Unter Hartgas versteht man in der elektrischen Energietechnik Materialien, die zur Löschung von Schaltlichtbögen in elektrischen Anlagen, speziell in elektrischen Leistungsschaltern eingesetzt werden.
Wird ein Lichtbogen in einem Leistungsschalter in enge Berührung mit dem als Hartgas verwendeten Isolierstoffes gebracht, wird dieser durch die hohen Temperaturen (Pyrolyse und Photodegeneration) an der Oberfläche in flüchtige Bestandteile zersetzt. Als Materialien sind organische Verbindungen wie Harnstoff, Plexiglas oder andere Polymere, beispielsweise PP, PA66 und PTFE geeignet, die sich rußfrei zersetzen und keine Kriechströme verursachen. Zum Zwecke des Brandschutzes wird dem Material roter Phosphor zugesetzt.
Der Schaltlichtbogen besteht aus einem stark erhitzten und ionisierten Gas (Plasma). Bei dessen Abkühlung kommt es zur Rekombination der Ladungsträger und damit zu einer Abnahme der elektrischen Leitfähigkeit. Besonders im Bereich der Ionisationstemperatur nimmt die elektrische Leitfähigkeit bei weiterer Abkühlung stark ab. Die Änderung der im Plasma gespeicherten Wärmeenergie ergibt sich aus der Leistungsbilanz des Lichtbogens:
Dabei bezeichnet die elektrisch zugeführte Wärmeleistung, während für die abgeführte Leistung durch Wärmestrahlung, für Wärmeleitung (Konduktion) und für Konvektion (Wärmeströmung) stehen. Die durch den lokalen Überdruck des Hartgases erzeugte Löschmittelströmung bewirkt dabei eine konvektive Kühlung des Lichtbogens.
Zusätzlich gelangen Zersetzungsprodukte des Hartgases in das Lichtbogenplasma und verändern dessen Zusammensetzung und Eigenschaften. Dieser als Hartgaseffekt bezeichnete Vorgang beeinflusst ebenfalls die Kühlung und die elektrische Leitfähigkeit des Lichtbogens. Der Lichtbogen brennt dabei in einer durch die Zersetzungsprodukte stark mit Wasserstoff angereicherten Umgebung zwischen Hartgasplatten oder einer Hartgasdüse ab. Der Isolator wird durch den Abbrand gering verbraucht, abgenutzte Düsen müssen gegebenenfalls ersetzt werden, da der Durchmesser des Düsenhalses einen Einfluss auf den Hartgaseffekt hat. Engere Düsen führen zu einer schnelleren Funkenlöschung.

Hartgas-Leistungsschalter wurden in den 1930er Jahren als Alternative zu Wasser- und Ölschaltern entwickelt, um einfache, flüssigkeitslose Schaltgeräte zur Verfügung zu haben. Die Schalter wurden auch als „kompressorlose Druckgasschalter“ bezeichnet, da das Gas zur Lichtbogenlöschung durch den Schalter selbst erzeugt wird. Hartgasschalter werden auch heute noch vor allem als Lasttrennschalter in Mittelspannungsschaltanlagen eingesetzt. So arbeiten beispielsweise die Löschkammern Innenraum-Lasttrennschalter der Baureihen LETM der Fritz Driescher KG oder L-TRI 5 von Schneider Electric nach dem Hartgas-Prinzip.