Hans Henkes (* 1959 in Zweibrücken) ist ein deutscher Neuroradiologe, Ärztlicher Direktor der Neuroradiologischen Klinik des Klinikums Stuttgart und außerplanmäßiger Professor an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Miterfinder des Solitaire-Stents, mit welchem er 2008 die erste erfolgreiche intrakranielle Thrombektomie unter Verwendung eines Stent-Retrievers durchführte.
Henkes wurde im Jahr 1959 in Zweibrücken, Rheinland-Pfalz geboren. Er gehörte als Jugendlicher mehrfach zu den Jahresbesten im Hammerwurf des Landesverbands Pfalz. Nach seinem Abitur im Jahr 1977 studierte er von 1977 bis 1985 Medizin und später zusätzlich Psychologie an der Freien Universität Berlin, zu diesem Zeitpunkt in West-Berlin. Nach dem Staatsexamen begann er zunächst als Assistenzarzt im Klinikum Charlottenburg der FU Berlin in der Abteilung für klinische Neurophysiologie, wechselte dann aber nach einem Jahr in die Radiologische Klinik desselben Universitätsklinikums unter Professor Roland Felix. Er wurde im Jahr 1989 promoviert.
Henkes verbrachte ab 1990 eineinhalb Jahre als Assistenzarzt am Institut für Neuroradiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg/Saar unter Professor Uwe Piepgras, wo er die Facharztprüfung in der Radiologie absolvierte. Ende 1991 folgte zunächst ein Wechsel als Assistenzarzt in die Klinik für Radiologie und Neuroradiologie im Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid in Essen unter Professor Dietmar Kühne, wo er 1993 die Teilgebietsanerkennung der Neuroradiologie erhielt. Henkes wurde 1995 zum Oberarzt und im Jahr 2000 zum Leitenden Oberarzt ernannt, und arbeitete parallel zwischen 2004 und 2006 als Ärztlicher Leiter in der Robert-Janker-Klinik in Bonn.
Im Januar 2007 wurde Henkes Ärztlicher Direktor der Neuroradiologischen Klinik im Klinikum Stuttgart. Er war Mitgründer und Gesellschafter der Dendron GmbH, phenox GmbH und femtos GmbH. Dendron wurde 2002 an MTI verkauft, phenox und femtos im Jahr 2022 an Wallaby Medical.
Henkes wurde 1999 an der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Michael Forsting habilitiert, an welcher er seit 2006 außerplanmäßiger Professor ist. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der interventionellen Neuroradiologie, insbesondere in der Behandlung von Schlaganfällen und Aneurysmen. Auch war er an Arbeiten zur diagnostischen Neuroradiologie beteiligt, etwa an frühen Arbeiten zur kernspintomographischen Untersuchungen von Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und der MRT-Charakterisierung von Meningeomen. Er ist bei 69 Patenten als Miterfinder genannt und ist Autor von mehr als 500 wissenschaftlichen Publikationen.

Henkes hat die Stent-Thrombektomie zur Behandlung von Schlaganfällen maßgeblich mitentwickelt und vorangetrieben. Der Solitaire-Stent wurde von Henkes und seinen Kollegen ursprünglich 2004 zur Behandlung von Aneurysmen entwickelt. Er führte mit diesem 2008 die erste Stent-Retriever-Thrombektomie, also die Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem verschlossenen Hirngefäß mit einem Stent-Retriever, durch.
Weil medikamentöse Behandlung einer Patientin mit einem durch ein verschlossenes Gefäß verursachten Schlaganfall nicht erfolgreich war und andere Möglichkeiten nicht zur Verfügung standen, wurde ein Katheter über die Leistenarterie in das verschlossene Hirngefäß vorgeschoben, wo sich der Stent-Retriever in das Gerinnsel entfaltete. Dieser Stent-Retriever wurde nach kurzer Zeit mit dem nun darin fixierten Gerinnsel entfernt und die Öffnung des Blutgefäßes durch Angiographie bestätigt.
Im Jahr 2015 zeigte eine randomisierte Studie, publiziert im New England Journal of Medicine, dass die Stent-Retriever Thrombektomie im Vergleich zur rein medikamentösen Behandlung (intravenöse Fibrinolyse) zu besseren klinischen Ergebnissen führte. Weitere Studien bestätigen dieses Ergebnis. Henkes erhielt 2017 den Award of Excellence and Innovation in Interventional Radiology der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe für diese Entwicklung; dabei schätze sie, dass mit Solitaire mehrere tausend Leben gerettet und zahlreiche langfristige Behinderungen durch Schlaganfälle verhindert werden konnten.
Henkes verbesserte zusammen mit Hermann Monstadt in den späten 1990er-Jahren eine Methode zur Behandlung von Aneurysmen. Dabei wurden ablösbare Platinspiralen mit einem Mikrokatheter von der Leiste aus unter Röntgendurchleuchtung in das zu behandelnde Aneurysma eingebracht, um dort eine Gerinnung des Blutes zu verursachen. Anstelle der etablierten Ablösung mit Gleichstrom entwickelten sie eine Laser-Ablösung durch eine Lichtleitfaser, welche die Ablösezeit stark verkürzte.
Neben dem Solitaire-Stent ist Henkes auch Miterfinder mehrerer anderer Implantate zur Aneurysmabehandlung, darunter pCONUS, p48/p64 und pEGASUS.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Henkes, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Neuroradiologe, Wissenschaftler und Erfinder |
| GEBURTSDATUM | 1959 |
| GEBURTSORT | Zweibrücken |