| Handgranate 85 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | Handgranate 85, HG 85 |
| Typ: | Handgranate |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Eidg. Munitionsfabrik Altdorf (RUAG) |
| Entwicklung: | 1984 |
| Indienststellung: | 1987 |
| Einsatzzeit: | im Dienst |
| Stückpreis: | 33 CHF |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 465 g |
| Ladung: | 155 g |
| Länge: | 97 mm |
| Durchmesser: | 65 mm |
| Zünder: | Zeitzünder |
| Listen zum Thema | |
Die Handgranate 85 (HG 85) ist die Standard-Handgranate der Schweizer Armee.
Die Handgranate 85 entstand aufgrund einer Bedarfsforderung der Schweizer Armee. Diese wollte die aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Handgranate 43 ersetzen. Mit dem Rüstungsprogramm 1985 wurde für 70 Millionen CHF Gesamtkosten die Erstbeschaffung von 1,5 Mio. Handgranaten 85, zu einem Stückpreis von 33 CHF verabschiedet. Produziert wurden die Granaten in der Eidgenössischen Munitionsfabrik Altdorf (heute RUAG bzw. SwissP Defence). Die Einführung erfolgte ab 1986. Nach mehreren schweren Unfällen in Rekrutenschulen infolge fehlerhaften Hantierens, wurde die Ausbildung 1992 kurzzeitig ausgesetzt. Daraufhin wurden die Sicherheitsvorschriften wie das Ausbildungskonzept angepasst und der Einsatz wieder freigegeben. Mit dem Rüstungsprogramm 2015 wurden für 38,9 Mio. CHF die Detonatoren in den Zündern ersetzt. Nach der Einführung in der Schweiz wurde die Handgranate 85 auch in andere Staaten exportiert.
Die Handgranate 85 ist eine defensive Splittergranate und wiegt 465 g. Äusserlich wie auch von der Funktion ähnelt sie der US-amerikanischen M67-Handgranate. Die HG 85 besteht aus dem Granatkörper (Sprengkörper), einem Sicherungsbügel sowie dem Verzögerungszünder. Der kugelförmige Granatkörper ist aus Stahl gefertigt und hat einen Durchmesser von 65 mm. Die Innenseite ist mit Hilfe lithografischer Fragmentierungstechnologie (LFT) mit Kerben versehen, die für eine optimale Splitterbildung sorgen. Der Granatkörper ist mit 155 g Mischsprengstoff aus 55 % Hexogen und 45 % TNT befüllt. Oben im Granatkörper ist in einem 5/8 Zoll-Gewinde der Zünder DM82 CH von Diehl Defence eingesetzt. Dies ist ein pyrotechnischer Verzögerungszünder mit einem oben angebrachten Sicherungsbügel, einem schraubfedergespannten Kipphebel (Schlagzünder) und einem Splint zur Sicherung. Mit dem Zünder hat die Handgranate eine Höhe von 97 mm.
In der Schweizer Armee werden die Handgranaten in 9 kg wiegenden Blechkisten mit 12 HG 85 gelagert und an die Truppe ausgeliefert. Die Handgranate 85 hat die Armee-Lagernummer (ALN) 591-3470.

Als defensive Splittergranate erfolgt der Wurf der HG 85 aus der Deckung heraus. Ein Soldat vermag die HG 85 im Durchschnitt 25 bis 35 m weit zu werfen. Die Handgranate kann liegend, kniend oder stehend sowie mit der linken oder rechten Hand geworfen werden. Vor dem Wurf wird die Granate so in die Hand genommen, dass der Sicherungsbügel auf der Handinnenfläche liegt. Mit der freien Hand wir der Splint gezogen. Die Granate kann auch mit gezogenem Splint unbegrenzt lange in der Hand gehalten werden. Erst mit dem Öffnen der Hand beim Wurf, wird der Sicherungsbügel freigegeben. Dadurch wird der Kipphebel entspannt und schlägt den Schlagbolzen auf ein Anzündhütchen, welches den pyrotechnischen Verzögerungssatz zündet. Dieser brennt nun während 3,5 bis 4,5 Sekunden ab (bei 20 °C) und aktiviert den Detonator und die Verstärkerladung, welche die Sprengstofffüllung der Granate zünden. Diese hat eine Detonationsgeschwindigkeit von rund 8000 m/s und zerlegt den vorfragmentierten Granatkörper in rund 1800 Splitter zu je etwa 0,1 g. Diese wirken in einem Radius von 5 m von dem Detonationspunkt, mit einer mittleren Splitterdichte von 4 bis 5 Splitter pro m² gegen lebende Ziele. Auf diese Distanz haben die Splitter eine Energie von zirka 80 J, was ausreicht um Schutzwesten der Schutzklasse 1 (Level IIIA) und Aramid-Gefechtshelme zu durchschlagen. Die Splitter können auf bis zu 10 m schwere oder tödliche Verletzungen verursachen. Der Sicherheitsabstand zu einer explodierenden HG 85 beträgt für ungeschützte Truppen 200 m.
Daten aus: