
Die Halbmond-Methode (auch Halbmond-Technik; französisch demi-lune, englisch half moon oder semi-circular bund) ist ein Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung und der Boden- und Wasserkonservierung in ariden und semiariden Gebieten. Dabei werden halbmond- oder hufeisenförmige Erdwälle quer zur Hangneigung angelegt, deren Öffnung hangaufwärts weist. Sie fangen den Oberflächenabfluss von Starkregen ab, halten ihn in einer flachen Mulde zurück und geben ihm Zeit zu infiltrieren. Die Halbmonde bilden damit ein Mikroeinzugsgebiet-System (englisch micro-catchment water harvesting), bei dem eine unbepflanzte Sammelfläche das Wasser einer kleineren Anbaufläche zuführt.
Die Technik wird vor allem zur Wiederherstellung verkrusteter, degradierter Böden, zur Produktion von Perlhirse und Futterpflanzen sowie zur Wiederbewaldung eingesetzt. Verbreitungsschwerpunkte liegen in der Sahelzone – insbesondere in Burkina Faso, Niger, Mali und dem nördlichen Nigeria –, daneben in Ostafrika, Nordafrika und Westasien.
Auf degradierten Trockenstandorten begrenzt weniger die Niederschlagsmenge als vielmehr die geringe Infiltrationsfähigkeit der Oberfläche das Pflanzenwachstum. Verschlämmungs- und Erosionskrusten (soil crusting) sowie eine geringe Rauigkeit der vegetationsfreien Oberfläche führen dazu, dass ein großer Teil des Niederschlags als Hortonscher Oberflächenabfluss abfließt, ohne pflanzenverfügbar zu werden.
Der Halbmond greift an dieser Stelle ein: Der Wall wirkt als Strömungshindernis, das die Fließgeschwindigkeit herabsetzt und den Abfluss in der Mulde aufstaut. Dadurch verlängert sich die Kontaktzeit zwischen Wasser und Boden erheblich, sodass auch bei kurzer, intensiver Regenspende ein Mehrfaches der örtlichen Niederschlagsmenge in den Wurzelraum gelangt. Dieses Prinzip der Abflusskonzentration wird als runoff–run-on-System bezeichnet: Die unbehandelte Fläche oberhalb (catchment) liefert Wasser an die behandelte Fläche innerhalb des Halbmonds (cultivated area).
Kennzeichnend ist das Verhältnis von Sammel- zu Anbaufläche (catchment-to-cultivated-area ratio, CCR). Es liegt üblicherweise zwischen 1:1 und 3:1; in trockeneren Lagen werden größere, weiter auseinanderliegende Strukturen mit hohem CCR gewählt, in niederschlagsreicheren Lagen kleinere und dichter gesetzte. Größere Verhältniszahlen erfordern voluminösere und teurere Wälle und erhöhen das Risiko eines Wallbruchs bei Überlastung.
Neben der reinen Wasserrückhaltung wirkt der Halbmond als Sedimentationsfalle: Mit dem Abfluss transportierter Feinboden, Humus und Pflanzensamen werden in der Mulde abgelagert und reichern sie mit Nährstoffen und Diasporen an.

Übliche Abmessungen liegen bei einem Radius von 2 bis 8 Metern – in Sonderfällen bis 12 Metern – und einer Wallhöhe von 30 bis 50 Zentimetern. Das FAO-Handbuch von Critchley und Siegert beschreibt zwei standardisierte Bauformen:
Die Wallspitzen liegen jeweils auf einer Höhenlinie, sodass das Stauvolumen gleichmäßig ausgenutzt wird. Die Reihen werden auf Lücke (versetzt) angeordnet: Jede folgende Reihe fängt das Wasser auf, das zwischen den Strukturen der darüberliegenden Reihe hindurchfließt.
Als Anwendungsbereich gelten Jahresniederschläge von etwa 200 bis 750 mm. Erdwälle werden meist auf Hangneigungen unter 5 % eingesetzt; mit angepasster Bauweise oder Steinschüttung sind bis zu 15 % möglich, wobei Erdwälle bei Neigungen über 5 % und Niederschlägen über 300 mm nur selten verwendet werden. Untersuchungen in der syrischen Steppe zeigen, dass Bodenabtrag und Sedimentfracht innerhalb eines Halbmondsystems stark von Hangneigung und Fließlänge abhängen: Der modellierte Abtrag stieg von 0,05 t·ha−1·a−1 bei 4 % Neigung und 6 m Fließlänge auf 38,66 t·ha−1·a−1 bei 8 % Neigung und 18 m Fließlänge.
Die Anlage erfolgt in der Trockenzeit weitgehend in Handarbeit mit Hacke, Spaten und Pickel; die Höhenlinien werden mit einfachen Nivelliergeräten wie der Schlauchwaage oder einem A-Rahmen abgesteckt. Der Aushub aus der Mulde bildet den Wall, der lagenweise in Schichten von 10 bis 15 cm eingebaut und verdichtet wird. Die Wallspitzen werden häufig mit Steinen gesichert. In jüngerer Zeit werden auf großen Flächen auch mechanisierte Verfahren eingesetzt, etwa der Delfino-Pflug, der halbmondförmige Mulden maschinell auszieht.
Der Arbeitsaufwand ist erheblich und wird auf bis zu vier Personenmonate je Hektar geschätzt, hinzu kommt der jährliche Unterhalt. Besonders kritisch ist die erste Regenzeit nach dem Bau, solange die Wälle noch nicht gesetzt sind; Bruchstellen müssen sofort ausgebessert werden. Langfristig stabilisiert der Bewuchs mit ausdauernden Gräsern die Wälle.
Die Halbmond-Methode verändert nicht nur den Wasserhaushalt, sondern greift in mehrere bodenbildende Prozesse ein.
Wasserhaushalt und Bodenstruktur. Die erhöhte Infiltration verlängert die Zeitspanne, in der Bodenwasser pflanzenverfügbar ist, und verschiebt den Anteil des Niederschlags von unproduktiver Verdunstung und Abfluss hin zur Transpiration. Wiederholte Durchfeuchtungs- und Austrocknungszyklen sowie die Durchwurzelung lockern die verdichtete Krustenschicht auf. In einem dreijährigen Feldversuch in einem semiariden Eichenwald im westiranischen Zagros sank die Lagerungsdichte in Halbmonden mit Weideschutz von 1,46 auf 1,32 g·cm−3, und der Anteil grober und sehr grober Aggregate nahm signifikant zu. Vergleichbare Verbesserungen von Aggregatstabilität und Bodenqualität wurden für Mikroeinzugsgebiets-Systeme im israelischen Negev beschrieben.
Organische Substanz und Nährstoffe. Im selben iranischen Versuch stieg der Gehalt an organischem Kohlenstoff nach drei Jahren in den geschützten Halbmonden auf 2,35 % gegenüber 1,80 % in der Kontrolle. Der Zuwachs speist sich aus eingetragener Streu, aufwachsender Wurzelbiomasse und dem sedimentierten Feinboden. In der Praxis werden die Mulden zusätzlich mit Kompost oder Stallmist beschickt – in Sahelprojekten typischerweise in der Größenordnung einiger Dutzend Kilogramm je Halbmond.
Diese Nährstoffzufuhr ist keine Nebensache, sondern häufig die eigentliche Voraussetzung des Erfolgs. In einem Feldversuch auf einem stark degradierten Lixisol in Nordburkina Faso (Corg 12 g·kg−1, Nt 0,6 g·kg−1, P 6,6 mg·kg−1) lieferten Halbmonde mit Kompost oder Stallmist Sorghum-Erträge von 900 bis 1600 kg·ha−1 – das 20- bis 39-Fache der Variante ohne jede Nährstoffgabe. Die zusätzliche Beigabe von lokalem Rohphosphat steigerte den Ertrag im ersten Jahr um 10 % und im zweiten um 26 %. Wasserrückhaltung allein reichte auf diesen Standorten nicht aus, um die Produktivität wiederherzustellen.
Bodenfauna. Organisches Material in der Mulde lockt Termiten und andere bodenwühlende Tiere an. Ihre Gänge und Kammern erhöhen den Grobporenanteil (Porosität) und damit die gesättigte Wasserleitfähigkeit verkrusteter Böden erheblich; zugleich fördern sie den Humusaufbau und den Nährstoffumsatz. Untersuchungen in Burkina Faso zeigten, dass Termitenaktivität nach Mulchauflage die Krustenstruktur aufbricht und die Wasserbilanz degradierter Sahelböden nachhaltig verändert. Die Bodenfauna gilt damit als wesentlicher Wirkmechanismus, der die rein mechanische Wirkung des Walls verstärkt.
Erosionsschutz. Indem Abfluss und Fließgeschwindigkeit reduziert werden, sinkt die erosive Kraft des Wassers, und abgetragenes Oberbodenmaterial wird innerhalb der Fläche zurückgehalten statt aus ihr ausgetragen.
Halbmonde wirken als künstliche Mikrorelief-Strukturen und erzeugen kleinräumige Feuchtigkeitsgradienten. In der ansonsten homogenen, verkrusteten Fläche entstehen dadurch feuchtere Kleinstandorte, in denen Keimung und Etablierung von Pflanzen überhaupt erst möglich werden – ein Mechanismus, der der natürlichen Fleckenstruktur (vegetation patchiness) von Trockenlandschaften nachempfunden ist.
Vegetation und Sukzession. Auf silvopastoral genutzten Halbmondflächen im Departement Ouallam im Westen Nigers wurden auf drei zwischen 2015 und 2018 angelegten Standorten 64 krautige Arten aus 20 Familien nachgewiesen, dominiert von Süßgräsern. Der höchste Deckungsgrad der Krautschicht betrug 28,5 %, der Futterertrag 345 kg·ha−1 bei einer Besatzkapazität von 0,07 Großvieheinheiten je Hektar; die Anwuchsrate der gepflanzten Gehölze lag bei 67 %. Die Werte belegen einen Wiederbeginn der Sukzession auf zuvor weitgehend vegetationsfreien Plateaus, machen aber zugleich deutlich, dass die Tragfähigkeit solcher Flächen in den ersten Jahren gering bleibt.
Großflächige Maßnahmen im Rahmen der Großen Grünen Mauer wurden fernerkundlich ausgewertet: Auf 111 untersuchten Flächen in Burkina Faso, Niger, Nigeria und Senegal – davon mehr als 7000 Hektar verifiziert – stieg der NDVI zwischen 2017 und 2020 von etwa 0,15 auf 0,20; pro Hektar wurden mindestens zehn einheimische Arten (sechs Gehölze, vier Futterkräuter und -gräser) ausgebracht.
Bodenbiologie und Biodiversität. Eine Pilotstudie mit eDNA-Metabarcoding an sechs Halbmond-Standorten in der Lower Naibunga Community Conservancy im kenianischen Laikipia wies in den behandelten Flächen durchgängig pflanzenwachstumsfördernde Rhizosphärenbakterien nach, die die Nährstoffverfügbarkeit erhöhen und die Trockenstresstoleranz von Pflanzen verbessern, sowie trockenheitstolerante Pflanzenarten der Weidelandregeneration. Mit zunehmender Vegetationsdeckung kehren auch Insekten, Vögel und Weidewild in behandelte Flächen zurück; systematische Langzeituntersuchungen zur Faunenentwicklung sind bislang jedoch selten.
Landschaftswasserhaushalt. Da Halbmonde Abfluss zurückhalten, verändern sie die Wasserbilanz nicht nur lokal, sondern auch im Einzugsgebietsmaßstab. Positiv wirken erhöhte Bodenwasservorräte, verringerte Hochwasserspitzen und geringerer Sedimenteintrag in Gewässer und Talsperren; potenziell nachteilig ist, dass flussabwärts gelegenen Nutzern und Feuchtgebieten Abflussmengen entzogen werden können. Vohland und Barry weisen darauf hin, dass solche Wechselwirkungen bei großflächiger Anwendung mitbedacht werden müssen und bislang unzureichend quantifiziert sind.
Angelegt werden Halbmonde vor allem, um degradiertes Weide- und Ackerland wieder nutzbar zu machen. Große, weit gesetzte Strukturen dienen der Weide- und Futterproduktion, kleine und dicht gesetzte der Etablierung von Bäumen und Sträuchern. Häufig werden sie mit weiteren Verfahren kombiniert, etwa mit Pflanzgruben (Zaï bzw. tassa), Steinwällen entlang der Höhenlinien (cordons pierreux) oder gezielter Förderung des natürlichen Baumaufwuchses (Farmer Managed Natural Regeneration).
Als Grenzen der Methode gelten: