Berti Vogts

Berti Vogts
Berti Vogts (2014)
Personalia
Voller Name Hans-Hubert Vogts
Geburtstag 30. Dezember 1946
Geburtsort Büttgen, Deutschland
Größe 168 cm
Position Abwehr
Junioren
Jahre Station
1954–1965 VfR Büttgen
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1965–1979 Borussia Mönchengladbach 419 (33)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1964–1965 DFB-Jugendauswahl 9 0(0)
1966–1968 Deutschland U23 3 0(0)
1967–1978 Deutschland 96 0(1)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1979–1990 Deutschland U21
1986–1990 Deutschland (Co-Trainer)
1987–1988 Deutschland U20
1990–1998 Deutschland
2000–2001 Bayer 04 Leverkusen
2001–2002 Kuwait
2002–2004 Schottland
2007–2008 Nigeria
2008–2014 Aserbaidschan
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Hans-Hubert „Berti“ Vogts (* 30. Dezember 1946 in Büttgen, heute zu Kaarst, Region Niederrhein), Spitzname Terrier, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer.

Berti Vogts spielte innerhalb von 14 Jahren 419-mal in der Fußball-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach. Kein anderer Spieler war in der Bundesliga häufiger für diesen Verein aktiv. Als Mannschaftskapitän führte er die Borussia 1975 und 1979 jeweils zum UEFA-Pokal-Sieg und war beim Gewinn aller fünf Meisterschaften des Vereins Teil der Mannschaft; in der Nationalmannschaft kam er 96-mal zum Einsatz und wurde Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Bei der Weltmeisterschaft 1978 war Vogts Mannschaftskapitän der deutschen Mannschaft.

Er trainierte die Nationalmannschaften von Deutschland, Kuwait, Schottland (er ist der einzige Nichtschotte, der jemals Trainer dieser Nationalmannschaft war), Nigeria und Aserbaidschan. Sein größter Erfolg als Trainer war der Gewinn der Europameisterschaft 1996.

Jugend

Berti Vogts wurde am 30. Dezember 1946 im niederrheinischen Büttgen geboren und wuchs während der Nachkriegszeit in einfachen, kleinbürgerlichen Verhältnissen im Ort Kleinenbroich (heute zu Korschenbroich) auf. Sein Vater war als selbständiger Schuhmacher tätig. Im Alter von zwölf Jahren verlor Vogts seine Mutter, die an Leukämie verstarb; im Folgejahr auch den Vater, der an Herzproblemen litt. In der Doku-Serie Elf Helden – Ein Albtraum wird erwähnt, dass ihm nach dem Tod seiner Eltern sogar von einem Pfarrer eingeredet worden sei, er trage Mitschuld an der Erkrankung und dem Tod seines Vaters – eine Erfahrung, die ihn zusätzlich stark belastete. Durch diese Schicksalsschläge wurde Vogts zum Vollwaisen und lebte fortan im Haushalt seiner Tante in bescheidenen finanziellen Verhältnissen. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Vogts beim Unternehmen Bauer & Schaurte eine Lehre zum Werkzeugmacher. Von 1954 bis 1965 spielte er in den Jugendmannschaften des VfR Büttgen. Er galt als zweikampfstarker Manndecker, der 1964/65 neun Länderspiele für die Jugend-Nationalmannschaft bei UEFA-Juniorenturnieren bestritt.

Vereinskarriere

Vogts und Weisweiler, Funkausstellung in Düsseldorf (1970)
Vogts mit dem UEFA-Pokal (1975)

1965 wechselte der 18-jährige Vogts auf Anraten von Dettmar Cramer zum Bundesliga-Aufsteiger Borussia Mönchengladbach. Die Ablösesumme betrug 28.000 D-Mark. Sein Bundesligadebüt gab er am 14. August 1965 beim 1:1 gegen Borussia Neunkirchen. Als jüngster Akteur auf dem Spielfeld überzeugte der Rechtsverteidiger auf Anhieb und rettete nach zeitgenössischen Berichten gleich mehrfach auf der eigenen Torlinie, wodurch er maßgeblich zum Punktgewinn beitrug. Mönchengladbachs Trainer Hennes Weisweiler wurde früh zu einer prägenden Figur in Vogts’ Karriere und übernahm nicht nur die Rolle des sportlichen Förderers, sondern auch die seines „Ziehvaters.“ Unter seiner Anleitung entwickelte sich der technisch limitierte Vogts zu einem Musterbeispiel an Disziplin, Professionalität und Einsatzbereitschaft. Obwohl er mit einer Körpergröße von lediglich 1,68 Metern nicht den klassischen Anforderungen an einen Verteidiger entsprach, kompensierte er dies durch außergewöhnlichen Ehrgeiz, enorme Laufbereitschaft und kompromisslosen Kampfgeist. Aufgrund seiner bissigen und hartnäckigen Spielweise erhielt Vogts den Spitznamen Terrier.

„Der damals noch kinderlose Weisweiler sah in Berti Vogts so etwas wie seinen Sohn. Es entwickelte sich ein ungewöhnliches Verhältnis, das von menschlicher Wärme und Erfolg geprägt war.“

– Jürgen Bitter

„Berti hat nicht mal besonders viel Talent, aber er ist mutig und ehrgeizig, fleißig, diszipliniert und gewissenhaft.“

– Hennes Weisweiler

„Ich habe sehr früh erkannt, dass man nicht nur mit Edeltechnikern bestehen kann, sondern dass eine große Mannschaft auch einen Terrier wie ihn benötigt. Und Leute, die die Arbeit machen, wie zum Beispiel Hacki Wimmer. Berti war ein Vorzeigecharakter für einen defensiven Spieler.“

– Günter Netzer

Die 1970er Jahre standen im Zeichen der sportlichen Rivalität zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München. Gemeinsam mit Spielern wie Günter Netzer, Jupp Heynckes, Herbert Wimmer, Rainer Bonhof und Allan Simonsen prägte Vogts die erfolgreichste Epoche der Vereinsgeschichte. Der unermüdliche und mannschaftsdienliche Kämpfer gehörte zu den Schlüsselspielern der berühmten „Fohlenelf“, die durch ihren offensiven und attraktiven Spielstil europaweit Anerkennung fand. Im Jahr 1971 wurde Vogts als erster Abwehrspieler überhaupt zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt – eine Auszeichnung, die seine herausragende sportliche Bedeutung unterstrich. Das Fachmagazin Kicker stufte ihn während seiner aktiven Karriere in der Rangliste des deutschen Fußballs insgesamt elfmal in die Kategorie Weltklasse ein. Innerhalb der Mannschaft galt Vogts als verlässliche Führungspersönlichkeit und wichtiger Vermittler. Insbesondere in der oftmals angespannten Beziehung zwischen dem autoritären Weisweiler und dem eigenwilligen Netzer nahm er wiederholt eine ausgleichende Rolle ein. Nach Netzers Wechsel zu Real Madrid übernahm Vogts 1974 das Amt des Mannschaftskapitäns und behielt es auch unter Weisweilers Nachfolger Udo Lattek. Mit der Borussia gewann Vogts fünf Deutsche Meisterschaften (1970, 1971, 1975, 1976, 1977), einmal den DFB-Pokal (1973) sowie zweimal den UEFA-Pokal (1975, 1979). Zudem stand er zwei weitere Male in einem Europapokal-Endspiel gegen den FC Liverpool, die jedoch verloren wurden (1973, 1977).

Zu Beginn seiner letzten Profi-Saison (1978/79) erlitt Vogts in der ersten Runde des DFB-Pokals einen Bein- und Knöchelbruch, der ihn monatelang außer Gefecht setzte. Er kehrte erst Ende April 1979 wieder in den Spielbetrieb zurück und half dabei mit, die kriselnde Borussia vor dem Abstieg zu bewahren. Allerdings stand bereits fest, dass er nach Saisonende seine aktive Laufbahn beenden und als Jugendtrainer zum DFB wechseln würde. Seine drittletzte Partie als Profifußballer bestritt Vogts am 23. Mai 1979 im Rückspiel des UEFA-Pokal-Finales gegen FK Roter Stern Belgrad (1:0). Der Titelgewinn bildete den krönenden Abschluss seiner 14-jährigen Karriere für Borussia Mönchengladbach und der scheidende Kapitän prophezeite, dies werde der letzte Triumph für lange Zeit sein. 1979 erhielt Vogts zum zweiten Mal die Auszeichnung als Fußballer des Jahres.

„Die Leute sagen, dass ich Borussia Mönchengladbachs wertvollster Spieler war. Das bin ich nicht gewesen. Ich war nur der glamouröseste, der für das große Spektakel gesorgt hat. Berti jedoch war der wertvollste Spieler. Er hat fast hundert Länderspiele gemacht, ist sein Leben lang für die Borussia dagewesen, hat seine Karriere dort angefangen und beendet. Der Klub müsste ihm unendlich dankbar sein!“

– Günter Netzer

Zwischen 1965 und 1979 absolvierte Berti Vogts 419 Bundesliga-Einsätze (33 Tore) für Borussia Mönchengladbach und ist damit Rekordspieler des Vereins. Dabei erhielt er keinen Platzverweis. Insgesamt kam er in 538 Pflichtspielen zum Einsatz und erzielte dabei 45 Tore. Vogts wirkte an bemerkenswerten Partien wie dem „Pfostenbruch vom Bökelberg“, dem „Büchsenwurfspiel“, dem Pokalfinale 1973 sowie dem 12:0-Sieg über Borussia Dortmund mit.

Nationalmannschaft

WM-Sammelbild Berti Vogts (1970)

Vogts gab am 3. Mai 1967 in Belgrad gegen Jugoslawien (0:1) sein Länderspieldebüt für die deutsche A-Nationalmannschaft. Dank seiner kompromisslosen und aggressiven Spielweise erkämpfte er sich einen Stammplatz und wurde von Bundestrainer Helmut Schön in das Aufgebot für die Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko berufen. Während des Turniers kam er in allen sechs Begegnungen als Rechtsverteidiger zum Einsatz und im Halbfinale gegen Italien übernahm er die Manndeckung des italienischen Torjägers Luigi Riva. In der später als „Jahrhundertspiel“ bekannt gewordenen Partie unterlag die DFB-Elf nach einer dramatischen Verlängerung mit 3:4. Nach dem anschließenden Sieg über Uruguay (1:0) im Spiel um Platz drei, wurden sie WM-Dritter.

1972 wurde Vogts mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. Allerdings verpasste er aufgrund einer Meniskusverletzung sowohl den legendären 3:1-Sieg über England im Wembley-Stadion als auch das Halbfinale und das Endspiel (3:0 gegen die Sowjetunion). Vogts wurde durch Horst-Dieter Höttges ersetzt.

Vogts (links) im WM-Finale 1974 gegen Johan Cruyff (rechts)

Während der WM 1974 in Deutschland gehörte Vogts zu den wichtigsten Abwehrspielern der deutschen Mannschaft und verkörperte defensive Konsequenz. Der Rechtsverteidiger war kein Spieler für spektakuläre Aktionen, sondern ein Spezialist für klar umrissene Aufgaben – und genau diese machten ihn unverzichtbar. Vogts’ Spiel war geprägt von enormer Laufarbeit, Zweikampfhärte und taktischer Disziplin. Seine Stärke lag dabei in erster Linie nicht im Spielaufbau oder in offensiven Vorstößen, sondern vielmehr im kompromisslosen Unterbinden gegnerischer Angriffe und er bildete gemeinsam mit den Führungsspielern Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Paul Breitner und Gerd Müller das Gerüst des Gastgebers. Deutschland startete jedoch nicht überzeugend in das Heimturnier und erlitt im letzten Gruppenspiel gegen die DDR eine überraschende 0:1-Niederlage, die als eine der größten Sensationen der WM-Geschichte gilt (siehe hier). In der anschließenden Zwischenrunde steigerte sich die Mannschaft deutlich und setzte sich gegen starke Gegner durch. Nach einem 1:0-Erfolg über Polen („Wasserschlacht von Frankfurt“) erreichte die Bundesrepublik das Finale im Münchner Olympiastadion und traf auf die favorisierten Niederländer um Superstar Johan Cruyff. Vogts erhielt die taktisch anspruchsvolle Aufgabe, Cruyff über weite Strecken des Spiels zu bewachen und dessen Einfluss auf das Offensivspiel einzuschränken. Trotz eines frühen Rückstands durch einen Elfmeter gelang der deutschen Mannschaft eine Wende zum 2:1-Sieg. Vogts erfüllte seine Defensivaufgabe mit beeindruckender Konsequenz. Er blieb eng an seinem Gegenspieler, attackierte früh, ließ Cruyff kaum Zeit am Ball und zwang ihn immer wieder zu Ausweichbewegungen fernab der gefährlichen Zonen. Dabei verzichtete Vogts bewusst auf eigene Offensivaktionen und ordnete sich dem Kollektiv vollständig unter, weshalb Cruyff seine spielerische Dominanz nicht wie in den vorherigen Turnierspielen entfalten konnte. Mit dem Finalsieg gewann Deutschland seinen zweiten Weltmeistertitel.

„Heute sagt man: Wir sind Weltmeister geworden, weil ich Johan Cruyff ausgeschaltet habe. Nein, die ganze Mannschaft hat das Spiel gewonnen, und ich war Teil davon. Ich hatte eine Aufgabe, die habe ich erfüllt – und fertig.“

– Berti Vogts

„Ich kann den Ball keine dreimal hochhalten, aber ich bin Weltmeister.“

– Berti Vogts

Am 28. Februar 1976 erzielte Vogts im EM-Qualifikationsspiel gegen Malta in der 83. Spielminute sein einziges Länderspieltor. Der sehenswerte Treffer zum 7:0 (Endstand 8:0) wurde zum Tor des Monats gewählt. Bei der anschließenden Europameisterschaft 1976 verpasste Vogts mit der deutschen Mannschaft die Titelverteidigung und verlor das Endspiel gegen die Tschechoslowakei nach Elfmeterschießen („Nacht von Belgrad“). Dem Führungstor der Tschechoslowaken war ein Ballverlust von Vogts vorausgegangen.

Nachdem Beckenbauer in die Vereinigten Staaten gewechselt war und nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert wurde, ernannte Bundestrainer Schön ihn zum neuen Kapitän. Vogts führte die Mannschaft am 27. April 1977 beim 5:0-Sieg über Nordirland erstmalig als Spielführer an und bekleidete das Amt auch während der folgenden WM 1978 in Argentinien. Dort zeigte die als Titelverteidiger antretende deutsche Auswahl, bei der mittlerweile zahlreiche 74er-Weltmeister zurückgetreten waren, spielerisch durchwachsene Leistungen und schied nach der Zwischenrunde aus. Bei der historischen „Schmach von Córdoba“ unterlagen sie Österreich sensationell mit 2:3, wobei Vogts ein Eigentor unterlief. Nach der Niederlage trat Vogts aus der Nationalmannschaft zurück, wodurch die WM-Partie am 21. Juni 1978 sein 96. und letztes Länderspiel war. In Bezug auf die im Gastgeberland Argentinien herrschende Militärjunta verblüffte Vogts durch die Aussage: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“

Trainerkarriere

DFB-Juniorennationalmannschaften

Unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wechselte Vogts zum Deutschen Fußballbund (DFB) und wurde Trainer der neu gegründeten U21-Nationalmannschaft. Das erste Länderspiel am 10. Oktober 1979 verlor die Mannschaft mit 0:1 gegen Polen. Mit der U21, um Spieler wie Rudi Völler, Pierre Littbarski, Wolfgang Rolff und Eike Immel, erreichte Vogts das Finale der Europameisterschaft 1982, unterlag jedoch nach Hin- und Rückspiel der englischen U21 (1:3, 3:2). Insgesamt betreute Vogts die U21 elf Jahre lang; letztmalig am 18. Mai 1990 (0:3-Niederlage gegen die CSSR).

Neben seiner Hauptaufgabe bei der U21, betreute Vogts auch vorübergehend die U16-Junioren (September 1979 bis Mai 1983, 9 Spiele), die U18-Junioren (Juli 1983 bis November 1989, 85 Spiele) und die U20-Nationalmannschaft (September 1986 bis Oktober 1987, 13 Spiele), mit der er 1987 in Chile Vize-Weltmeister wurde. Im Endspiel hatten sie gegen Jugoslawiens U20 im Elfmeterschießen mit 5:6 das Nachsehen. Bei der U18-Europameisterschaft 1986 hatte Vogts seine Mannschaft nach einer Niederlage gegen die U18 der DDR noch auf den dritten Platz geführt.

Vor der WM 1986 holte Teamchef Franz Beckenbauer ihn in sein Trainerteam und machte Vogts neben Horst Köppel zum Co-Trainer der A-Nationalmannschaft. Obwohl es während des Turniers in Mexiko innerhalb des Kaders Spannungen gab (Suppenkasper-Affäre), wurde Deutschland nach einer 2:3-Finalniederlage gegen Argentinien Vize-Weltmeister. Auch danach blieb Vogts neben seiner Tätigkeit als U21-Trainer einer von Beckenbauers Trainerassistenten und gehörte auch bei der WM 1990 mit Holger Osieck und Sepp Maier zum Betreuerstab. Beim erfolgreichen WM-Turnier in Italien, bei dem Deutschland durch ein 1:0 über Argentinien Weltmeister wurde, erhielt Vogts die Aufgabe, die deutschen Spiele von der Tribüne aus zu beobachten und seine Erkenntnisse per Funk an Beckenbauer zu übermitteln.

Bundestrainer

Von 1990 bis 1998 war er Bundestrainer. Dabei stand er in 102 Spielen (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen) an der Seitenlinie. Vogts erreichte zwar nach Joachim Löw und Helmut Schön die meisten Siege als Bundestrainer, saß jedoch auch nach Löw und Schön die meisten Spiele als Bundestrainer auf der Bank, wenn man die Reichstrainerzeit von Sepp Herberger nicht mitzählt. Er erreichte als Bundestrainer sowohl mit alter Punktwertung (2 Punkte pro Spiel) als auch mit neuer Wertung (3 Punkte) noch vor Löw die beste Quote aller Bundestrainer (1,53 bzw. 2,18 Punkte pro Spiel). Während seiner Amtszeit oft sehr umstritten, blieb sein größter Erfolg in acht Jahren als Bundestrainer – abgesehen von drei erfolgreich bestrittenen Turnierqualifikationen – der Gewinn des Titels bei der EM 1996 in England. Zudem wurde Deutschland unter seiner Leitung Vize-Europameister bei der EM 1992 in Schweden und gewann 1993 in den USA den nur wenig in Erinnerung gebliebenen U.S. Cup (Gegner: Brasilien, USA, England), der in jenem Jahr den Charakter eines Vorbereitungsturniers für die WM 1994 hatte. Bei den Weltmeisterschaften 1994 in den USA und 1998 in Frankreich erreichte die von Vogts geführte Nationalmannschaft jeweils das Viertelfinale.

Der als Spieler durchaus populäre Vogts hatte als Bundestrainer bei den Medien und der Fußballanhängerschaft stets einen schweren Stand. Als Ursache dafür wird u. a. sein bisweilen als ungeschickt empfundener Umgang mit den Medien oder die begrenzte Fähigkeit zur Führung charakterlich schwieriger Spieler gesehen. Auch die Tatsache, dass der sehr populäre Beckenbauer sein Vorgänger war, erschwerte für ihn die Situation. Nach dem unerwarteten Ausscheiden als ein Turnierfavorit bei der WM 1994 im Viertelfinale gegen Bulgarien und öffentlich ausgetragenen Querelen innerhalb der Mannschaft, z. B. um die Spielerfrauen oder den damaligen Nationaltorwart Bodo Illgner, soll ihn nach eigenen Angaben nur ein Telefonat mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und die Solidarität des DFB-Präsidenten Egidius Braun vom Rücktritt abgehalten haben. Mit dem Titelgewinn bei der EM 1996 erreichte seine Popularität als Bundestrainer dann ihren Höhepunkt, sank jedoch nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale der WM 1998 wieder rapide ab. Vogts’ Bestrebungen, dennoch im Amt zu bleiben, um einen erforderlichen Neuaufbau der Nationalmannschaft noch selbst betreiben zu können, erwiesen sich nach einem ernüchternd verlaufenen Lehrgang auf der Insel Malta Anfang September 1998 (2:1 gegen Malta, 1:1 gegen Rumänien) als nicht mehr realisierbar.

Bayer 04 Leverkusen

Nach der Entlassung von Christoph Daum infolge der sogenannten „Kokain-Affäre“, übernahm Vogts am 14. November 2000 den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen. Die Verpflichtung galt als bewusste Entscheidung der Vereinsführung, nach dem als charismatisch und zu spektakulären Auftritten neigenden Daum einen betont sachlichen und disziplinierten Trainer zu installieren. Vogts stellte ein hochkarätig besetztes Trainerteam zusammen, dem unter anderem Pierre Littbarski (Co-Trainer), Wolfgang Rolff (Kondition) und Toni Schumacher (Torwarttrainer) angehörten. Mit seiner innovativen Ankündigung, die ersten 30 Minuten eines Spiels von der Tribüne aus zu beobachten, sorgte Vogts für Irritationen. Unter seiner Leitung stabilisierte sich die Mannschaft zunächst und übernahm zwischenzeitlich sogar die Tabellenführung der Bundesliga. In der Rückrunde geriet Bayer Leverkusen jedoch in eine Formkrise, das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft galt als zerrüttet. Leverkusen verlor seine Spitzenposition und fiel im Saisonverlauf zurück. Am Ende der sportlich durchwachsenen Spielzeit 2000/01 belegten sie den vierten Tabellenplatz, der gerade noch zur Teilnahme an der Qualifikation für die UEFA Champions League berechtigte. Trotz des zwischenzeitlichen Titelkampfes erreichte man die Saisonziele nur teilweise und am 21. Mai 2001 wurde Vogts, nach nur 189 Tagen, entlassen. Berichten zufolge erhielt er für seine vorzeitige Entlassung aus seinem bis 2003 laufenden Vertrag eine Abfindung in Höhe von etwa drei Millionen Mark.

Kuwait

Der kuwaitische Fußballverband (KFA) stellte Vogts am 12. August 2001 als neuen Nationaltrainer vor. Er unterschrieb im Golfstaat einen gut dotierten Einjahresvertrag mit einem Gehalt von 1,3 Millionen D-Mark. Mit Kuwait nahm Vogts im Januar 2002 am Golfpokal in Saudi-Arabien teil und wurde mit dem Team Dritter. Nach insgesamt elf Länderspielen (2 Siege, 6 Unentschieden, 3 Niederlagen) trat er am 28. Februar 2002 vorzeitig von seinem Amt zurück.

Schottland

Schließlich berief ihn der schottische Fußballverband am 1. März 2002 als ersten nichtschottischen Trainer zum Nationaltrainer von Schottland, wo er einen Neuaufbau der schottischen Mannschaft mit jungen Spielern durchführen sollte. Unter Verzicht auf etablierte Spieler verpasste er jedoch die Qualifikation für die EM 2004. Nach schlechtem Start in die Qualifikationsrunde für die WM 2006 mit nur zwei Punkten aus drei Spielen trat Vogts am 1. November 2004 nach 32 Spielen, davon zwei gegen Deutschland in der Qualifikation für die EM 2004, zurück. Vogts begründete in der Öffentlichkeit die Beendigung seiner Tätigkeit als Nationaltrainer nicht mit dem ausgebliebenen sportlichen Erfolg der (auch vor und nach seiner Amtszeit nicht sonderlich erfolgreichen) schottischen Nationalmannschaft. Er erklärte vielmehr, für viele Sportjournalisten überraschend, dass durch andauernde Belästigungen und Schmähungen aufdringlicher schottischer Fußballfans, die sogar seine Privatsphäre angetastet hätten, die zur Fortführung seiner Arbeit notwendige ruhige und sachliche Atmosphäre nicht mehr gegeben gewesen wäre.

Nigeria

Nach längerer Abwesenheit vom Fußball wurde Vogts am 15. Januar 2007 überraschend zum Cheftrainer der nigerianischen Nationalmannschaft ernannt und erhielt bei den „Super Eagles“ einen Vertrag bis 2010. Die ehemaligen Nationalspieler Thomas Häßler, Uli Stein und später Steffen Freund machte er zu seinen Trainer-Assistenten. In Nigeria arbeitete Vogts unter schwierigen Bedingungen, denn der Fußballverband NFF war von anhaltenden organisatorischen Problemen, personellen Konflikten und Vorwürfen der Misswirtschaft geprägt. Im Vorfeld des Afrika-Cups 2008 zählten die Nigerianer zu den Turnierfavoriten und die Erwartungen waren hoch. Die Mannschaft verfügte über etablierte Profis aus der englischen Premier League wie John Obi Mikel, Obafemi Martins, Joseph Yobo oder Yakubu Aiyegbeni, tat sich jedoch in der Gruppenphase schwer und schied im Viertelfinale, trotz Überzahl, gegen den Gastgeber Ghana (1:2) aus. Nach dem Turnier geriet der ohnehin umstrittene Trainer für seine defensive Spielweise massiv unter Druck und Teile der nigerianischen Presse stellten seine Arbeit infrage. Vogts, der zunächst einen Rücktritt ausgeschlossen hatte, zog die Konsequenzen und kündigte am 20. Februar 2008 seinen Vertrag fristlos.

Aserbaidschan

Vogts im Jahr 2012

Am 4. April 2008 wurde Vogts als neuer Nationaltrainer Aserbaidschans vorgestellt und unterzeichnete einen Zweijahresvertrag. Olaf Janßen und Uli Stein machte er zu seinen Assistenten. Die Mannschaft verpasste die Qualifikation zur WM 2010 als Tabellenvorletzter und traf dabei auf Deutschland (0:2, 0:4). Auch in der folgenden EM-Qualifikation 2012 kam es wieder zum Duell mit Deutschland (1:6, 1:3) und Vogts ist damit der erste deutsche Trainer, der sechsmal mit einer anderen Nationalmannschaft gegen sein Heimatland antrat.

Am 11. November 2011 saß er beim Spiel gegen Albanien zum 200. Mal als Nationaltrainer auf der Bank, davon 41-mal für Aserbaidschan. Nur fünf Nationaltrainer haben mehr Länderspiele. Ende Oktober 2011 hatte Vogts zunächst seinen Abschied aus Aserbaidschan angekündigt, am 30. November verlängerte er aber seinen Vertrag bis 2014. Im Dezember 2013 verlängerte er seinen Vertrag um zwei weitere Jahre und führte Aserbaidschan in die Qualifikation zur EM 2016. Vogts agierte während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, bei der die USA in der Vorrunde auch auf Deutschland traf, als Scout und Technischer Berater für die Fußballnationalmannschaft der Vereinigten Staaten. Die Arbeit als Nationaltrainer Aserbaidschans beendete Vogts am 17. Oktober 2014 aus eigenem Antrieb. Der misslungene Start in die Qualifikation zur EURO 2016 und die fehlende Perspektive gaben dafür den Ausschlag. Seit März 2015 war Vogts erneut als Berater der US-Amerikaner tätig und unterstützte Trainer Jürgen Klinsmann unter anderem bei der Copa América Centenario 2016.

Privates

Berti Vogts lernte seine spätere Ehefrau Monika, die als Flugbegleiterin arbeitete, während der WM 1974 kennen. Das Paar heiratete im Juni 1979 und hat einen Sohn (Justin *1988). Im Sommer 2003 erfolgte die Trennung.

Vogts lebt in Kleinenbroich, einem Ortsteil von Korschenbroich am Niederrhein (Rhein-Kreis Neuss). Zeitweise war er Mitglied des Kirchenvorstands seiner Heimatgemeinde St. Dionysius. Im Januar 2015 wurde ihm am Universitätsklinikum Tübingen operativ eine künstliche Herzklappe eingesetzt.

Verschiedenes

Titel, Erfolge und Ehrungen

Berti Vogts (untere Reihe, 3. von rechts) nach dem Finalspiel der WM 1974 in München

als Spieler

als Trainer

als Co-Trainer

Ehrungen

Literatur

Commons: Berti Vogts – Sammlung von Bildern
Wikiquote: Berti Vogts – Zitate

Einzelnachweise

  1. 1 2 WM 1994 – Elf Helden, ein Albtraum: Folge 1: Der Trainer. In: ARD Mediathek. NDR, 3. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  2. 1 2 Adrian Rehling: Berti Vogts wurde als Kind für Tod seines Vaters verantwortlich gemacht. In: Frankfurter Rundschau. 28. Mai 2026, abgerufen am 31. Juli 2026.
  3. ↑ Frans Nähring: Berti Vogts: „Was ist das denn für eine Bürde?“ – Pfarrer gab ihm Schuld am Tod des Vaters - WELT. In: Die Welt. 4. Juni 2026, abgerufen am 31. Juli 2026.
  4. ↑ Jahrelang wurde Berti Vogts von allen Seiten geprügelt - jetzt plötzlich liegt der Bundestrainer voll im Trend: Vom Fettnäpfchen auf den Thron. In: Berliner Zeitung. 2. Juli 1996, abgerufen am 31. Juli 2026.
  5. ↑ Der sprachlose Berti. In: Der Spiegel. 6. September 1998, abgerufen am 31. Juli 2026.
  6. ↑ Sportstar in Korschenbroich: Berti Vogts – ein Weltmeister ganz nah. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung. 31. August 2019, abgerufen am 31. Juli 2026.
  7. ↑ Dirk Möwius: Berti Vogts entführt in die Welt des Fußballs. Rotary, 1. Januar 2020, abgerufen am 31. Juli 2026.
  8. ↑ Thomas Grulke: Borussia erlebte vor 60 Jahren ein Debüt voller Premieren. In: Rheinische Post. 14. August 2025, abgerufen am 31. Juli 2026.
  9. 1 2 Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler : das Lexikon. SVB Sportverlag, Berlin 1997, ISBN 3-328-00749-0, S. 510.
  10. ↑ Ulli Schäfer: 30. Dezember 1946 - Fußball-Legende Berti Vogts wird geboren. In: WDR. 18. Dezember 2021, abgerufen am 31. Juli 2026.
  11. ↑ Hans-Hubert "Berti" Vogts: "Terrier" und Rekord-Fohlen. In: bundesliga.de. DFL Deutsche Fußball Liga, 4. September 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. Mai 2026; abgerufen am 2. August 2026.
  12. ↑ Oliver Bitter: Berti Vogts: Unterschätzt. Unverwüstlich. Unvergessen. In: Kicker. 30. Dezember 2021, abgerufen am 31. Juli 2026.
  13. ↑ Ben Redelings: Das verflixt-verbissene Leben des Berti Vogts. In: ntv. 30. Dezember 2021, abgerufen am 31. Juli 2026.
  14. 1 2 Raimund Hinko: Günter Netzers Verneigung vor Berti Vogts. In: Die Welt. 30. Dezember 2021, abgerufen am 1. August 2026.
  15. ↑ Harald Pistorius: Vor 60 Jahren: Die besten Aufsteiger aller Zeiten – Bayern und Gladbach. In: Augsburger Allgemeine. 1. Juli 2025, abgerufen am 1. August 2026.
  16. ↑ Jahrhundertteams: Fohlen im Rausch. In: Der Spiegel. 5. August 2005, abgerufen am 1. August 2026.
  17. ↑ Christopher Gerards: Borussia Mönchengladbach - Wilde 70er. In: Süddeutsche Zeitung. 30. April 2020, abgerufen am 1. August 2026.
  18. ↑ Rangliste Hans-Hubert Vogts. In: Kicker. Abgerufen am 1. August 2026.
  19. ↑ Dominik Fürst: Berti Vogts zum 70. – Die Würde des kleinen Mannes. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Dezember 2016, abgerufen am 1. August 2026.
  20. 1 2 Berti Vogts wird 75 Jahre: Der kämpferischste Weltmeister von 1974. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 30. Dezember 2021, abgerufen am 1. August 2026.
  21. ↑ Karsten Kellermann: Borussia Mönchengladbach: Vor 40 Jahren verlor Borussia ihr größtes Endspiel. In: Rheinische Post. 25. Mai 2017, abgerufen am 1. August 2026.
  22. ↑ Karsten Kellermann: „Terrier“ feiert 70. Geburtstag: Berti Vogts — der ewige Borusse. In: Rheinische Post. 29. Dezember 2016, abgerufen am 1. August 2026.
  23. ↑ Jan Wiefels: Borussia Mönchengladbach: Uefa-Cup 1979: Letzter Triumph für lange Zeit. In: Rheinische Post. 23. Juli 2014, abgerufen am 1. August 2026.
  24. ↑ Berti Vogts in der Datenbank des Deutschen Fußball-Bundes
  25. ↑ Spielbericht: Jahrhundertspiel: So dramatisch scheiterte Deutschland an Italien in der Datenbank von kicker.de. Abgerufen am 1. August 2026.
  26. ↑ Christine Mitatselis: Das Jahrhundertspiel. In: Frankfurter Rundschau. 15. Januar 2019, abgerufen am 1. August 2026.
  27. ↑ WM-Halbfinale 1970: Spiel des Lebens. In: Der Spiegel. 16. Juni 2010, abgerufen am 1. August 2026.
  28. ↑ Johannes Freytag: Als die DDR die Bundesrepublik bei der WM 1974 besiegte. Norddeutscher Rundfunk, 22. Juni 2026, abgerufen am 1. August 2026.
  29. ↑ Peter Ahrens: Der Regen, der den Weltmeister machte. In: Der Spiegel. 21. Juni 2018, abgerufen am 1. August 2026.
  30. ↑ Stephan Orth: Deutschland - Polen 1974: Frankfurt, ein Schauermärchen. In: Der Spiegel. 6. Juni 2008, abgerufen am 1. August 2026.
  31. ↑ Oskar Beck: Hassliebe für die Deutschen bestimmte Cruyffs Leben. In: Die Welt. 25. März 2016, abgerufen am 1. August 2026.
  32. ↑ Deutschlands stille Helden: WM 1974. FIFA, 17. Februar 2026, abgerufen am 1. August 2026.
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Personendaten
NAME Vogts, Berti
ALTERNATIVNAMEN Vogts, Hans-Hubert (vollständiger Name); Terrier (Spitzname)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Fußballspieler und -trainer
GEBURTSDATUM 30. Dezember 1946
GEBURTSORT Büttgen, Deutschland