Handelskammer Wertheim

Die Handelskammer Wertheim war eine badische Handelskammer mit Sitz in Wertheim.

Geschichte

Im Großherzogtum Baden waren Handelskammern bis 1878 privatrechtliche Zusammenschlüsse der Kaufleute, auch wenn das Statut der Handelskammer der Genehmigung bedurfte. Die Mitgliedschaft war freiwillig. Die Kammern waren typischeweise mit den kaufmännischen Innungen eng verbunden.

Eine Handlungsinnung bestand in Wertheim seit 1810. Ab 1817 vertrat ein Handlungsvorstand die Interessen der Kaufmannschaft. Ab 1844 versuchte die Wertheimer Kaufmannschaft eine Handelskammer zu bilden. Die Statuten der Handelskammer wurden jedoch erst 1853 genehmigt. Wichtigste Aufgabe der Handelskammer Wertheim war die Vertretung der gemeinschaftlichen Interessen des Handelsvorstands nach außen. Die Handelskammer bestand aus sieben Mitgliedern, die von von den ortsbürgerlichen Kaufleuten gewählt wurden. Die Kammer wählte aus ihren Reihen einen Präsidenten. Jedes Kammermitglied verantwortete eines der sieben Referate: Rangschifffahrt und Frachtfuhr, Post- und Straßenwesen, Zollangelegenheiten, Besondere Angelegenheiten des Manufakturhandels, Besondere Angelegenheiten des Kolonialwarenhandels, Marktverkehr und Handelsliteratur. Finanziert wurde die Kammer durch Beiträger der Mitglieder.

1862 wurde im Großherzogtum Baden die Gewerbefreiheit eingeführt und entsprechend die Zünfte und Innungen iaufgelöst. Die Handelsinnung Wertheim wurde 1864 in eine Handelsgenossenschaft Wertheim umgewandelt. Der Vorstand der Genossenschaft vertrat nun als Handelskammer die Kaufmannschaft Wertheims den Behörden gegenüber als offizielles Organ.

1878 trat im Großherzogtum Baden das Handelskammergesetz in Kraft. Handelskammern waren nun Körperschaften des öffentlichen Rechtes und es bestand eine Pflichtmitgliedschaft. Handelskammern wurden jedoch nur auf Initiative der Kaufleute vor Ort eingerichtet. In Wertheim sprachen sich die Kaufleute jedoch gegen eine solche Kammer neuen Typs aus. Nachdem mehrere Aufforderungen des Ministeriums, eine neue Satzung genehmigen zu lassen, ergebnislos blieben, löste sich die Kammer 1880 auf und die Handelsgenossenschaft übernahm deren Aufgaben.

Nachgeschichte

Wertheim blieb die folgenden Jahrzehnte ohne Handelskammer. Dies wurde zunehmend als Nachteil wahrgenommen. 1911 wurde daher der Kammerbezirk der Handelskammer Heidelberg bis nach Wertheim ausgeweitet. Ein Mitglied der größer gewordenen Kammer musste aus Wertheim stammen. Diese Aufgabe nahm der jeweilige Handelsgenossenschaftsvorsitzende wahr. Heute gehört Wertheim zum Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken.

Literatur