Harald Seubert (* 12. Mai 1967 in Nürnberg) ist ein deutscher Philosoph, evangelischer Theologe und emeritierter Hochschullehrer.

Harald Seubert studierte Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften und evangelische Theologie in Erlangen, München, Würzburg, Frankfurt am Main, Tübingen und Wien. Von 1992 bis 1999 war er Lehrbeauftragter für Religionsphilosophie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. In den Jahren 1993 bis 1999 war er an derselben Universität zugleich Lehrbeauftragter für Neuere Literaturwissenschaften. Im März 1998 erfolgte dort die Promotion mit einer Dissertation über Martin Heidegger. 1998 wurde Seubert Lehrbeauftragter für Philosophie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, von 1999 bis 2004 wissenschaftlicher Assistent bei Manfred Riedel. Im Sommer 2002 wurde seine Habilitationsschrift Polis und Nomos. Untersuchungen zu Platons Rechtslehre angenommen. Von 2003 bis 2009 lehrte er als Privatdozent an der Universität Halle-Wittenberg. Seit 2009 war er nach Umhabilitation Privatdozent für Philosophie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg bis zum 1. April 2013.
Neben seinen Privatdozenturen war Seubert zwischen 2005 und 2012 in verschiedenen Zeitabschnitten an der polnischen Adam-Mickiewicz-Universität Posen (UAM) tätig. Im Sommersemester 2005 nahm er dort über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eine Kurzzeitdozentur wahr. Vom 1. Oktober 2006 bis 30. Juni 2010 war er an der UAM vertraglich als „Extraordinarius“ (poln.: „profesor nadzwyczajny“) bedienstet. Dabei war er dem Fremdsprachenkolleg (Kolegium Języków Obcych UAM) zugeordnet und lehrte Philosophie und Geistesgeschichte. Daran schloss sich vom 2. August 2010 bis 31. August 2012 eine Beschäftigung als Gastprofessor (poln.: profesor wizytujacy) in der deutschen Sektion des Fremdsprachenkollegs (Kolegium Języków Obcych) der UAM an. Dort lehrte er Methoden der Literaturwissenschaft, Literatur- und Kulturgeschichte.
Zwischenzeitlich war er von 2006 bis 2010 Lehrbeauftragter für Philosophie, insbesondere Religionsphilosophie, an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2010 ist er Mitglied des Lehrkörpers der Hochschule für Politik München und dort Lehrbeauftragter. Von 2010 bis 2013 war er zusätzlich als Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig und dort dem Guardini-Lehrstuhl zugeordnet.
Die umfangreiche Privatbibliothek Günter Rohrmosers, die er nach dessen Tod 2008 geerbt hatte, übergab er der Bibliothek des Konservatismus.
Von 2010 bis 2014 war Seubert als Nachfolger von Wolfgang Stribrny Präsident des Vereins Preußeninstitut e. V. Zollernkreis. Sein Nachfolger ist der bisherige Vorsitzende Rolf Sauerzapf. 2011 wurde Seubert Präsident des Studienzentrums Weikersheim. Dieses Amt legte er 2016 im inhaltlichen Dissens mit sofortiger Wirkung nieder. In der Folge veröffentlichte Seubert das Buch Der Frühling des Missvergnügens (2018), in dem er die Neue Rechte analysiert und sich deutlich von den Zielsetzungen und Protagonisten der Bewegung distanziert.
Von September 2012 bis zu seiner Emeritierung im Mai 2026 war Seubert Ordentlicher Professor für Philosophie und Religionswissenschaft und Fachbereichsleiter für Philosophie, Missions- und Religionswissenschaften an der als universitäre Institution staatlich anerkannten Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel.
Seit Juni 2016 war Seubert Vorsitzender des Vorstands der Martin-Heidegger-Gesellschaft. Mit der Berufung eines renommiert besetzten internationalen Beirats gelang es ihm, das Umfeld der Heidegger-Forschung zu erweitern. Bei den von ihm veranstalteten Tagungen, Initiativen und Kongressbänden in der Gesellschaft ging es Seubert in enger Kooperation mit Manuela Massa einerseits um die Förderung des internationalen Nachwuchses der Heidegger-Forschung, andrerseits darum, diese in das Gesamtfeld der Phänomenologie einzuführen. Sein Nachfolger wurde Holger Zaborowski.
Zudem ist Seubert gemeinsam mit Harald Haarmann und der Künstlerin LABGC Mitglied der Akademie „Los altros“ und neben R. Knodt, F. Boubia und Tanja Kinkel der Ostwest-Akademie, Nürnberg, Berlin.
Von September 2017 bis Januar 2023 lehrte er als apl. Professor für Philosophiegeschichte an der Freien Theologischen Hochschule Gießen.
Er ist u. a. Vertrauensdozent der Hanns Seidel-Stiftung und Mitglied der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte des politischen Denkens. Neben der akademischen Tätigkeit hält Seubert auch zahlreiche Vorträge im öffentlichen Raum.
Seuberts historische Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind die antike Philosophie (vor allem Platon), die spekulative Metaphysik und Mystik des Mittelalters (Meister Eckhart und Nikolaus von Kues), der deutsche Idealismus (Kant, Hegel, Schelling, Fichte) und die Philosophie der Moderne seit Nietzsche, Husserl und Heidegger. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt liegt u. a. auf Fragen der Interkulturellen Philosophie. Von grundlegender Bedeutung ist hierzu seine Weltphilosophie. Weltphilosophie. Ein Entwurf ist gleichzeitig der Auftaktband der von Seubert herausgegebenen Reihe Philosophie der Interkulturalität. Den Verbindungen von Glaube und Vernunft, Weltreligionen und Kulturen geht er in seiner religionsphilosophischen Monographie Zwischen Religion und Vernunft im Einzelnen nach.
Seine philosophische Programmatik legt er in dem Buch Philosophie. Was sie ist und sein kann dar: Seubert verbindet dabei Systematik und Ideengeschichte eng, die einander wechselseitig beleuchten sollen. Innovation sei nur möglich, wenn Philosophie auch komplexe Denkformen, die vertreten wurden, kennt, prüft und weiter tradiert. Seubert votiert dafür, die Philosophie nicht nur im Verhältnis zur Wissenschaft, sondern auch zu Religion, Literatur und Kunst zu thematisieren. In seinem eigenen Werk verfolgte er dieses Anliegen bislang für die Ästhetik und die Politische Philosophie.
Seine politische Philosophie ist in dem 73-stündigen Audio-Buch Politische Philosophie. Von der Antike bis zur Gegenwart dokumentiert, die mehrsemestrige Vorlesungen an der Hochschule für Politik in München dokumentieren.
In seiner Ästhetik – Die Frage nach dem Schönen verbindet Seubert Querschnitte durch Kunstphilosophie und Metaphysik des Schönen von Platon bis in die Post- und Hypermoderne mit phänomenologischen Einkreisungen von Kunstphänomenen. Dabei geht es ihm darum, Literatur, bildende Kunst und Musik in vergleichende synoptische Perspektiven zu bringen.
In der Buchfassung seiner Politischen Philosophie Gesicherte Freiheiten (2015) spielt die Balancierung zwischen Freiheit und Sicherheit eine zentrale Rolle. Politische Philosophie führt, wie Seubert im Anschluss an Leo Strauss betont, auf das sokratische Grundproblem des Lebens und Überlebens philosophisch freien Denkens im politischen Raum. Normativität und Deskriptivität sollen sich dabei verbinden. Die alteuropäischen politischen Philosophien sind nach wie vor prägend, müssen aber in Strukturanalysen und Ideologiekritiken weitergeschrieben werden. Die globale Welt zeigt Seubert zufolge erstmals in concreto eine geeinte Menschheit, auf die Kant und Husserl bereits zielten. Diesem Blick trägt er auch in seiner Weltphilosophie. Ein Entwurf (2016) Rechnung.
Den Veränderungen des Digitalen Zeitalters widmete sich seine Monographie Die Revolution von Polis und Seele (2019). Die digitale Welt fordert Erweiterungen im ethischen Habitus und in Denk-Fähigkeiten. Der Mensch müsse nicht imitieren, was die Maschine besser kann. Doch durch sein verknüpfendes, kritisches, mehrpoliges Denken, seine Korrespondenzfähigkeit könne er auf neue Weise zum homo humanus werden. Dies werde in Politik, Technologie und Bildung übersehen. Rückgriffe auf mehrwertige Logik, etwa auf Gotthard Günther, spielen dabei eine besondere Rolle.
Die umfangreichen Monographien zu Platon (2017) und Heidegger (2019) legte er in Neubelichtung und Vertiefung der Sujets seiner Promotions- und Habilitationsschrift vor. Er sieht bei beiden Denkern epochale Weichenstellungen.
Die Korrespondenz zu Kunst, Design, Psychologie ist für Seubert seit fast drei Jahrzehnten wesentlich und in gemeinsamen Seminaren dokumentiert.
Die enge Kooperation mit der Schriftstellerin, Philosophin und Regisseurin Kristina Schippling zielt seit 2021 darauf ab, das Denken wieder auf den Marktplatz und zu den existentiellen Fragen zu bringen.
Seit 2022 führt er nach dem Tod seines Vaters Helmut (1935–2021) den Verlag unter dem Titel edition exaiphnes im Helmut Seubert Verlag weiter. Erschienen sind bis jetzt u. a. Bücher von Harald Haarmann, Rolf Gröschner, Herwig Birg. Der Verlag hat eine wissenschaftliche und eine literarische Reihe.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seubert, Harald |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher, evangelischer Theologe, Philosoph und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 12. Mai 1967 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |