raab statt. In der Folge wurde die Stadt von den Franzosen belagert und musste kapitulieren.

1855 erhielt die Stadt mit der Wien-Raaber Eisenbahn-Gesellschaft erstmals eine Bahnverbindung. 1876 wurde zwischen Győr und Sopron (deutsch Ödenburg) eine weitere Eisenbahnverbindung eröffnet, die 1879 im zweiten Abschnitt nach Ebenfurth (Bahnstrecke Győr–Sopron–Ebenfurth) erweitert wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine Textil- und Maschinenbauindustrie, die bis heute besteht.

Győr wurde am 13. April 1944 erstmals durch die angloamerikanische Luftwaffe bombardiert. Obwohl Győr eine Stadt der Rüstungsindustrie war und daher mit einem Bombenangriff zu rechnen war, kann dieser dennoch als Terrorbombardement eingestuft werden. Der Angriff traf neben den Fabriken (Rába Vagon und Maschinenfabrik, Spirituosenfabrik und andere Industrieanlagen) auch die Arbeiterviertel. Viele Menschen wollten auf die dem Fluss zugewandte Seite des Damms neben der Fabrik flüchten, um vor den Explosionen in der Fabrik und den Bombensplittern geschützt zu sein. Sie wurden von den die Bomber begleitenden Jagdflugzeugen mit Maschinengewehren niedergemäht. Dennoch ist die relativ „geringe“ Zahl der Todesopfer dem hervorragenden Alarmsystem zu verdanken. 564 Menschen starben, 1132 wurden verletzt.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war aufgrund der grenznahen Lage am Eisernen Vorhang mühsam. Heute hat Győr etwa 130.000 Einwohner und drei Hochschulen und ist der Sitz des Komitats Győr-Moson-Sopron (Raab-Wieselburg-Ödenburg). Die Stadt ist Sitz eines katholischen Bistums.

Seit Öffnung der Grenzen liegt die Stadt politisch und wirtschaftlich vorteilhaft im Schwerpunkt des Städtedreiecks Wien–Budapest–Bratislava (Pressburg). Seit 2003 gehört sie zur Europaregion Centrope. Außerdem liegt Győr an der Magistrale für Europa, einem wichtigen transeuropäischen Projekt, mit dem bis 2015 zwischen Paris und Budapest eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke realisiert werden sollte.

Wirtschaft

Győr ist einer der wichtigsten Industriestandorte des Landes.

Audi Hungaria

Győr ist seit 1993 Standort der Audi Hungaria Motor (AHM), des Motorenwerks der Audi AG. Ende 2015 beschäftigte AHM laut eigenen Angaben in Győr 11.411 Mitarbeiter, diese produzierten u. a. 2.022.520 Motoren und 160.206 Pkw im Jahr 2015. Die Motoren werden unter anderem in Modellen der Marken Audi, VW, Škoda, Seat und Porsche verbaut.

Ferner wird im Werk der Audi TT sowie seit 2007 auch das Audi A3 Cabriolet montiert. 2013 wurde das Werk erweitert. Seitdem werden die Audi A3 Limousine und das Audi A3 Cabriolet dort komplett produziert. Im Laufe des Jahres 2014 folgte der neue Audi TT. Das Unternehmen war 2015 – wie auch in den Vorjahren – der größte Exporteur Ungarns.

Märklin

Des Weiteren hat der Göppinger Modelleisenbahnhersteller Märklin in Győr einen seiner zwei Produktionsstandorte. Hier werden die Spur-1-Produkte, seit 2008 die Lehmann-Groß-Bahn (LGB) und seit 2009 auch teilweise die Wagen für die Nenngröße H0 (vormals Werk Sonneberg) produziert.

Rába

Das 1896 als Maschinenbauunternehmen gegründete Unternehmen Rába ist heute ein Nutzfahrzeughersteller.

Verkehr

Győr ist überregional mit der Bahnstrecke Budapest–Hegyeshalom (und weiter nach Wien), der Bahnstrecke Győr–Sopron–Ebenfurth sowie den Bahnstrecken Győr–Celldömölk und Győr–Veszprém angebunden. Die Stadt liegt zudem an der Autobahn M1 von Budapest nach Wien und auch Bratislava.

Städtepartnerschaften

Győr listet folgende zehn Partnerstädte auf:

StadtLandseit
Brașov/Kronstadt  Siebenbürgen, Rumänien1993
Colmar  Grand Est, Frankreich1993
Erfurt  Thüringen, Deutschland1971
Ingolstadt  Bayern, Deutschland2008
Kuopio  Nordsavo, Finnland1978
Nischni Nowgorod Wolga, Russland2013
Nof HaGalil  Israel1993
Pforzheim  Baden-Württemberg, Deutschland2007 (Komitat)
Posen  Polen2008
Sindelfingen  Baden-Württemberg, Deutschland1989
Stuhr  Niedersachsen, Deutschland(kein Kontakt)
Wuhan Zhongnan, Volksrepublik China1994

Sehenswürdigkeiten

Győr, János-Xantus-Museum
Győr, St.-Ignatius-Kirche


Am Kapitelhügel (Káptalandomb) sind zu sehen:

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Sport, Gesundheit und Freizeit

Győr ist die Heimat des Handballvereins Győri ETO KC, dessen Damen-Abteilung vielfacher ungarischer Meister und Pokalsieger ist sowie 2013, 2014 und 2017–2019 die Champions League gewann, und des Győri ETO FC, viermaliger ungarischer Fußballmeister und vierfacher ungarischer Pokalsieger. Außerdem sind in Győr die Fußball-Zweitligisten Gyirmót SE sowie Integrál DAC beheimatet.

2017 wurden in Győr das Europäische Olympische Sommer-Jugendfestival, 2018 die Leichtathletik-U18-Europameisterschaften und 2019 die erste Gerätturnen-Juniorenweltmeisterschaft ausgerichtet.

In Győr befindet sich das Thermalbad „RQ Vízi Élménypark és Gyógyfürdő“.

Persönlichkeiten

Klimatabelle

Győr
Klimadiagramm
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_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: WMO; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Győr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Tagesmax. (°C) 1,9 4,6 10,2 16,0 21,1 24,0 26,2 25,6 21,6 15,9 8,3 3,3 ⌀ 14,9
Mittl. Tagesmin. (°C) −4,0 −2,0 1,4 5,5 9,9 13,1 14,4 14,1 10,8 5,9 1,9 −1,9 ⌀ 5,8
Niederschlag (mm) 32 33 28 38 55 64 53 65 38 35 53 38 Σ 532
Sonnenstunden (h/d) 1,8 3,0 4,3 6,2 7,6 8,2 8,8 7,6 6,7 4,8 2,1 1,6 ⌀ 5,2
Regentage (d) 7 6 7 7 8 9 7 7 6 5 8 7 Σ 84
Luftfeuchtigkeit (%) 83 80 73 68 69 70 68 71 76 78 83 84 ⌀ 75,2

Literatur

Commons: Győr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Győr – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Historische Karte als Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  2. ↑ Die Geschichte der Széchenyi István Universität. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche im Internet Archive) Széchenyi István Universität
  3. ↑ Leonhard Prickler: 120 Jahre Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 3, 1996, S. 115, zobodat.at [PDF]
  4. ↑ Mechtler Paul: Die Entwicklung des Eisenbahnwesens in Ostösterreich. In: Die Entwicklung des Verkehrswesens im pannonischen Raum bis 1918. Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 1977, Maribor 1977. S. 119
  5. ↑ Endre Kozma: AZ 1944. ÁPRILIS 13-I GYŐRI TERRORBOMBÁZÁS. In: regigyor.hu. 12. April 2017, abgerufen am 18. April 2026 (ungarisch).
  6. ↑ Aktuális számaink (Memento vom 8. März 2016 im Webarchiv archive.today) (ungarisch).
  7. ↑ Győr testvérvárosi kapcsolatai - Győr Megyei Jogú Város Honlapja. In: onkormanyzat.gyor.hu. Abgerufen am 3. Februar 2022 (ungarisch).
  8. ↑ Györ (Ungarn). Gemeinde Stuhr, abgerufen am 25. August 2020: „Zur Zeit gibt es keine Begegnungen mit der ungarischen Stadt.“
  9. ↑ Jasmin Kreulitsch: Geheimtipp Györ: Barockes Wunder im Westen von Ungarn. kosmopoetin.com. 8. April 2025, abgerufen am 18. April 2026.
  10. ↑ https://hellogyor.hu/de-DE/sehenswurdigkeiten/platze-parke/26-szechenyi-platz
  11. ↑ Pál Voit, Der Barock in Ungarn. S. 24–25. Corvina – Helikon, Budapest 1971.
  12. ↑ Der Liebfrauendom in der Datenbank von ADAC Maps. Abgerufen am 18. April 2026.
  13. ↑ Sehenswürdigkeiten auf hellogyor.hu
  14. ↑
  15. ↑
  16. 1 2 Ein Winterspaziergang durch die Altstadt GYÖRs: traumhaft schön! ausgeflogen.at. 23. Januar 2025, abgerufen am 18. April 2026.
  17. ↑ Charalampos G. Chotzakoglou: Auf den Spuren der Griechen in Györ (Ungarn). In: Balkan Studies, Bd. 38, Nr. 1, 1997, S. 63–100, hier S. 68
  18. ↑ Termálfürdő. In: rabaquelle.hu. Rába-Quelle Üzemeltető, Szolgáltató, abgerufen am 9. Januar 2026.