Hartmut K. Lichtenthaler

Hartmut K. Lichtenthaler 1997
Hartmut K. Lichtenthaler 2019

Hartmut K. Lichtenthaler (* 20. Juni 1934 in Weinheim) ist ein deutscher Botaniker, Pflanzenphysiologe und emeritierter Hochschullehrer des Karlsruher Instituts für Technologie.

Leben und Wirken

Hartmut Lichtenthaler, geboren in Baden als Sohn von Emma Lichtenthaler, geborener Hick, und des Rektors Wilhelm Lichtenthaler, besuchte ein Gymnasium in Sinsheim. machte 1953 Abitur und studierte Pharmazie an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Sein Studium schloss er 1958 mit dem pharmazeutischen Staatsexamen ab. Er studierte zudem Botanik, Chemie und Physik an der Universität Heidelberg, wo er 1961 promoviert wurde mit einer Dissertation über Vitamin K1 in Pflanzen am Institut von August Seybold. Ebenfalls 1961 erhielt er ein Europastipendium vom Centre´d’Etudes Nucléaires Grenoble. Von 1962 bis 1964 war er mit einem Forschungsstipendium wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor des Nobelpreisträgers Melvin Calvin an der University of California, Berkeley. 1964 wurde er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster, wo er sich 1967 mit einer Arbeit über Prenylchinone und osmiophile Plastoglobuli in Chloroplasten habilitierte, im selben Jahr seine Lehrtätigkeit als Privatdozent am Botanischen Institut begann und 1970 Wissenschaftlicher Rat und Professor wurde. 1970 für er auch ordentlicher Professor für Pflanzenphysiologie, Pflanzenbiochemie und Pharmazeutische Biologie an der Universität Karlsruhe. Der in Karlsruhe-Durlach lebende Lichtenthaler baute sein Institut zu einem Forschungszentrum für Photosynthese, Isoprenoid-Biochemie und Fluoreszenz-Imaging aus. Er ist zudem Mitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft für Biologische Chemie und der American Society of Plant Physiology. Er war zudem Chairman der Federation of European Societies of Plant Physiology. Im Jahr 2001 wurde er emeritiert.

Lichtenthalers Forschungsgebiete sind die Photosynthese grüner Pflanzen, die Lichtanpassung, die Pigmentzusammensetzung, die photosynthetische Funktion und die Ultrastruktur der Chloroplasten, die Biosynthese und Regulation der pflanzlichen Isoprenoid-Biosynthese sowie die Laser-induzierte Fluoreszenz-Bildgebung der photosynthetischen Aktivität und der Stresserkennung in Pflanzen. Er ist bekannt für die Etablierung des nicht-mevalonaten Desoxyxylulose-Phosphat / Methylerythritol-Phosphat-Wegs (DOXP / MEP-Weg) der Isoprenoid-Biosynthese in Chloroplasten, der für die Biosynthese von Carotinoiden, Prenylchinonen, Isopren, Mono- und Diterpenen verantwortlich ist und in den 1990er Jahren in enger Zusammenarbeit mit Michel Rohmer entdeckt wurde (mittels 13C-Markierung + NMR-Spektroskopie). Lichtenthaler zeigte auch, dass der DOXP/MEP-Weg nicht nur in allen photosynthetischen Organismen (Pflanzen, Algen, photosynthetische Bakterien) vorkommt, sondern auch in pathogenen Bakterien und dem Malariaparasiten Plasmodium falciparum. Er entwickelte ein pflanzenbasiertes Testsystem, um neue Medikamente gegen Malaria zu finden.

Lichtenthalers wissenschaftliche Aktivitäten führten zu 6 Büchern und mehr als 490 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Er war Gastprofessor an der Universität Göteborg (1975) und an der Universität Lancaster (1981). Er förderte die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit, organisierte zahlreiche Konferenzen und Workshops und förderte junge Wissenschaftler. 1978 war Lichtenthaler Mitbegründer der Federation of European Societies of Plant Physiology (FESPP) und fungierte von 1984 bis 1986 als Präsident der FESPP. 1988 gelang es ihm, dass – trotz anfänglicher Behinderungen durch die politischen Behörden – die osteuropäischen Forscher aus Russland, Ungarn, der Tschechischen Republik und Ostdeutschland Mitglieder der europäischen Föderation FESPP werden konnten. Lichtenthaler beschrieb auch die Geschichte und Entwicklung botanischer Kooperationen wie der FESPP und die der internationalen Symposienreihen und Workshops in der Pflanzenphysiologie und Pflanzenbiochemie.

Hartmut K. Lichtenthaler heiratete 1966 Regine Schneider. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, der 1968 in Münster geborene Alzheimer-Forscher Stefan Lichtenthaler sowie die Wirtschaftswissenschaftler Eckhard Lichtenthaler und, geboren 1978 in Karlsruhe, Ulrich Lichtenthaler.

Mitgliedschaften und Ehrungen

Literatur

Publikationen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Curriculum vitae von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hartmut K. Lichtenthaler beim KIT
  2. ↑ Prof. Dr. Hartmut Lichtenthaler als Photosyntheseforscher geehrt
  3. ↑ www.alzheimer-forschung.de.
  4. ↑ Vgl. etwa www.healthinnovationnwc.nhs.uk.
  5. ↑ Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Dr h.c. mult Hartmut Lichtenthaler
Personendaten
NAME Lichtenthaler, Hartmut K.
KURZBESCHREIBUNG deutscher Botaniker und Pflanzenphysiologe
GEBURTSDATUM 20. Juni 1934
GEBURTSORT Weinheim