
Handala (arabisch حنظلة, DMG Ḥanẓala), auch Handhala, Hanzala oder Hanthala genannt, ist eine Cartoonfigur des palästinensischen Zeichners Nadschi al-Ali. Die Figur des kleinen Jungen wurde 1969 erstmals gezeichnet und erhielt ihre heutige Gestalt 1973. Handala gilt als Symbol palästinensischer Identität.
Obwohl die Figur Handala offiziell erstmals am 13. Juli 1969 in der kuwaitischen Zeitung al-Siyassah abgebildet wurde, lassen sich die Anfänge von Handala bereits in zahlreichen Karikaturen erkennen, die in at-Tali’a veröffentlicht wurden. Die Figur Handala entstand als Reaktion auf die Resolution 242 des Sicherheitsrats (22. November 1967), die Nadschi al-Ali als ersten Verrat an den palästinensischen Flüchtlingen betrachtete. Den Oktoberkrieg von 1973 deutete Nadschi al-Ali als einen weiteren Wendepunkt, an dem sich die palästinensische Politik weiter von ihren ursprünglichen Zielen entfernte. Deshalb wendete Handala sich ab und zeigte nur noch seinen Rücken. Er wurde zu demjenigen, der Ungerechtigkeit ablehnt, sie aber beharrlich beobachtet und anprangert. Nadschi al-Ali erklärte, dass seine Figur Handala den Armen zugeneigt sei. Da al-Ali selbst die Welt durch eine Klassenanalyse betrachtete, zeichnete er lieber „soziale Verhältnisse und Einstellungen statt Führer und Chefs“. Ursprünglich führte al-Ali Handala als palästinensisches Kind ein, später schrieb er jedoch, dass „mit der Entwicklung seines Bewusstseins zunächst ein nationaler (arabischer) Horizont entstand, dann ein globaler und menschlicher Horizont.“
Der Name „Handala“ wird auf die giftige Pflanze Koloquinte zurückgeführt (arabisch حنظل, DMG ḥanẓal), eine mehrjährige Pflanze aus der Levante, die bittere Früchte trägt, nach dem Schneiden nachwächst und tiefe Wurzeln hat. Suzan Quitaz zitierte al-Ali mit den Worten: „Ich habe ihn den Armen vorgestellt und ihm den Namen Handala gegeben, als Symbol der Bitterkeit“.
Handalas Alter – zehn Jahre (bzw. elf Jahre gemäß „A Child in Palestine“) – entspricht dem Alter von Nadschi al-Ali im Jahr 1948, als seine Familie gezwungen wurde, Palästina zu verlassen, und er nicht erwachsen werden konnte, bis er in sein Heimatland zurückkehren könnte:
Orayb Aref Najjar (Professorin Emerita der Kommunikationswissenschaften, Northern Illinois University) schreibt, das Gesamtwerk al-Alis verdeutliche, wie politische Ereignisse die Palästinenser von Flüchtlingen zu Revolutionären machten. Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser galt nach 1948 als Essenz der palästinensischen Identität. Nadschi al-Alis Karikaturen setzten sich mit dieser Identitätspolitik der palästinensischen Diaspora auseinander und trugen Najjar zufolge maßgeblich dazu bei, das Bild der palästinensischen Flüchtlinge zu verändern: von hilflosen, mittellosen Menschen, die in Zelten und Hütten lebten und zum Überleben auf Lebensmittelrationen der Vereinten Nationen angewiesen waren, zu Revolutionären, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen.
Während palästinensische Flüchtlinge in Jordanien meist die Staatsbürgerschaft erhielten, erhielten sie in Syrien und im Libanon vorläufige Ausweispapiere. Das Fehlen eines Passes kommt dabei laut Najjar einer Leugnung der Existenz dieses Flüchtlings gleich. Gemäss Najjar griff Al-Ali diese Situation in einer Karikatur auf, indem er die Form eines echten Reisedokuments übernahm und in eine politische Satire verwandelte. Der übergross dargestellte Personalausweis gegenüber der kleinen Figur Handala verdeutlicht für Najjar die existenzielle Bedeutung der Passfrage für staatenlose Palästinenser. Das geschwärzte Foto erinnert an die Darstellung Verstorbener und suggeriert, dass der Inhaber auf eigene Gefahr reist. Besonders die verfremdeten Passformeln sieht Najjar als Kritik an der Behandlung palästinensischer Flüchtlinge durch arabische Regime: Statt staatlicher Hilfe werde dem Inhaber symbolisch der Weg „in Gottes Barmherzigkeit“ gewiesen, während ihm der Aufenthalt im Land nur unter Verwaltungshaft gewährt werde und weder Arbeit noch selbst das Atmen erlaubt seien. Die Karikatur prangert damit die Entrechtung und Marginalisierung palästinensischer Flüchtlinge an.
Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz beschrieb im Mai 2026 Handala als eines der Symbole und Erkennungszeichen des säkularen propalästinensischen Extremismus. Handala sei eine „erstmals 1969 gezeichnete Cartoonfigur, welche stellvertretend für den palästinensischen Widerstand steht.“ In Belltower News schrieb Marc Widemann 2021, dass Abbildungen der Comicfigur „Handala“ meist im Kontext der Boykott-Kampagne BDS verwendet würden. Laut Widemann zeigten Handala-Cartoons auffallend häufig gewaltsames Vorgehen gegen Israel: „So wird die israelische Fahne durch Handala in Brand gesetzt, werden Steine als Wurfgeschosse genutzt und Waffengewalt propagiert. Daneben existieren zahlreiche Handala-Zeichnungen, die eine klassische antisemitische Symbolsprache beinhalten, indem beispielsweise Jüdinnen:Juden mit überdimensionierten Hakennasen dargestellt werden oder ein Rekurs auf die antisemitische Ritualmordlegende erfolgt.“ In einem Artikel über die BDS-Bewegung schrieb Sebastian Leber 2017: „In dessen Geschichten werden Israelis grundsätzlich mit Hakennase dargestellt. Sie begehen jüdische Ritualmorde, verführen arabische Frauen, können bloß durch Maschinengewehre gestoppt werden.“
Zu den aktuellen Verwendungen des Handala-Motivs gehören: