Hans Reuther

Hans Reuther (* 21. November 1920 in Berlin; † 11. März 1989 in Hann. Münden) war ein deutscher Architekturhistoriker, Bauforscher, Denkmalpfleger und Hochschullehrer. Von 1966 bis 1986 war er ordentlicher Professor für Baugeschichte an der Technischen Universität Berlin.

Leben und Wirken

Hans Reuthers Familie stammt väterlicherseits aus Mainfranken und besaß einen Natursteinbetrieb. Seine Mutter war Charlotte Reuther, geborene Fielitz, sein Vater der Kaufmann Franz Reuther. Hans Reuther war katholisch und Mitglied der katholischen Jugendbewegung, trat 1932 dem Bund Neudeutschland bei und blieb diesem zeitlebens treu. Er wuchs in Berlin auf und legte dort 1938 das Abitur ab.

Von 1939 bis 1944 studierte Reuther zunächst Architektur an der TH Berlin-Charlottenburg und wurde nach Abschluss des Studiums als Diplom-Ingenieur 1944 an die TH Graz als Assistent „zugewiesen“; vom Kriegsdienst blieb er befreit. Dann folgte ab 1945 ein Zweitstudium der Kunstgeschichte (bei Rudolf Krömstedt), Klassischen Archäologie und Musikwissenschaft an der Universität Erlangen, das er 1947 abschloss. Im selben Jahr wurde er mit einer baugeschichtlichen Dissertation über die Weizbergkirche Joseph Huebers in der Steiermark zum Dr. phil. promoviert. Anschließend wurde er 1948 ein zweites Mal promoviert, nun zum Dr.-Ing. im Fach Architektur an der TH Darmstadt mit einer ebenfalls baugeschichtlichen Dissertation über die von Balthasar Neumann geschaffene Wallfahrtskirche Maria Limbach.

Ab 1940 war Reuther Lektor und von 1949 bis 1957 Wissenschaftlicher Referent an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und bearbeitete dort Stichworte der Neuen Deutschen Biographie. In München wurde auch die monographische Bearbeitung Balthasar Neumanns zum Lebensziel.

Anschließend arbeitete er 1957 bis 1966 als Konservator in der Niedersächsischen Landesdenkmalpflege in Hannover, von wo aus er die Stadt und den Regierungsbezirk Hildesheim betreute. Zudem war ihm von Landeskonservator Oskar Karpa die Redaktion der Jahresberichte Niedersächsische Denkmalpflege übertragen. Während dieser Zeit widmete er sich zunehmend der Baugeschichtsforschung. Nebenbei habilitierte er sich 1961 an der TU Berlin mit einer Arbeit über Kirchenbauten Balthasar Neumanns und wurde im selben Jahr Privatdozent in Berlin. 1966 übernahm Hans Reuther den Lehrstuhl für Baugeschichte und Bauaufnahme an der Architekturfakultät der TU Berlin, den er bis zu seiner Emeritierung 1986 innehatte, und wurde Direktor des Instituts für Architektur und Stadtgeschichte.

Hans Reuther wohnte in Hannoversch Münden in Südniedersachsen, von wo aus er jede Woche mit dem Zug über die damalige Interzonenstrecke Braunschweig – Helmstedt – Marienborn – Magdeburg nach Berlin (West) fuhr. Nach dem plötzlichen Tode von Konrad Hecht 1980 übernahm er für mehrere Semester dessen Hauptvorlesung an der TU Braunschweig, wofür er jeweils am Ende der Woche seine Heimfahrt nach Hannoversch Münden in Braunschweig unterbrach.

Reuthers breit gefächerte Interessen spiegelten sich bereits in der Auswahl der Studienfächer und schlugen sich dann während mehr als vier Jahrzehnten in der Vielfalt seiner Publikationsthemen nieder. Dennoch bildeten die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte sowie die nordeuropäische Barockarchitektur einen Schwerpunkt seiner Forschungen. Sein besonderes und immer wieder aufgegriffenes Interesse galt der Architektur Balthasar Neumanns und barocken Gewölbesystemen. „Hans Reuther war ein umgemein fleißiger Sammler und Ordner, der umsichtig und zielstrebig eine staunenswerte Fülle von Literatur, Quellen, Materialien und Kenntnissen zusammentrug und wohlgeordnet auf dem aktuellen Stand zu halten wusste“ (Harmen Thies). Er verfasste auch Texte zu Kulturfilmen (über Einbeck und Bernwardtstüren in Hildesheim). Zu seinen Hobbys gehörte der Modelleisenbahnbau.

Hans Reuther war ab 1954 mit der Medizinerin Brigitte Reuther, geborene Schwob (1923–2018), verheiratet und hatte einen Sohn (Clemens).

Ämter und Mitgliedschaften

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Prof.Dr. phil.Dr.-Ing. Hans Reuther. In: Catalogus Professorum - TU Berlin (cp.tu-berlin.de). Technische Universität Berlin, abgerufen am 15. Februar 2026.
  2. 1 2 3 4 Friedrich Eymelt: Eine Würdigung: Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. Hans Reuther. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart, Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Bistum Hildesheim, Jg. 54 (1986), S. 7–8, hier S. 7.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Harmen Thies: Nachruf Hans Reuther (21.11.1920–11.3.1989). In: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Bd. 3, 1989, Heft 3. S. 87.
  4. 1 2 Julius Seiters, Thomas Scharf-Wrede: Geschichte. Verein für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim. Abgerufen am 1. Mai 2023.
  5. ↑ Niedersächsische Denkmalpflege, Bd. 3, 1957, S. 78, und Bd. 4, 1958/1958, S. 78. – Reuther setzte die Bearbeitungen der NDB über seine Münchner Zeit hinaus fort, als er schon in Hannover wirkte.
  6. ↑ Niedersächsische Denkmalpflege, Bd. 3, 1957, S. 6, und Bd. 4, 1958/1959, S. 14.
  7. ↑ Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. Hans Reuther. In: cp.tu-berlin.de (Catalogus Professorum TU Berlin). Technische Universität Berlin, abgerufen am 5. Februar 2024.
  8. ↑ Mitarbeiter, Hans Reuther. In: baugeschichte.a.tu-berlin.de (auf archive.org). Institut für Baugeschichte der TU Berlin, 7. März 2017, archiviert vom Original am 7. März 2017; abgerufen am 1. Mai 2023.
  9. 1 2 Traueranzeigen von Brigitte Reuther. In: trauer.hna.de. 13. August 2018, abgerufen am 15. Februar 2026.