Hans Otto Gravert (* 28. Mai 1928 in Itzehoe; † 1. Januar 2015 in Kronshagen) war ein deutscher Tierzuchtwissenschaftler und Hochschullehrer.
Gravert wurde als Sohn eines Landwirts geboren, schloss an der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe mit dem Abitur ab und studierte nach der praktischen Landwirtschaftslehre 1948 bis 1951 an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Agrarwissenschaften. Seit dem Wintersemester 1949/50 war er Mitglied der Burschenschaft Teutonia Kiel. 1954 promovierte er hier bei Werner Kirsch zum Dr. agr. Es folgten Studienaufenthalte am Landwirtschaftskolleg in Uppsala bei Ivar Johansson und an der Iowa State University in Ames (Iowa, USA) bei Jay Lush zur Erweiterung der Kenntnisse über die Anwendung der Populationsgenetik in der Tierzucht. Danach unterzog sich Gravert noch der Ausbildung und dem Examen als Assessor für Tierzucht.
1956 wurde er Assistent – später Oberassistent – am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel (Joachim-Friedrich Langlet) und habilitierte sich hier 1962. Es folgten die Ernennungen 1963 zum Privatdozenten, 1967 zum Wissenschaftlichen Rat und zum Professor. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des Instituts für Milcherzeugung der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel (1968 als Leitender Direktor) mit der Versuchsstation in Schädtbek und hielt – ab 1982 als Honorarprofessor – bis zur Emeritierung 1993 Vorlesungen über Haustiergenetik an der Kieler Universität.
Gravert verstand es, die theoretischen Modelle der Populationsgenetik in praxisorientierte Verfahren der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung einzuarbeiten. Besonders befasste er sich mit der Errichtung und Nutzung von Prüfstationen für Rinder zur Erfassung und Bewertung der Mast- und Fleischleistung. Dabei bezog er auch indirekte wirtschaftlich wichtige Merkmale wie das Futteraufnahmevermögen von Kühen mit ein, untersuchte die Wirkung von Genotyp und Haltung auf die Qualität von Milchprodukten und forschte nach neuen Prüfparametern. Durch den Ausbau der Versuchsstation Schädtbek konnte er zahlreiche Kreuzungsversuche mit anderen Milchviehrassen bzw. -herkünften sowie genetische Studien an eineiigen Zwillingen durchführen. Dazu kamen noch Untersuchungen mit neuen Futtermitteln, Futterzusatzstoffen, gentechnologisch hergestellten Leistungsförderern und zur Wirtschaftlichkeit in der Rinderproduktion.
An den Novellierungen des Tierzuchtgesetzes von 1976 und 1989 war Gravert ebenso beteiligt wie bei der Harmonisierung des Tierzuchtrechtes innerhalb der Europäischen Gemeinschaft und der Entwicklung von Zuchtprogrammen. Als Gründer und Leiter der Arbeitsgruppe Interbull sicherte er auch die internationale Vergleichbarkeit der national ermittelten Zuchtwerte. Er verfasste 22 Buchbeiträge, über 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen, 290 gedruckte Vorträge und betreute 36 Doktorarbeiten. In zahlreichen nationalen und internationalen Gremien arbeitete er aktiv mit. So leitete er den Arbeitsausschuss der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde zur Erhaltung der genetischen Vielfalt bei landwirtschaftlichen Nutztieren und gab von 1995 bis 1999 Empfehlungen zur Förderung bedrohter Rassen bei Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen für 13 Bundesländer heraus. Von 1993 bis 2007 war er Vorsitzender der Wilhelm-Schaumann-Stiftung, förderte dabei den wissenschaftlichen Nachwuchs aus Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin besonders bei der Bearbeitung praxisbezogener Projekte und entwickelte die „Hülsenberger Gespräche“ zu einem interdisziplinären Forum auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Neben seiner beruflichen Tätigkeit betrieb Gravert noch bis ins hohe Alter aktiv Reitsport und leitete dabei viele Jahre zwei Vereine in Kiel.
Politisch engagierte sich Gravert in der CDU, für die er bei der Bundestagswahl 1969 erfolglos auf der schleswig-holsteinischen Landesliste kandidierte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gravert, Hans Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Tierzuchtwissenschaftler und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 28. Mai 1928 |
| GEBURTSORT | Itzehoe |
| STERBEDATUM | 1. Januar 2015 |
| STERBEORT | Kronshagen |