Laminat

Nahaufnahme eines Laminat-Fußbodens mit Strukturoberfläche und längsseitiger Fase (V-Fuge)

Als Laminat (anhörenⓘ/?, von lateinisch lamina ‚Schicht‘) oder Schichtstoff bezeichnet man Produkte, die aus zwei oder mehreren flächig miteinander verklebten Schichten bestehen. Diese Schichten können aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Die Herstellung eines Laminats bezeichnet man als laminieren.

Zweck

Generell gibt es zwei Gründe für die Herstellung eines Laminates:

Laminat als Bodenbelag

Laminatfußböden imitieren das Aussehen eines hochwertigen Bodenbelages (meist Parkett), bestehen allerdings aus einer preiswerten Trägerschicht, die mit einer dünnen Dekorschicht verziert und versiegelt wird. Ein solcher Fußboden ist (verglichen zum Beispiel mit Parkett oder Fliesen) preiswerter und leichter zu verlegen.

Laminatfußböden sind in verschiedenen Paneelstärken und mit unterschiedlicher Abriebfestigkeit (Nutzungsklasse) erhältlich. Preiswertere Laminate sind relativ dünn, haben ein relativ einfaches Dekor und sind empfindlicher gegen Abrieb und Feuchtigkeit (besonders in den Stoßkanten zwischen zwei Paneelen). Hochwertige Laminate dagegen imitieren mit Strukturprägungen (zur Nachbildung einer gemaserten Holzoberfläche) und V-Fugen zwischen den Paneelen sehr realistisch das Aussehen eines echten Parkettbodens. Aufwändige Oberflächenversiegelungen ermöglichen den Einsatz von Laminat auch auf hochbelasteten Fußböden wie beispielsweise in Diskotheken.

Alle Laminatfußböden haben einen Nachteil gemeinsam: bei Beschädigungen oder Verschleiß der Oberfläche lassen sie sich nicht wie ein Massivholzparkett abschleifen, da das Trägermaterial unter der dünnen Dekorschicht freigelegt würde.

Laminate aus faserverstärkten Kunststoffen

Laminate aus faserverstärkten Kunststoffen sind feste, leichte und frei gestaltbare Werkstoffe aus in Kunstharz eingebetteten Fasern. Sie werden in der Luftfahrt, im Boots- und Automobilbau und in vielen weiteren Bereichen eingesetzt, in denen hochfeste und leichte Materialien benötigt werden.

Platte aus Kohlenstofffaser-Laminat
Kevlargewebe

Man unterscheidet Laminate nach mehreren Kriterien:

Nach ihrem Aufbau

Nach dem Material der verwendeten Fasern

Nach der Ausrichtung der verwendeten Fasern

Nach dem Material des verwendeten Harzes

Als Matrix zur Aufnahme und Fixierung der Fasern, üblicherweise:

HPL (High Pressure Laminate)

Bereits früh nach der Entwicklung der ersten Kunstharze entdeckte man, dass sich diese dazu eignen, preiswerte Trägermaterialien wie Papier, Pappe oder Textilfasern zu imprägnieren und zu Hartpapier, Hartgewebe oder zu HPL-Platten zu verarbeiten. Dazu werden mehrere mit Melamin- und Phenol-Harz getränkte Papiere unter Druck und Temperatur miteinander und mit einer Deckschicht zu einem dekorativen Schichtstoff verpresst.

HPL-Platten (kurz für High Pressure Laminate) werden auf Deutsch auch als Hochdruck-Schichtpressstoffplatten oder nach DIN Dekorativer Kunststoff-Schichtpressstoff (DKS) bezeichnet und unter Markennamen wie Dekodur, Duropal, Resopal, FunderMax, Trespa oder Sprelacart angeboten.

Durch die Verwendung hitzebeständiger Harze halten die Platten auch hohen Temperaturen kurzzeitig stand, ohne Schaden zu nehmen. Die Oberflächen sind leicht zu pflegen und zu reinigen, lichtbeständig sowie geruchsneutral und unempfindlich gegen Alkohol, organische Lösemittel und Wasser. Oberflächen aus Melaminharz sind lebensmittelecht.

HPL wird wegen der Kratzfestigkeit und der Vielfalt, die durch verschiedene bedruckte Papiere erzeugt werden kann, in vielen Produkten des täglichen Lebens verarbeitet. Tischplatten, Türblätter, Möbel und Küchenplatten sind nur einige der häufigen Anwendungen. Sofern eine hohe Stoßfestigkeit nicht notwendig ist, oder die Beschichtung den Konturen des Materials folgen soll, können Trägerplatten mit einer Direktbeschichtung versehen werden. Dann werden beispielsweise zwei mit Melaminharz imprägnierte Papiere oder ein sogenannter Finishfilm direkt mit dem Trägermaterial verpresst.

Eine als umweltfreundlich vermarktete Variante von HPL sind die ECO-HPL genannte Schichtstoffplatten. Sie werden überwiegend aus Recyclingpapier gepresst und ohne Einsatz künstlicher Phenol-Formaldehyd-Harze hergestellt.

HPL-Platten in verschiedenen Uni Dekoren

HPL-Platten sind in einer großen Vielfalt von Dekoren, Oberflächenstrukturen und Materialdicken erhältlich. Neben unterschiedlichen Farben werden auch Nachbildungen von Metall-, Holz- und Steinoberflächen angeboten. Das elektronenstrahlgehärtete Schichtstoffverfahren dient zum Herstellen diverser Oberflächenstrukturen. Zu den typischen Anwendungsbereichen gehören z. B.:

Die Materialdicken reichen von 0,3 mm bei Direktbeschichtungen bis zu 45 mm bei sogenannten Kompaktplatten. Der Materialkern ist bei der Verwendung von reinem Phenolharz rötlich braun, kann durch Pigmentierung und farbige Papiereinlagen jedoch auch schwarz, weiß oder andersfarbig sein.

CPL (Continuous Pressure Laminate)

CPL-Platten werden im Durchlauf- oder Endlosverfahren in zweiseitig beheizten Rollenbandpressen in einer Art Endlosplatte verpresst. Der Pressdruck ist geringer als bei HPL-Platten.

Weitere Bauarten

Durch die Verwendung spezieller Materialien lässt sich eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Flammeneinwirkungen erreichen. Eine wärmeableitende Schicht, z. B. eine Metallfolie, macht die Platte gegenüber Zigarettenglut beständig, indem die Hitze schnell abgeleitet wird.

Für den vorbeugenden Brandschutz geeignetes Material ist nach der Baustoffklasse DIN 4102-1 - A1 (A2) und nach EN 13501-1 mit A2-s1-d0 als ein nicht brennbares Bauelement auf unterschiedlichen Trägerwerkstoffen als Bauelement klassifiziert. Verschiedene Platteneigenschaften, wie Zug-/Biegefestigkeit, Abriebfestigkeit, Kratz- und Fleckenunempfindlichkeit, Verhalten gegenüber Zigarettenglut, heißen Kochtopfböden, kochendem Wasser etc., sind in Prüfnormen geregelt.

Für Postforming-Platten verwendete Papiere und Harze lassen eine nachträgliche Erweichung der Imprägnierung zu, da die Vernetzung der Kunststoffmoleküle zunächst noch nicht abgeschlossen ist. So ist eine Verformung unter Einwirkung von Wärme und Druck möglich, um die Schichtstoffplatte beispielsweise um die abgerundeten Kanten des Trägerwerkstoffes herum zu kleben.

Holzwerkstoffe

Viele bekannte Holzwerkstoffe sind ebenfalls Laminate, dazu gehören zum Beispiel

Versiegelung von Druckerzeugnissen

Der bis 2010 ausgegebene deutsche Personalausweis ist in eine Kunststofffolie eingeschweißt.

In diesem Zusammenhang bezeichnet Laminieren das Verschweißen von Dokumenten, Fotos oder ähnlichen Druckerzeugnissen zwischen zwei transparenten Kunststofffolien (Polyesterfolien).

Dadurch wird Papier vor Nässe, Knicken und Beschädigungen geschützt, außerdem werden Manipulationen erschwert und Beschriftungen lassen sich bei Bedarf leicht wieder entfernen. Die Laminierfolien werden meist als sogenannte Laminiertaschen oder im Dienstleistungssektor als Rollen, die über große Laminiermaschinen verarbeitet werden, vertrieben. Die Laminiertaschen sind mittig gefalzt, wodurch Dokumente leichter gerade ausgerichtet werden können. Es gibt verschiedene Dicken von Laminierfolien. Die Angaben sind gewöhnlich in Mikrometer (oft als µ, Mic, Mi oder Mü bezeichnet) angegeben und beziehen sich auf eine Schichtdicke der Folie. Bei einer Angabe von beispielsweise 80 Mic beträgt die Dicke eines laminierten Dokumentes 160 Mikrometer zuzüglich der Dicke des Papiers. Man unterscheidet zwei Verarbeitungsarten:

Sonstige Verwendung des Begriffs „Laminat“

Laminatsegel. Zu erkennen sind die Fasern aus Aramid („Kevlar“, gelb) und Kohlenstofffaser (schwarz), die zwischen zwei dünnen Folien verklebt sind.
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Fußnoten

  1. ↑ Anwendungstechnische Merkblätter, pro-K Industrieverband langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme e.V., Juni 2000, (PDF)
  2. ↑ HPL-Umweltprofil, PDF
  3. ↑ HPL, International Committee of the Decorative Laminates Industry, Englisch