Der HP35s ist ein wissenschaftlicher Taschenrechner von Hewlett-Packard, der 2007 erschien und 2021 abgekündigt wurde. Er ist ein nicht-graphischer, wissenschaftlicher und programmierbarer Taschenrechner von Hewlett-Packard. Obwohl es sich chronologisch um den Nachfolger des HP 33s handelt, wurde er zu Ehren des 35. Jubiläums des HP-35 eingeführt, der der weltweit erste wissenschaftliche Taschenrechner war.
Obwohl der HP35s weit mehr Funktionen, Rechenleistung und Speicher als der originale HP-35 hat, war Hewlett-Packard bemüht, ihm das Aussehen des HP-35 und anderer HP-Taschenrechner aus dieser Zeit zu verleihen. Das Gerät besitzt die für frühere HP-Taschenrechner typischen, frontseitig abgeschrägten Tasten. Seine Masse beträgt etwa 140g.
Eigenschaften im Vergleich zum historischen HP-35
Elektronik-Platine des HP35s
Der HP35s kann, wie alle HP-Taschenrechner seiner Generation, sowohl in klassischer umgekehrter polnischer Notation als auch in algebraischer Notation bedient werden. Im Gegensatz zum originalen HP-35 lässt sich der HP35s durch die Aufzeichnung von Tasteneingaben programmieren. Die Programme können zusätzlich zu den normalen Operationen auch bedingte und unbedingte Verzweigungen und Schleifen enthalten.
Weitere Besonderheiten umfassen:
Eine zweizeilige alphanumerische LC-Matrix-Anzeige
teilweise Menüführung (z. B. für das Anzeigeformat)
26 Speicherregister (mit den Buchstaben A–Z gekennzeichnet) und ein Indexregister
Numerische Lösung von Gleichungen (erstmals vorhanden beim HP-34C)
Numerische Integration (ebenso erstmals beim HP-34C)
Eingabe und Anzeige von Brüchen (erstmals beim HP-32SII)
Komplexe Zahlen (erstmals vorhanden beim HP-15C) und Vektorrechnung, wenngleich mit teilweise eingeschränkter Funktionalität. So führt beispielsweise die numerische Berechnung der Quadratwurzel einer reellen negativen Zahl wie am HP35s zu einer Fehlermeldung.
Etwa 30KiByte Speicher für Programme und/oder Daten
Unterschiede zum Vorgängermodell HP33s
Vorgänger HP 33s
Das Äußere und die Tastenbelegung des HP35s unterscheiden sich sehr stark von seinem unmittelbaren Vorgänger, dem HP33s. Beide sind aber funktional beinahe identisch.
Die Hauptunterschiede sind:
Der HP35s erlaubt in Programmen neben der Referenzierung auf Marken (Labels) auch den direkten Sprung zu Zeilennummern. Mit nur 26 Labels (Buchstaben A–Z) wäre es schwierig, Programme zu schreiben, die die gesamten 30KiByte des Speichers ausnützen. Beim HP33s sind Sprünge zu Zeilen-Adressen nur durch indirekte Adressierung möglich (der Zahlenwert eines Speicherregisters wird als Zieladresse eines Sprungbefehls verwendet – Befehle GTO und XEQ). Diese indirekte Adressierung wiederum fehlt dafür beim HP35s.
Der Speicher des HP35s kann auch zum Ablegen von etwa 800 adressierbaren Zahlen verwendet werden.
Die Unterstützung von (zweidimensionalen) Vektoroperationen ist neu beim HP 35s.
Entwicklung und Fertigung
Obwohl der HP35s an die Tradition der wissenschaftlichen HP-Taschenrechner erinnern soll, wurde das Gerät nicht von Hewlett-Packard alleine, sondern in Zusammenarbeit mit dem 1973 gegründeten taiwanischen Hersteller Kinpo entwickelt. Die Fertigung erfolgt inzwischen ausschließlich bei diesem OEM-Zulieferer.
Der HP-35s hatte damit zu kämpfen, dass die Firmware eine größere Anzahl von Fehlern aufwies, welche bis zur Abkündigung des Taschenrechner vom Hersteller nicht korrigiert wurden. Teilweise betreffen die Fehler sehr spezielle Punkte im Bereich der Programmierung, andere Fehler aber auch grundlegende mathematische Funktionen wie fehlerhafte Berechnung von cos(x) mit Werten von x nahe bei 90°, oder falschen Überlaufsignalisierungen bei den Hyperbelfunktionen.
↑HP 35S made in Phillipines -- new variant?In:hpmuseum.org.The Museum of HP Calculators,abgerufen am 9.Mai 2021(englisch):„The main Kinpo factory used by HP has moved to the Philipines …“
↑Richard Nass:Tear Down: Scientific calculator boils design down to two ICs.In:Embedded.com.AspenCore,1.Februar 2008,abgerufen am 1.Mai 2021(englisch):„The 8502 is designed by Sunplus Technology, … It’s based on the 6502, an 8-bit processor that first appeared on the Commodore 64, …“