Hans Brandeck

Hans Brandeck (Pseudonym; eigentlich Emil Müller auch Emil Müller-Brandeck; * 25. Februar 1874 in Bühl oder Bühl im Klettgau; † 19. September 1947 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Lehrer, Heimatforscher, Chronist und Schriftsteller.

Leben und Wirken

Emil Müller schlug die Laufbahn im badischen Schuldienst ein und war als Hauptlehrer tätig. Für seine Schriften wählte er frühzeitig das literarische Pseudonym Hans Brandeck. Unter diesem Namen veröffentlichte er den Großteil seiner Schriften. In offiziellen Registern und späteren Publikationen verschmolz dies gelegentlich zur Namensform Hans Müller-Brandeck.

In der regionalgeschichtlichen Literatur kam es in der Vergangenheit aufgrund der Namensgleichheit zu Verwechslungen mit dem jüngeren Oberstudienrat und Heimatforscher Emil Müller-Ettikon, welcher ebenfalls über den Klettgau und die Salpetererbewegung forschte, jedoch einer späteren Generation angehörte.

Lehrer in Grießen

Seine beruflichen Standorte nutzte Brandeck für regionalgeschichtliche Forschungen am Hochrhein, im Klettgau und im Schwarzwald. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er in Grießen als Unterlehrer tätig und legte im Jahr 1905 eine Chronik des historischen Marktfleckens vor.

Stühlingen

In den Jahren 1905 bis 1912 wirkte er als Hauptlehrer in Stühlingen. Auch nach seinem Wegzug nach Salem blieb er der Stadt verbunden. Im Auftrag der Stadtverwaltung verfasste er das monumentale historische Volksschauspiel Der Stühlinger Bauernaufstand, das im Jahr 1925 unter Mitwirkung von über 250 Laiendarstellern uraufgeführt wurde. 1927 folgte seine umfassende Stadt- und Regionalchronik über die einstige Landgrafschaft Stühlingen. Bis zum Erscheinen einer neuen Stadtgeschichte im Jahr 1966 durch Gustav Häusler war sie maßgeblich. Sie wurde im Rahmen des Stadtjubiläums digital zugänglich gemacht.

Im Jahr 1936 veröffentlichte er, obwohl er nicht in Tiengen wohnte oder dort als Lehrer tätig war, im Auftrag der Stadt unter dem nationalsozialistischen Bürgermeister Wilhelm Gutmann eine umfassende Chronik der Stadt am Hochrhein, heute Waldshut-Tiengen. Der Abschnitt zur Geschichte der Juden, die in Tiengen eine reiche Tradition hatten, ist ebenfalls ausführlich, jedoch antisemitisch. Im Vorwort nennt er als eine der Quellen den Nachlass des in Tiengen geborenen Archivrats Joseph Bader.

In Salem hatte er noch die Schrift Geschichte des Kapuzinerklosters zu Stühlingen sowie der Hof- und Loretto-Kaplanei daselbst geschrieben. Sie erschien im Freiburger Diözesan-Archiv (Band 59, 1931).

Von Salem kam er 1930 nach Bräunlingen, wo er bis zu seinem Ruhestand 1934 tätig war. Geschichtlich entstand hier 1932 der Aufsatz Bräunlingen. Mit 11 Abbildungen und Siegeltafel als Beitrag in der Badischen Heimat.

Im Jahr 1934 wurde sein historisches Heimatspiel: Das Kaisergericht auf der Küssaburg anlässlich der 300-jährigen Wiederkehr der Zerstörung der Festung auf der dortigen Freilichtbühne uraufgeführt. An der Großinszenierung wirkten über 300 Personen aus Südbaden und der Schweiz mit. Als Festredner und Stellvertreter des badischen Reichsstatthalters Robert Wagner trat bei den Feierlichkeiten der badische Kultusminister Otto Wacker auf.

In den 1930er-Jahren stand Brandecks publizistisches Wirken unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Er verfasste unter anderem völkisch orientierte Festspiel- und Fasnachtstexte für die Stadt Bräunlingen, die im Sinne der zeitgenössischen NS-Volkskunde (u. a. unter Eugen Fehrle) der ideologischen Umdeutung des regionalen Brauchtums dienten.

Ruhestand in Freiburg

Nach dem Ende seiner aktiven Dienstzeit im Schuldienst zog er sich 1934 in den Ruhestand zurück und widmete sich vermehrt der Erforschung weiterer südbadischer Landschaften wie dem Kaiserstuhl, der Ortenau und der Geschichte von Schloss Ortenberg.

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

Literatur

Brandeck, Hans. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 3, 2001, S. 551.

Einzelnachweise

  1. ↑ Gedenktage im Jahrbuch Ekkhart ab 1960 bis 1985
  2. 1 2 Stühlingen besitzt kein zentrales Stadtarchiv. In: Südkurier, 20. Januar 2017, abgerufen am 17. Juli 2026
  3. ↑ Literaturverzeichnis in: Der Bauernkrieg in der Landgrafschaft Stühlingen und… (PDF; 1,2 MB), Universität Konstanz, S. 121, abgerufen am 17. Juli 2026
  4. ↑ Aus der Vergangenheit: Die Stühlinger Chroniken. Stadt Stühlingen, abgerufen am 17. Juli 2026
  5. ↑ Das Kaisergericht auf der Küssaburg. In: Emmendinger Zeitung, 23. Juni 1934, Digitalisat Stadtarchiv Emmendingen, abgerufen am 17. Juli 2026
  6. ↑ Aus Stadt und Land - Stühlingen. In: Breisgauer Nachrichten. 12. Februar 1945, abgerufen am 20. Juli 2026.
  7. ↑ Emil Baader: Neue Heimatstuben am Hochrhein - Klettgauer Heimatstube im Gasthaus "zur Mange" in Grießen In: Heimat am Hochrhein. Band 2. 1964/65. S. 142–143
  8. ↑ Eintrag in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Personendaten
NAME Brandeck, Hans
ALTERNATIVNAMEN Müller, Emil (wirklicher Name); Müller-Brandeck, Emil
KURZBESCHREIBUNG deutscher Lehrer, Heimatforscher und Autor
GEBURTSDATUM 25. Februar 1874
GEBURTSORT Bühl oder Bühl (Klettgau)
STERBEDATUM 19. September 1947
STERBEORT Freiburg im Breisgau