Haar-Raum

Ein Haar-Raum, oder Haarscher Raum (benannt nach Alfréd Haar) wird in der Approximationstheorie folgendermaßen definiert:

Besitzen linear unabhängige, auf einem Intervall stetige Funktionen die Eigenschaft, dass jedes Element , in höchstens Nullstellen hat, dann heißt die Menge Haar-Raum.

Ein System solcher Funktionen , die einen Haar-Raum aufspannen, wird auch Haarsches System oder Tschebyschow-System genannt. Wird eine stetige Funktion durch Elemente eines Haar-Raumes approximiert, so existiert bezüglich der Maximumsnorm stets genau eine beste Approximation.

Interpolation in Haar-Räumen

Hat man paarweise verschiedene Punkte (Stützstellen) und Daten , so existiert genau ein mit . Dies ist äquivalent zur Regularität der Vandermonde-Matrix.

Beweis Bezeichne den Körper, in den die Funktionen abbilden. Die Abbildung ist linear. Weil jedes höchstens n-1 Nullstellen hat, ist der Kern der Abbildung nur die Nullfunktion, d. h. L ist injektiv. Wegen ist L surjektiv, also insgesamt bijektiv. Daraus folgt Existenz und Eindeutigkeit der Interpolationsfunktion g.

Beispiele

Historie

Erstmals formulierte und bewies Haar die Haar condition 1918 in: Die Minkowskische Geometrie und die Annäherung an stetige Funktionen, Mathematische Annalen, Band 78, S. 294–311. Andere Beweise formulierten Vlastimil Pták 1958 (A remark on approximation of continuous functions in Czechoslovak Math. Journal, Band 8, S. 251–256) und Singer 1960 (On best approximation of continuous functions in Mathematische Annalen, Band 140, S. 165–168).

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Elliot Ward Cheney: Introduction to Approximation Theory. McGraw-Hill Book Company, 1966, Library of Congress Catalog Card Number 65-25916, ISBN 0-07-010757-2, S. 227 + 242 + 248 + 251