Harald Volkmann

Harald Volkmann (* 25. September 1905 in Baldenburg, Kreis Schlochau; † 1997) war ein deutscher Physiker und kurzzeitig Hochschullehrer.

Leben

Harald Volkmann wurde im westpreußischen Baldenburg zur Zeit des Deutschen Reiches geboren. Er studierte Physik, Mathematik, Chemie und Mineralogie an der Georg-August-Universität Göttingen, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schließlich der Albertus-Universität Königsberg, wo er 1930 bei Richard Gans mit der Dissertation Experimentelle Untersuchungen über die natürliche optische Aktivität von Flüssigkeiten promoviert wurde. Seit seinem Studium gehörte er der Burschenschaft Brunsviga Göttingen an. Er war Stipendiat der „Deutschen Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung“, heute Deutsche Forschungsgemeinschaft. Politisch engagierte Volkmann sich für den Nationalsozialismus und war Mitglied der SA.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wechselte Volkmann im November 1933 von der SA zur SS. An der Albertus-Universität Königsberg wurde Volkmann 1936 Dozent für experimentelle Physik und Wehrphysik und habilitierte 1937. Am 1. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde höchstwahrscheinlich rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.924.052). Im darauffolgenden Jahr wurde Volkmann Dozent an der Technischen Hochschule Karlsruhe und Assistent von Alfons Bühl. Freddy Litten zufolge war Volkmann wie Bühl ein Anhänger der sogenannten „Deutschen Physik“. Er begleitete Bühl im November 1940 zu der Zusammenkunft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo der Physiker-Streit zwischen Anhängern der „Deutschen Physik“ und Vertretern der modernen Physik ausgetragen wurde und letztere sich durchsetzten, wobei jedoch Wilhelm Müller und Bruno Thüring sich dem Konsens verweigerten.

Im Jahre 1943 wurde er an der Technischen Hochschule Karlsruhe außerplanmäßiger Professor und vertrat insbesondere die Technische Physik und die Technische Optik. Gegen Kriegsende beschäftigte Volkmann sich u. a. mit der Hochfrequenzforschung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Volkmann aus dem Hochschuldienst entlassen. Er arbeitete dann erst bei Zeiss in Heidenheim an der Brenz und ab 1948 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Zeiss-Werken in Oberkochen, wo er am Aufbau der Zentralen Prüfabteilung und der Abteilung für Mikroskopie beteiligt war und ab 1954 zusammen mit Hans Mahl die Elektronenoptische Abteilung leitete. Schon 1952 hatte Volkmann zusammen mit Karl-Heinz Steigerwald und Hans Mahl die Firma Zeiss beim Tübinger Treffen der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie vertreten.

Bereits 1961 wurde Volkmann bei Zeiss mit dem Bau eines Rubinlasers beauftragt, wofür er Unterstützung von Horst Rothe in Anspruch nahm.

Im Jahre 1965 war Volkmann Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Optik.

Publikationen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966.
  2. 1 2 Lothar Mertens: „Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2, S. 15.
  3. ↑ Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 516.
  4. ↑ Friedrich Vohl (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle 1991. Nach dem Stand vom 1. Januar 1991, S. 114.
  5. ↑ Paul Hoser, Reinhard Baumann (Hrsg.): Kriegsende und Neubeginn: Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum. UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-89669-731-5, S. 263.
  6. ↑ Lothar Mertens: „Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2, S. 207.
  7. ↑ Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1950. Dr. Friedrich Bertkau, Dr. Gerhard Oestreich, 7. Ausgabe. S. 2173.
  8. ↑ Kalender der reichsdeutschen Universitäten und Hochschulen 1936/1937. Verlag J. A. Barth, Leipzig. S. 120.
  9. ↑ Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/24341379
  10. ↑ Hrsg. Paul Hoser, Reinhard Baumann: Kriegsende und Neubeginn. Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum. Forum Suevicum. Bd. 5. UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-89669-731-5. S. 267.
  11. ↑ Freddy Litten: Mechanik und Antisemitismus: Wilhelm Müller (1880–1968). Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, 2000, ISBN 3-89241-035-6. S. 151.
  12. ↑ Michael Eckert: Arnold Sommerfeld – Atomphysiker und Kulturbote 1868–1951. Eine Biografie. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2013. S. 378.
  13. ↑ Klaus Schlüpmann: Vergangenheit im Blickfeld eines Physikers - Hans Kopfermann 1895-1963, 2002.
  14. ↑ Alan Beyerchen: Scientists Under Hitler: Politics and the Physics Community in the Third Reich, Yale, 1977, ISBN 0-300-01830-4.
  15. ↑ Die technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe, 1950. S. 123.
  16. ↑ Bild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966.
  17. ↑ Volkmann, Harald. In: gepris-historisch.dfg.de. Abgerufen am 19. Dezember 2024.
  18. ↑ Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1950
  19. ↑ Bild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966.
  20. ↑ Hans R. Gelderblom, Heinz Schwarz in The Beginnings of Electron Microsopy. Teil 2, 2022. Hrsg. v. Peter W. Hawkes, Martin Hÿtch. ISBN 978-0-323-98919-0. S. 342.
  21. ↑ Ernst Peter Fischer: Laser: eine deutsche Erfolgsgeschichte 2010. S. 122.
  22. ↑ Chemiker-Zeitung/Chemische Apparatur, Bd. 89, 1965.
Personendaten
NAME Volkmann, Harald
KURZBESCHREIBUNG deutscher Physiker und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 25. September 1905
GEBURTSORT Baldenburg, Kreis Schlochau
STERBEDATUM 1997