Hans Meid

Hans Meid (* 3. Juni 1883 in Pforzheim; † 6. Januar 1957 in Ludwigsburg) war ein deutscher Maler, Buchillustrator, Berliner und Stuttgarter Akademieprofessor, vor allem aber ein bedeutender Graphiker (Schwerpunkt Kaltnadelradierung). Er ist der wichtigste Vertreter des deutschen Impressionismus im Bereich der Graphik. Seine drei großen Kaltnadel-Radierzyklen zu Shakespeares Othello 1911, Mozarts Don Giovanni 1912 und zur Bibel 1916–1926 gehören zu den künstlerischen Höhepunkten in der Druckgraphik des 20. Jahrhunderts.

Leben und künstlerischer Werdegang

Hans Meid wuchs in Pforzheim als Sohn eines Schmuckhändlers auf. Nach dem Realschulabschluss besuchte er nach einigen Monaten an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe ab 1899 die dortige Kunstakademie, wo er Schüler des Impressionisten Wilhelm Trübner (1851–1917) und des Realisten Walter Conz (1872–1947) wurde.

1907 verpflichtete ihn die staatliche Meißener Porzellanmanufaktur als Leiter der Malereiabteilung; 1908 gab er diese Tätigkeit wieder auf und siedelte mit Familie in die Reichshauptstadt Berlin über, wo er sich schnell als bildender Künstler etablieren konnte. Die hohe Qualität seiner Kunst lässt sich an der 1911 erfolgten Aufnahme in die Berliner Secession ablesen, besonders aber an der Zuerkennung des Villa-Romana-Preises, was mit einem halbjährigen kosten- und sorgenfreien Aufenthalt in Florenz verbunden war.

Mit drei den Höhepunkt seiner eigenen und auch der gesamten deutschen impressionistischen Radierkunst darstellenden Zyklen erzielte Meid daraufhin einen durchschlagenden großen Erfolg auf dem europäischen Kunstmarkt: 1911 mit der neunteiligen, noch in Florenz geschaffenen Radierfolge zu Shakespeares Othello (Auflage 125 Exemplare), direkt folgend 1912 mit der bei einem Romaufenthalt begonnenen und in Berlin vollendeten fünfzehnteiligen Radierfolge Don Juan (Auflage 100 Exemplare) zu Mozarts Don Giovanni und schließlich sich von 1916 bis 1926 hinziehend mit dem letzten großen, nun zwanzigteiligen Zyklus zur Bibel (Auflage 100 Exemplare).

Zwischen 1910 und 1926 entstand so (neben vielen weiteren eigenständigen Original-Graphiken) Hans Meids künstlerisches Hauptwerk, das einen Höhepunkt der Kaltnadelradierung im 20. Jahrhundert darstellt.

1914 wurde Hans Meid zum Kriegsdienst einberufen, der durch Vermittlung Max Liebermanns zu einem Verwaltungsposten in der kartographischen Abteilung des Generalstabs in Berlin reduziert wurde, was der pazifistischen Einstellung Meids sehr entgegenkam. Im Rahmen mehrerer Dienstreisen an die polnische Ostfront erfolgte 1915 eine direkte Auseinandersetzung mit dem realen Kriegsgeschehen, die in einigen düsteren Radierungen (z. B. Marktplatz in Polen) und fünf ebensolchen Lithographien für die von Paul Cassirer herausgegebene Zeitschrift Kriegszeit - Künstlerflugblätter ihren Widerhall fand. Wohl hiermit zusammenhängend vollzog sich nun eine ikonographische Neuorientierung des graphischen Werks ins Idyllische, verträumt Weltferne: Die impressionistische Form erhielt eine inhaltliche Entsprechung im Traumhaften und dezent erotisch Aufgeladenen; Badende in Flusslandschaften und vor Wasserfällen, flanierende Menschen vor Burgruinen und exotischen Pavillons, Pastoralen mit Liebespaaren bestimmten jetzt zunehmend Meids Bildinhalte.

Insgesamt schuf er ein umfangreiches Gesamtwerk in Radierung und Lithografie, eine Vielzahl an Illustrationen zu Werken der Weltliteratur wie Cervantes Don Quijote, Goethes Wahlverwandtschaften und vielen anderen. Ab den zwanziger Jahren kamen Federzeichnungen und Aquarelle vor allem als Klischeevorlagen für Buchgestaltung hinzu. Für 44 Verlage (insbesondere Schünemann und S. Fischer) hat er Buchumschläge entworfen. Z. B. schuf er zum Erstdruck von Hugo von Hofmannsthals Einakter Die Lästigen in der Zeitschrift Marsyas sechs Radierungen.

1919 wurde Meid Lehrer für Radierung an der Akademischen Hochschule für bildende Künste (ab 1924: Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst) in Berlin-Charlottenburg. 1927 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste gewählt, in der er ab 1934 auch ein Meisteratelier für Grafik leitete. Seine Schüler waren u. a. Willi Schulz, Felix Nussbaum, Rudi Lesser und Gunter Böhmer.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Meid obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 16 Ausstellungen belegt, z. B. 1937 an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München. Seine persönliche Stellung zur nationalsozialistischen Obrigkeit war nach außen nicht erkennbar, er war jedenfalls nie Parteimitglied der NSDAP, obwohl dies bei seiner beruflichen Position als Berliner Akademieprofessor eigentlich normal gewesen wäre. In Meids Nachlass fand sich ein Konvolut recht bösartiger Spottgedichte auf Partei und Führer, die ihm bei Auffindung durch die Gestapo als Urheber zumindest Konzentrationslagerhaft beschert hätten.

Im Krieg wurde Meids Haus Filandastraße 7 in Berlin-Steglitz 1943 zerstört. Nach 1945 ließ er sich im fränkischen Gereuth nieder, folgte dann aber 1948 einem Ruf an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, an der er bis 1951 unterrichtete. 1953 ernannte ihn die Hochschule zum Ehrenmitglied. 1956 erhielt Meid den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg. Die Jahre bis zu seinem Tod lebte er (auf Vermittlung von Theodor Heuss) im Schloss Ludwigsburg.

Hans Meid war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

Die 1993 maßgeblich von Meids Sohn Max Meid begründete Hans-Meid-Stiftung widmet sich der Erforschung und Vermittlung der Kunst Meids und der Förderung zeitgenössischer Illustration, u. a. durch Vergabe von Preisen.

Werke

Bedeutende originale Druckgrafik

Originale Druckgraphik eingebunden in Buchtext

Illustrierte Bücher (Auswahl)

Ausstellungen posthum

(chronologisch absteigend sortiert)

Literatur

(chronologisch absteigend sortiert)

Einzelnachweise

  1. ↑ Hermann Herold: 50 Jahre „Villa Romana“. Düsseldorf/Florenz 1956, S. 27–30.
  2. ↑ Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000
  3. ↑ Publiziert 2008 im Ausstellungskatalog Hans Meid 1883–1957. Welt und Gegenwelt: „Lug und Trug“ Spottgedichte auf den Nationalsozialismus. S. 30–36.
  4. ↑ kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Meid, Hans. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). Abgerufen am 13. November 2015.
  5. ↑ Startseite – Hans-Meid-Stiftung. Abgerufen am 24. Mai 2026.
  6. ↑ Ralph Jentsch: Hans Meid. Das graphische Werk. Verlag Kunstgalerie der Stadt Esslingen 1978 (umfassendes Werkverzeichnis der Radierungen und Lithografien Meids).
Personendaten
NAME Meid, Hans
KURZBESCHREIBUNG deutscher Maler und Grafiker des Impressionismus
GEBURTSDATUM 3. Juni 1883
GEBURTSORT Pforzheim
STERBEDATUM 6. Januar 1957
STERBEORT Ludwigsburg