Hannah Pritchard

Hannah Pritchard

Hannah Pritchard (* 28. Oktober 1709 als Hannah Vaughan; † August 1768 in Bath) war eine britische Schauspielerin. Sie wurde als die herausragendste „Lady Macbeth“ ihrer Epoche angesehen.

Leben

Hannah Pritchard wurde am 28. Oktober 1709 als Tochter von Edward Vaughan, einem Waliser, und seiner Frau Judith geb. Dun geboren. Sie hatte mindestens einen Bruder und möglicherweise zwei Schwestern, die Geschwister arbeiteten ebenfalls als Schauspielende.

Vaughan heiratete früh William Pritchard, der ebenfalls Schauspieler war, und später Manager des Drury Lane Theatre wurde. Das Ehepaar hatte insgesamt vier Kinder: Judith, Tamara Elizabeth, Hannah und John, letzter starb noch als Säugling. Eine ihrer Töchter war ebenfalls Schauspielerin, die beiden Frauen standen auch gemeinsam auf der Bühne. Ihr Sohn war später Schatzmeister des Drury Lane Theatre. In der Spielzeit 1746/47 war Willam als Schatzmeister am Covent Garden. Im Jahr 1747 wechselten beide zu David Garrick ans Drury Lane Theatre, Pritchard als Hauptdarstellerin und William als Schatzmeister. Er hatte diese Position bis zu seinem Tod im Jahr 1763 inne.

Im Jahr 1755 erwarb Pritchard Ragman’s Castle, das sie bis zum Tod ihres Mannes bewohnte. Anschließend vermietete sie das Anwesen.

Hanna Pritchard starb im August 1768 in Bath und wurde in der St. Mary’s Church in Twickenham beigesetzt, wo bereits ihr Mann seine letzten Ruhe fand.

Karriere

Hannah Pritchard war das erste Mal am 26. September 1733 auf der Bühne des Haymarket Theatre zu sehen. Ihr zweiter Auftritt fand im Theater in Goodman’s Fields statt. Kurz darauf war sie auf der Bühne des Bartholomew Fair zu sehen, wo sie mit ihrer natürlichen und authentischen Sprechweise die Aufmerksamkeit des Publikums erregte, unter anderem indem sie eine beliebte Arie vortrug. Anschließend erhielt sie ein Engagement am Drury Lane Theatre. Da sie sich nicht auf einen einzigen Bereich der Schauspielkunst beschränkte, durchlief sie alle Facetten des Theaters.

Sie war Teil einer Gruppe, die unter dem Namen „Comedians of His Majesty's Revels“ bekannt wurde, und deren prominenteste Mitglieder sich vom Drury Lane Theatre abgezweigt hatten. Nach ihrer Rückkehr trat sie dort am 30. April 1734 als Mrs. Fainall in The Way of the World auf. Sie blieb bis zur Spielzeit 1740/41 und wechselte im Sommer 1735 zurück zum Haymarket Theatre.

Am 1. Januar 1742 gab sie ihr Debüt als Arabella in The London Cuckolds of Ravenscroft im Covent Garden, dort spielte sie mindestens in fünf verschiedenen Stücken. Doch bereits ein Jahr später kehrte sie zum Drury Lane zurück. Im Januar 1744 wechselte sie zurück nach Covent Garden, diesmal blieb sie für drei Jahre. 1747 wurde sie von ihrem Schauspielkollegen David Garrick engagiert.

1749 erlangte sie größere Bekanntheit durch das Stück Mahomet und Irene von Samuel Johnson, das Stück feierte nach mehrmonatigen Verzögerungen am 6. Februar Premiere. Garrick hatte die besten damals lebenden Darsteller besetzt. Im fünften Akt, während der Mordszene an Irene, kamen wiederholt Buh- bzw. Zwischenrufe; diese führten schließlich zum Abbruch der Szene. Aufgrund dessen wurde die Ermordung von Irene nach der zweiten oder dritten Aufführung hinter die Kulissen verlegt. Johnson bezeichnete Pritchard später im privaten Umgang als “vulgar idiot, […] (but) when she appeared upon the stage, seemed to be inspired by gentility and understanding.” (deutsch: „vulgäre Idiotin, […] (aber) wenn sie auf der Bühne erschien, von Vornehmheit und Verständnis beseelt zu sein schien“.

Ihren letzten Auftritt hatte sie am 24. April 1768 am Drury Lane Theatre, fünf Monate vor ihrem Tod.

Nachwirken

Hannah Pritchard mit David Garrick in The Suspicious Husband (1747)

Allgemeine Zeugnisse belegen, dass Hannah Pritchard zu den herausragendsten Stars im Garrick-Ensemble gehörte. Sie wurde als die herausragendste Lady Macbeth ihrer Epoche angesehen, bis Sarah Siddons die Rolle übernahm und das Shakespeare-Theater grundlegend veränderte. Zu ihren bemerkenswertesten Rollen zählten außerdem die Königin in Hamlet, Estifania und Doll Common. Ihr vorbildliches Verhalten im Privatleben trug zu Recht zu ihrer hohen Popularität in allen Gesellschaftsschichten bei. Nur wenige Schauspielerinnen wurden jemals so geschätzt und so nachdrücklich unterstützt wie sie.

Der Kritiker Leigh Hunt war überzeugt, dass sie ein wahrhaft großes Genie war. Charles Churchill lobt sie in der Rosciad in den höchsten Tönen. Horace Walpole, der sie kannte und bewunderte, lobte unter anderem ihre Maria in The Nonjuror und ließ nach ihrem Rückzug von der Bühne nicht zu, dass seine Mysterious Mother gespielt wurde, da nur Pritchard die Gräfin hätte darstellen können. Andere Kritiker haben weniger positive Meinungen über sie geäußert. Sie sei zwar talentiert, wirke in ihrem Auftreten jedoch unecht.

Zu ihren Ehren wurde in der Westminster Abbey eine Gedenktafel geschaffen. Ursprünglich befand sich diese an der Poets’ Corner, nahe des Grabes von David Garrick und dem Denkmal für William Shakespeare. Im Jahr 1930 wurde die Gedenktafel auf das Triforium versetzt.

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Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Hannah Pritchard. In: westminster-abbey.org. Abgerufen am 28. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 Hanna Pritchard. In: twickenham-museum.org.uk. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Fiona Ritchie: Women and Shakespeare in the Eighteenth Century. Cambridge University Press, 2014, ISBN 978-1-139-86801-3, S. 51–52 (englisch).
  4. 1 2 Pritchard, Hannah. In: encyclopedia.com. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Charles Churchill, Thomas Parnell, Thomas Tickell, Oliver Goldsmith, Samuel Johnson: The Poetical Works of Churchill, Parnell, and Tickell. Houghton, Osgood, 1879, ISBN 978-0-19-979321-1, S. 80–84 (englisch).
  6. 1 2 3 4 Pritchard, Hannah. In: en.wikisource.org. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Wendy Laura Belcher: Abyssinia's Samuel Johnson: Ethiopian Thought in the Making of an English Author. Oxford University Press, 2012, S. 978–0199793211 (englisch).
  8. ↑ Charles Churchill, Thomas Parnell, Thomas Tickell, Oliver Goldsmith, Samuel Johnson: The Poetical Works of Churchill, Parnell, and Tickell. Houghton, Osgood, 1879, ISBN 978-0-19-979321-1, S. 80–84 (englisch).