Harald Muenz

Harald Muenz (* 20. September 1965 in Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg) ist ein deutsch-italienischer Medien- und Performancekünstler, Komponist und Sprachkünstler. In seinen Arbeiten verbindet er experimentelle Sprachkunst mit elektroakustischer Musik und digitalen Performanceformaten. Ausgangspunkt vieler Projekte sind von ihm selbst verfasste mehrsprachige Texte, deren semantische und klangliche Strukturen er in performativen und elektronischen Kontexten untersucht.

Leben und Werk

Harald Muenz studierte Komposition bei Helmut Lachenmann (1994–97), Johannes Fritsch, Klarenz Barlow, Krzysztof Meyer, Hans Ulrich Humpert (am Elektronischen Studio der Hochschule für Musik Köln) und Martin Christoph Redel, außerdem am Detmolder Tonmeisterinstitut und am Phonetikinstitut der Kölner Universität (Ästhetische Phonetik bei Georg Heike).

Neben Kammer-, Orchester- und Vokalmusik widmet er sich insbesondere Sprachkomposition, radiophoner Ars Acustica und Audiovisueller Kunst. Viele seiner Arbeiten basieren auf selbst verfassten mehrsprachigen Texten, die sowohl semantisch als auch phonetisch strukturiert sind und in performativen und elektronischen Kontexten weiterentwickelt werden.

Muenz ist Träger des Förderpreises Musik NRW (1997) und des Forschungspreises NRW (2001), bekam das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln und wurde unter anderem zu Arbeitsaufenthalten in die Villa Aurora/Los Angeles (2000), auf den Künstlerhof Schreyahn (2021) und von der Kunststiftung NRW in die Künstlerresidenz Atelier Galata (2023) nach İstanbul eingeladen. Er erhielt Preise, Stipendien, Aufträge und Radiosendungen (fast alle ARD-Sender, BBC, RAI, Donaueschinger Musiktage u. v. a.) in Deutschland, zahlreichen europäischen Ländern, Südkorea und den USA.

Zusammen mit Sigrid und Georg Sachse bildet er das Trio sprechbohrer, das Sprechkunst aus musikalischer Perspektive aufführt (Bestenliste 3/11 des Preis der deutschen Schallplattenkritik für die erste Gesamteinspielung von Hans G Helms’ experimenteller Sprachkomposition Fa:m' Ahniesgwow für den Hessischen Rundfunk/WERGO). Gemeinsam mit Lettrétage Berlin realisierten die sprechbohrer das europäische Musik-Literatur-Projekt The Poets’ Sounds, das u. a. gefördert von Kulturstiftung des Bundes und Kunststiftung NRW mit sechs internationalen Dichterinnen und Dichtern durch Europa tourte.

Eine Porträt-CD seiner Kammermusik mit dem ensemble mosaik berlin kam bei Coviello heraus; Partituren erschienen im Feedback Studio Verlag Köln. Heft 103 der Fachzeitschrift MusikTexte (11/2004) legte den Fokus auf seine künstlerische Arbeit. Beim Pfau-Verlag gab er eine Buchpublikation zu Franco Evangelisti heraus sowie zusammen mit Florian Neuner einen Band über Autorenmusik.

Zu einer grundlegenden Neuorientierung seiner künstlerischen Arbeit führte die COVID-19-Pandemie, gegen deren Ende er im Mai 2022 an einem Performance-Workshop des Marina Abramović Instituts (MAI) teilnahm. In der Folge entstanden zahlreiche nicht-narrative audiovisuelle und performative Arbeiten, die als Medium hauptsächlich verschiedene mobile Digitaltechnologien einsetzen.

2023 nahm Muenz zusätzlich zur deutschen die italienische Staatsbürgerschaft an.

Kunst im Metaversum

Mit seinem Avatar Cuirec d'Erc hat Muenz mehrere interaktive Klanginstallationen in der virtuellen Welt Second Life realisiert. Seit 2017 ist er außerdem Mitglied des Avatar Orchestra Metaverse (AOM).

Muenz' einstündige radiophone Komposition „… meanwhile in another life …“ beschäftigt sich mit Klangerfahrungen im Metaversum (hr2-kultur 2019). Die Neue Zeitschrift für Musik bringt 2023 seinen Aufsatz über Second Life als Raum für experimentelle Musik und Klangkunst.

Hochschullehre

Muenz unterrichtete 2001–2005 Ästhetische Phonetik am Institut für Linguistik/Phonetik der Universität zu Köln und war 2006–2011 künstlerischer Leiter des Elektronischen Studios der Musikhochschule Lübeck. 2005–2016 pendelte der interdisziplinäre Künstler zwischen Köln und London, wo er Komposition an der School of Arts der Brunel University London unterrichtete. An derselben Hochschule schloss er auch seine Promotion bei John Croft ab.

2016 entschied sich Muenz sehr bewusst, seine akademische Laufbahn ganz aufzugeben, um sich wieder auf seine transdisziplinäre Arbeit als freischaffender Künstler konzentrieren zu können.

Seit 2017 unterrichtete er noch vereinzelte Seminare an der Internationalen Ensemble Modern Akademie Frankfurt/M. (IEMA) und wurde als Gast ans Institut für Musik und Medien der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf eingeladen.

Preise

Kompositionen (Auswahl bis 2014)

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Künstlerprofil auf der Website von Schloss Wiepersdorf https://www.schloss-wiepersdorf.de/de/stipendiaten-details/fellow/harald-muenz.html.
  2. ↑ Künstlerprofil auf der Website von Schloss Wiepersdorf https://www.schloss-wiepersdorf.de/de/stipendiaten-details/fellow/harald-muenz.html.
  3. 1 2 Harald Muenz | Komponist, auf vatmh.org, abgerufen am 18. Juli 2023
  4. ↑ Aus: Programmheft zu chiffren. kieler tage für neue musik, Februar 2008, S. 48
  5. ↑ The Poets’ Sounds - Stimmen zwischen Sprechen und Schwingen, auf wdr.de, abgerufen am 18. Juli 2023
  6. ↑ About Us, auf brunel.ac.uk
  7. ↑ Nachträglich Gerhard Rühm zum (90+1). Geburtstag (PDF; 0,3 MB) S. 3–4, auf collmus.uni-koeln.de, abgerufen am 18. Juni 2023
  8. ↑ Harald Muenz. In: kulturserver-nrw.de. Stiftung kulturserver.de gGmbH, abgerufen am 13. Januar 2026.
Personendaten
NAME Muenz, Harald
KURZBESCHREIBUNG deutscher Komponist
GEBURTSDATUM 20. September 1965
GEBURTSORT Schwäbisch Hall