Harald Friedl (* 2. August 1958 in Steyr, Oberösterreich) ist ein österreichischer Filmemacher, Musiker und Schriftsteller.
Harald Friedl besuchte in seiner Geburtsstadt Steyr das Gymnasium und studierte dann Germanistik und Anglistik an der Universität Salzburg. Nach dem Zivildienst bei der Lebenshilfe in Walz war er zunächst an der Universität Salzburg und anschließend, in den Jahren 1985 und 1986, am German Departement der University of Hull, England, als Lektor tätig. Von 1987 bis 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am von Herwig Pöschl gegründeten Institut für Alltagskultur in Salzburg (IAK, bis 1996), wo er erstmals mit dem Filmemachen in Berührung kam. Von 1991 bis 1993 leitete er das neu gegründete Salzburger Literaturhaus.
Seit 1994 arbeitet Friedl als freiberuflicher Filmemacher, Schriftsteller und Musiker, wobei der Schwerpunkt seines Schaffens auf Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen liegt, bei denen er als Drehbuchautor, Regisseur und fallweise auch Produzent fungiert.
Als Schriftsteller verfasst Friedl vor allem Erzählungen, die im Rahmen von Anthologien und Literatursendungen im ORF-Radiosender Ö1 publiziert werden. Zudem schrieb er Libretti für das Weihnachtsprogramm Engel sind wir selber des Spring String Quartetts und die erste deutschsprachige Jazzoper Hochgeschätztes Tiefparterre von Gerald Schuller. Weiters komponiert und textet er seit Mitte der 1990er Jahre Lieder für die Indie-Band BLAUmaROT, mit der er auch als Sänger auftritt. Schon seit 1980 ist er auch Sänger und Gitarrist der – allerdings nicht mehr oft performenden – Salzburger Rockband Scheiblingseder.
Ab 2001 war Friedl häufig Gastlektor an der German Summer School der University of New Mexico und anderen US-amerikanischen Universitäten, 2003 als Max-Kade-Artist in Residence an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. 2011 wirkte er als Gastlektor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Zwischen 2012 und 2014 war er Gastprofessor an der California State University in Long Beach.
Aus der Zeit (2006) beleuchtet die verschwindenden Geschäftskulturen alter Wiener Läden und stellt das Schicksal der Betreiberinnen und Betreiber in den Mittelpunkt. So schaut’s aus (2008) ist ein filmisches Porträt von Willi Resetarits, das den Musiker als sensiblen, politisch engagierten Menschen zeigt, der sich auch mit den problematischen Seiten seiner intensiven Lebensart offen auseinandersetzt. Im Roadmovie What Happiness Is (2012) begleitet die Kamera die Beschäftigten des Amtes für Bruttonationalglück (Gross National Happiness) durch Bhutan, während sie anhand eines umfangreichen Fragebogens Probleme und Wohlbefinden im Land ermitteln. In Brot (2020) werden die unterschiedlichen Backkulturen von Industriebetrieben und engagierten Handwerksbäckern gezeigt. Der Film stellt auch Verbindungen zu ökologischer Landwirtschaft einerseits und den Auswirkungen von Cocktaileffekten von Umweltgiften auf den Menschen her. Das Doku-Porträt 24 Stunden zeigt ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Scheinselbständigkeiten in der Pflege vor dem Hintergrund von Würde und Arbeitsmigration. Wahlkampf (2026) beleuchtet mit den Methoden des Direct Cinema den Wahlkampf des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Andreas Babler und eines Teams an Unterstützern im Vorfeld der österreichischen Nationalratswahl 2024.
Harald Friedl war von 2000 bis 2010 Vorstandsmitglied des niederösterreichischen Literaturkreis Podium und von 2015 bis 2022 Obmann von dok.at – Interessengemeinschaft österreichischer Dokumentarfilm. Er lebt in Wien und Mitterretzbach/Niederösterreich.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Friedl, Harald |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Filmemacher, Musiker und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 2. August 1958 |
| GEBURTSORT | Steyr, Oberösterreich |