Halicanum

Halicanum innerhalb von Pannonia Superior auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert, die mehrere antike römische Provinzen zeigt
Zugeschüttete archäologische Fundstätte im heutigen Sveti Martin na Muri, Nordkroatien

Halicanum (auch lateinisch Alicanum, Halycanum, sowie Halikan) war ein römisches Municipium in der römischen Provinz Pannonia superior. Der Ort lag an der römischen Straße von Poetovio nach Carnuntum bzw. von Poetovio nach Savaria. Der Ort wird in der Gemeinde Sveti Martin na Muri (Gespanschaft Međimurje) im Norden des heutigen Kroatien an der Mur lokalisiert. Die Stätte wird seit 1977 archäologisch intensiver erforscht, die Arbeiten wurden jedoch später unterbrochen und die Befunde zum Schutz und zur Konservierung des Kulturguts zugeschüttet.

Name und Geschichte

Der Name des Ortes ist in verschiedenen Formen überliefert: im Itinerarium Antonini 261,9: Alicano und 262,4 Halicano; beim Geograph von Ravenna 216,3 Ligano; bei Claudius Ptolemäus II,14,4 Ὀλίμακον.

Nach den Funden entstand die Siedlung im 1. Jahrhundert n. Chr., möglicherweise auch etwas früher, während der Feldzüge des Augustus (Regierungszeit 27 v. Chr. – 14 n. Chr.). Über die Mur gab es einen geeigneten Übergang; die Römer errichteten dort eine Befestigung, um den Flussübergang zu überwachen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Siedlung so, dass sie möglicherweise zu einer Art Handelszentrum der Umgebung wurde.

In der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts besaß die Siedlung den Status eines Municipiums. Dies geht aus einer in Aquincum (dem heutigen Budapest) gefundenen Sarkophaginschrift hervor.

Die jüngsten römischen Funde stammen aus dem 4. Jahrhundert, nach dem Niedergang des Römischen Reiches siedelten sich hier Slawen an.

Archäologische Funde

Der Ort umfasste eine Fläche von etwa 3 Quadratkilometern und hatte einen quadratischen Grundriss mit rechtwinkligem Straßennetz (sogenannte „urbs quadrata“). Die archäologischen Untersuchungen von Halicanum wurden 1977 von Archäologen des Kreismuseums Međimurje aus Čakovec systematisch begonnen. Dabei wurden antike Baumaterialien (Ziegel, Dachziegel, Säulenbasen, Mauerreste, Putzreste usw.) gefunden, die auf eine römische Siedlung hindeuten. Zu den ersten Funden zählten ein Keramikofen und Tröge.

1977 wurde im Zentrum des Dorfes Sveti Martin na Muri ein Altar für Jupiter gefunden, der von einem ansonsten unbekannten Benefiziarier Titus Caesernius Marcellinus geweiht wurde.

Eine Schale aus römischer Feinkeramik (Terra Sigillata), ähnlich den in Halikan ausgegrabenen

Bei weiteren Ausgrabungen wurden andere Funde entdeckt, zum Beispiel Nekropolen und Grabhügel entlang der antiken Straße, zahlreiche Keramikartefakte (Teller, Töpfe, Schalen, Öllampen usw.) sowie mehrere Töpferöfen für Gebrauchsgegenstände. Artefakte der feineren Keramik aus Terra Sigillata wurden nicht in Halicanum hergestellt, sondern aus weiter entfernten Gebieten des Römischen Reiches (zum Beispiel der Apenninenhalbinsel und der Provinz Gallien) importiert.

Neben anderen Fundarten wurden zahlreiche Gegenstände aus Metall ausgegraben, darunter Pfeile aus Bronze und Eisen, Teile von Eisenmessern, Schlittenglocken aus Zinn und Bronze, Schlüssel aus Eisen und Bronze, Fibeln aus Silber und Bronze, Nadeln und Stecknadeln aus Bronze, Pinzetten aus Bronze, Nägel aus Eisen, ein Teil einer Glasflasche mit Henkel und vieles mehr.

1985 wurden die Forschungen reduziert und später vorübergehend ganz eingestellt. Erst 2002 wurden sie wieder aufgenommen und es konnte festgestellt werden, dass die römische Siedlung ein ausgeprägtes Töpferhandwerk aufwies. Zwischen 2015 und 2018 wurden die Forschungen intensiviert, da die Archäologen versuchten, die Abmessungen der antiken Stadt zu bestimmen. Die Fundstelle wurde danach wieder zugeschüttet.

Freigelegt wurde auch ein Friedhof des 11. Jahrhunderts, der sich an der Stelle einer römischen Nekropole befand.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Sv. Martin na Muri, Archaeological Site. In: hrz.hr. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  2. ↑ Branka Marciuš: Rimska cesta od sela Preseka do Svetog Martina na Muri u Međimurju [Römerstraße vom Dorf Preseka nach Sveti Martin na Muri in Međimurje]. In: Godišnjak zaštite spomenika kulture Hrvatske. Band 39, 2015, S. 65–76, hier S. 66 f., 69 (Digitalisat).
  3. ↑ Romanizacija Panonije s posebnim osvrtom na područje Međimurja i municipij Halikan. [Romanisierung von Pannonien mit besonderem Bezug auf die Region Međimurje und das Munizipium Halicanum]. In: hamdocamo.wordpress.com. 11. Januar 2013, abgerufen am 28. Februar 2026 (kroatisch).
  4. ↑ Branka Marciuš: Rimska cesta od sela Preseka do Svetog Martina na Muri u Međimurju [Römerstraße vom Dorf Preseka nach Sveti Martin na Muri in Međimurje]. In: Godišnjak zaštite spomenika kulture Hrvatske. Band 39, 2015, S. 65–76, hier S. 66–68, 74, 76 (Digitalisat).
  5. ↑ Sveti Martin na Muri – Žabnik. In: ekomuzejmura.com. Abgerufen am 5. März 2026.
  6. ↑ Izabela Andrašić: Rimska stolna keramika s nalazišta Sveti Martin na Muri (Halicanum) – istraživanja od 2015. do 2018. godine [Römische Tischkeramik von der Fundstätte Sveti Martin na Muri (Halicanum) – Forschung von 2015 bis 2018]. Masterarbeit, Universität Zagreb 2020, S. 9 f., 12, 62 (Digitalisat).
  7. ↑ AE 1979, 472: D(is) M(anibus) // Iuliae Secundinae q(uondam) / Iuli Secundi filiae do(mo) / municipi(o) Alic(ano) ann(orum) XL / Aur(elius) Victor vet(eranus) leg(ionis) II Ad(iutricis) ex / str(atore) co(n)s(ularis) coniugi karissi/mae f(aciendum) c(uravit). Die Lesung ALICANO ist jedoch nicht zwingend gesichert, siehe Eintrag zur Inschrift in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg.
  8. ↑ Petra Novinščak: Povijest Svetog Martina na Muri. [Geschichte von Sveti Martin na Muri]. In: opcina.svetimartin.hr. Abgerufen am 28. Februar 2026 (kroatisch).
  9. ↑ AE 1982, 794; Epigraphische Datenbank Heidelberg; Ubi erat lupa; Željko Tomičić: O važnosti rimskog posvetnog žrtvenika iz Sv. Martina na Muri u Međimurju / About the relevance of the Roman consecration altar from St. Martin on Mura in Međimurje. In: Finis coronat opus. Zbornik radova posvećen Mariji Buzov povodom 65. obljetnice života. Zagreb 2016, S. 79–86.
  10. ↑ Izabela Andrašić: Rimska stolna keramika s nalazišta Sveti Martin na Muri (Halicanum) – istraživanja od 2015. do 2018. godine [Römische Tischkeramik von der Fundstätte Sveti Martin na Muri (Halicanum) – Forschung von 2015 bis 2018]. Masterarbeit, Universität Zagreb 2020, S. 15 f. (Digitalisat).
  11. ↑ Izabela Andrašić: Rimska stolna keramika s nalazišta Sveti Martin na Muri (Halicanum) – istraživanja od 2015. do 2018. godine [Römische Tischkeramik von der Fundstätte Sveti Martin na Muri (Halicanum) – Forschung von 2015 bis 2018]. Masterarbeit, Universität Zagreb 2020, S. 35, 59 f. (Digitalisat).
  12. ↑ Izabela Andrašić: Rimska stolna keramika s nalazišta Sveti Martin na Muri (Halicanum) – istraživanja od 2015. do 2018. godine [Römische Tischkeramik von der Fundstätte Sveti Martin na Muri (Halicanum) – Forschung von 2015 bis 2018]. Masterarbeit, Universität Zagreb 2020, S. 4 (Digitalisat).
  13. ↑ Petra Jeršek: Prilog poznavanju grobnih nalaza 10. i 11. stoljeća u Međimurju / A contribution to research on grave finds of the 10th and 11th centuries in Međimurje. In: Vjesnik Arheološkog muzeja u Zagrebu. Band 55, Nummer 2, 2022, S. 257–299, hier S. 275–277 (Digitalisat).