Hartmut Herrmann

Hartmut Herrmann am TROPOS, Leipzig

Hartmut Herrmann (* 24. Dezember 1961 in Stolzenau, Niedersachsen) ist ein deutscher Chemiker und Hochschullehrer.

Er ist seit 1998 Professor für Atmosphärenchemie an der Universität Leipzig und Leiter der Abteilung Chemie der Atmosphäre (ACD) am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig. Daneben ist er seit 2015 Professor in Environmental Science and Engineering an der Fudan-Universität, Shanghai, China, sowie seit 2018 „Distinguished Visiting Professor“ an der School of Environmental Science and Engineering an der Shandong-Universität, Shandong, China.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Herrmann stammt aus dem ländlichen Stolzenau und besuchte von 1972 bis 1981 die Albert-Schweitzer-Schule in Nienburg, ein neusprachlich-naturwissenschaftliches Gymnasium.

Nach seinem Grundwehrdienst nahm Herrmann zum Wintersemester 1982 ein Studium der Chemie an der Georg-August-Universität Göttingen auf und schloss dieses 1987 mit dem Diplom am Institut für Physikalische Chemie ab. Der Titel seiner Abschlussarbeit war „Blitzlichtphotolyse Konduktometrie-Untersuchungen und Simulationsrechnungen zur Photolyse des Nitrat-Ions“ und wurde von Reinhard Zellner betreut.

Im Anschluss promovierte Herrmann von 1987 bis 1990 zum Thema „Zeitaufgelöste Laser-Photolyse und Stopped-Flow-Untersuchungen atmosphärisch-chemischer Oxidantien in wässriger Phase“.

Berufliche Laufbahn

Nach seiner Promotion war Herrmann von 1990 bis 1992 zunächst wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie der Universität Hannover und dann am Institut für Physik und Theoretische Chemie der Universität Essen. Im Anschluss war Herrmann am gleichen Institut als wissenschaftlicher Assistent weiter an der Universität Essen tätig und schloss 1998 seine Habilitation im Fachbereich Chemie zum Thema „Photochemische Bildung, Spektroskopie und Kinetik freier Radikale in wässriger Lösung“ ab. Während der Zeit in Essen verbrachte er mehrere Forschungsaufenthalte am California Institute of Technology, mit Michael R. Hoffmann. Hier beschäftigte er sich im Wesentlichen mit der Photokatalyse, deren Anwendungen in der Chemie in wässriger Lösung und der Atmosphärenchemie.

Während des Abschlusses seiner Habilitation in Essen erhielt Herrmann einen Ruf nach Leipzig und ist dort seit 1998 als Professor für Chemie der Atmosphäre an der Universität Leipzig, verbunden mit der Leitung der Abteilung Chemie der Atmosphäre (ACD) des Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS). In der Forschung erweiterten sich mit dem Gang an das Leipziger Institut die Arbeiten Herrmanns erheblich: Neben den Flüssigphasen-Untersuchungen wurden nun Untersuchungen von Gasphasen- und heterogenen Reaktionen aufgenommen, die Multiphasen-Modellierung mit CAPRAM stark systematisiert und erweitert und schließlich ein umfangreiches Programm zu Feldmessungen zur Chemie der Atmosphäre entwickelt und seither durchgeführt.

Er ist Mitglied sowohl der Fakultät für Physik und Geowissenschaften als auch der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig. Herrmann war in der akademischen Selbstverwaltung der Universität als gewähltes Mitglied im Fakultätsrat der Fakultät für Physik und Geowissenschaften und im Konzil der Universität tätig.

Herrmann ist seit 2015 Professor in Environmental Science and Engineering an der Fudan-Universität, Shanghai, China, sowie seit 2018 „Distinguished Visiting Professor“ an der School of Environmental Science and Engineering an der Shandong-Universität.

Er fungiert seit 2011 als stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig.

Persönliches

Hartmut Herrmann ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wirken

Die Forschungen von Herrmann zielen darauf ab, das troposphärische Mehrphasensystem bis zu seiner Vorhersagbarkeit zu verstehen.

Dazu führt er Modellentwicklungen auf der Grundlage experimenteller Labor- und Feldversuche durch. Im Rahmen der Laboruntersuchungen werden physikalische und analytische chemische Methoden zur Untersuchung von Prozessen in der Gasphase, in wässrigen Systemen, in organischen Partikeln, an Oberflächen und auch gekoppelten Mehrphasenphänomenen eingesetzt. Bei der Feldarbeit werden Techniken genutzt, um die chemische Prozessierung und die resultierende Zusammensetzung von troposphärischen Partikeln, Wolken und Regen in ihrem komplexen Zusammenwirken zu verstehen.

Professor Herrmann war an 117 drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten beteiligt, die sowohl von der EU, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und anderen in Deutschland gefördert wurden.

Engagements und Mitgliedschaften

Auszeichnungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Herrmann hat 445 begutachtete Artikel und 22 Übersichtsartikel und Buchkapitel veröffentlicht (Stand 09/2024).

Referierte Publikationen

Reviews & Buchkapitel

Einzelnachweise

  1. ↑ Ernennungsurkunde Professur Uni Leipzig. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  2. ↑ Certificate Concurrent Professor Fudan. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  3. ↑ Double-Hundred Talent-Urkunde. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  4. ↑ Diplom. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  5. ↑ Verleihungsurkunde Doktor. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  6. ↑ Ernennung Wissenschaftlicher Assistent. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  7. ↑ Visiting Associate CalTech 1992. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  8. ↑ Visiting Associate CalTech 1994. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  9. ↑ Visiting Associate CalTech 1996. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  10. ↑ Leipziger Institut für Meteorologie. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  11. ↑ Multiphasenmodellierung, auf tropos.de
  12. ↑ Stellvertretender Direktor des TROPOS. (PDF) Abgerufen am 2. November 2021.
  13. ↑ Loop | Hartmut Herrmann. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  14. ↑ ResearchGate Hartmut Herrmann. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  15. ↑ Hartmut Herrmann - Researchgate. Abgerufen am 9. Februar 2021.
  16. ↑ Großprojekte, Infrastruktur & Technologie auf tropos.de.
  17. ↑ EU CORDIS Website 'Hartmut Herrmann': CORDIS - Forschungsergebnisse der EU. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  18. ↑ DFG - GEPRIS - Professor Dr. Hartmut Herrmann. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  19. ↑ Förderkatalog. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  20. ↑ Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 18. November 2010, ISSN 1867-2868 (qucosa.de [abgerufen am 16. Februar 2021]).
  21. ↑ GDCh - AK Atmosphärenchemie. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. März 2021; abgerufen am 10. Februar 2021.
  22. ↑ Arbeitsausschuss Feinstäube (AAF) von DECHEMA/ProcessNet/KRdL und GDCh. Abgerufen am 9. Februar 2021.
  23. ↑ Berufungsurkunde KRdL 2004. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  24. ↑ Berufungsurkunde KRdL 2010. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  25. ↑ X Nachricht von Herrmann zum Preis. In: X. 19. August 2024, abgerufen am 30. August 2024.
  26. ↑ Mitglieder der Leibniz-Sozietät Stand: 8. August 2023. Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V., abgerufen am 30. August 2024.
  27. ↑ RENOMMIERTER GAY-LUSSAC-HUMBOLDT-FORSCHUNGSPREIS FÜR LEIPZIGER ATMOSPHÄRENCHEMIKER. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  28. ↑ Urkunde Gay-Lussac Humboldt. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  29. ↑ Stipendienzusage DAAD. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  30. ↑ Stipendium Studienabschluss 1990. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  31. ↑ Promotionsstipendium. (PDF) Abgerufen am 10. Februar 2021.
  32. ↑ ISI Web of Knowledge Author = 'Herrmann, H*', Address = Leipzig or Essen or Pasa* or Han*. Abgerufen am 16. Februar 2021.
Personendaten
NAME Herrmann, Hartmut
KURZBESCHREIBUNG deutscher Chemiker und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 24. Dezember 1961
GEBURTSORT Stolzenau