Hartmut Bitomsky

 Bitomsky rauchend vor der Tür des Werkstattkinos
Hartmut Bitomsky (2024)

Hartmut Bitomsky (* 10. Mai 1942 in Bremen; † 24. September 2025 in München) war ein deutscher Filmemacher und Filmproduzent. Er war von 2006 bis 2009 der Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).

Biografie

Bitomsky studierte ab 1962 an der Freien Universität Berlin Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik. Im Gründungsjahr 1966 wechselte er an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Er war einer der achtzehn 1968 relegierten Studenten der dffb. Ab 1993 war er Dekan und Dozent am Film & Video Department des California Institute of the Arts. Als Nachfolger Reinhard Hauffs war er von Januar 2006 bis Juli 2009 der Direktor der dffb. Er schied aus gesundheitlichen Gründen aus.

Das filmische Schaffen von Hartmut Bitomsky, das insgesamt mehr als 40 Filme umfasst, besteht u. a. aus den folgenden Werken:

Nach einigen kleineren Arbeiten in den 1960ern erreichten zwei gemeinsam mit Harun Farocki gedrehte Filme, die Begriffe der politischen Ökonomie von Karl Marx lehrhaft darstellten, erste größere Resonanz. Nach ihren Uraufführungen bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen 1970 bzw. im Internationalen Forum des Jungen Films in Berlin 1971 wurden Die Teilung aller Tage und Eine Sache, die sich versteht (15x) auch auf einigen weiteren kleineren Filmfestivals gezeigt und in Zeitschriften besprochen.

Der 1975 für das Kino gedrehte Spielfilm Auf Biegen oder Brechen, mit Jo Bolling und Lisa Kreuzer in den Hauptrollen, erfüllte die Hoffnungen, ein größeres Publikum zu erreichen, nicht.

Als verlässlichster Partner für Bitomskys Projekte erwies sich über die Jahre immer wieder die Filmredaktion des Westdeutschen Rundfunks. So entstand u. a. die sogenannte Deutschland-Trilogie, bestehend aus den Filmen Deutschlandbilder (1983), Reichsautobahn (1986) und Der VW-Komplex (1989), in Koproduktion mit dem WDR, wobei verantwortlicher Redakteur jeweils Werner Dütsch war. Diese Filme begründeten maßgeblich Bitomskys Ruf als auch international namhafter und bedeutender Dokumentarfilm-Regisseur und wurden von der Deutschen Kinemathek neben weiteren Arbeiten digital restauriert, so „Highway 40 West – Reise in Amerika“ (1981, über den U.S. Highway 40 von Atlantic City nach Westen) und „B-52“, ein Dokumentarfilm (1997–2000) über den u. a. durch den Einsatz im Vietnamkrieg bekannten achtstrahligen Langstreckenbomber der US-Luftwaffe Boeing B-52. Der Film lief im „Forum“-Programm der Berlinale 2001.

Zahlreiche Fernsehbeiträge Bitomskys waren einzelnen Filmen gewidmet – so 1981 ein Beitrag über Jean-Luc Godards Sauve qui peut (la vie), andere einzelnen Regisseuren – z. B. 1976 eine Sendung über das Kino von John Ford: Der Schauplatz des Krieges. Einzelnen Motiven der Filmgeschichte ging eine weitere Trilogie nach: Das Kino und der Tod (1988), Das Kino und der Wind und die Photographie sowie Kino Flächen Bunker (beide 1991).

1987 erhielt Bitomsky den Adolf-Grimme-Preis mit Gold für seinen Film Reichsautobahn (1984–1986) mit Originalmaterial zum Bau der Reichsautobahnen. Für den Fernsehfilm Das Kino und der Tod erhielt er 1989 den Sonderpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis.

Staub (2007) hatte seine Premiere in der Sektion „Orizzonti“ der Filmfestspiele von Venedig 2007.

Neben der eigenen Regiearbeit wirkte Bitomsky in einigen Filmen befreundeter Regisseure auch als Darsteller mit, so u. a. in System ohne Schatten von Rudolf Thome.

Bitomskys letztes Werk ist die 2010 im Neuen Berliner Kunstverein präsentierte Installation Shakkei – Geborgte Landschaft, für die er Material der Dreharbeiten zu den Filmen B-52 und Staub verwertete. Das Material dieser Installation wiederum montierte er unter demselben Titel zu einem fast dreistündigen Essayfilm, dessen Uraufführung 2017 im Rahmen der Viennale stattfand.

Das filmische und schriftliche Archiv Hartmut Bitomskys wird in der Deutschen Kinemathek bewahrt.

Bitomsky starb im Alter von 83 Jahren.

Filmografie (Auswahl)

Schriften

Bücher

Bitomsky war von 1974 bis 1984 Redakteur und zeitweise Mitherausgeber der Zeitschrift Filmkritik.

Aufsätze (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Wenn nicht separat nachgewiesen, folgen die biografischen Angaben der „Kurzbiografie“ in Frederik Langs Monografie Hartmut Bitomsky – Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern, S. 298–299.
  2. 1 2 Frederik Lang: Porträt Hartmut Bitomsky auf der Website von dffb-archiv.de (abgerufen am 26. Oktober 2021).
  3. ↑ Hartmut Bitomsky gibt dffb-Leitung vorzeitig auf, in: Der Tagesspiegel vom 20. Juni 2009, online verfügbar auf der Website von tagesspiegel.de (abgerufen am 26. Oktober 2021).
  4. ↑ https://www.filmportal.de/video/highway-40-west-19801981
  5. ↑ https://www.filmportal.de/film/reichsautobahn_077e3020db7f4b87af66a870457c26c2
  6. ↑ Staub bei der „Dschoint Ventschr Filmproduktion“ (Memento vom 2. März 2008 im Internet Archive)
  7. ↑ Information zur Installation auf der Website von nbk.org (abgerufen am 26. Oktober 2021).
  8. ↑ Information zum Film auf der Website von viennale.at (abgerufen am 26. Oktober 2021).
  9. ↑ Der Film-Essayist Hartmut Bitomsky ist tot. In: deutschlandfunkkultur.de. 26. September 2025, abgerufen am 26. September 2025.
Personendaten
NAME Bitomsky, Hartmut
KURZBESCHREIBUNG deutscher Filmemacher und Filmproduzent
GEBURTSDATUM 10. Mai 1942
GEBURTSORT Bremen
STERBEDATUM 24. September 2025
STERBEORT München