Hartwig Hohnsbein

Hartwig Hohnsbein (* 19. Januar 1937 in Rotenburg (Wümme)) ist ein deutscher evangelischer Pfarrer, Politikwissenschaftler und Autor. Er wirkte in Lehrte und Wolfsburg.

Leben

Hohnsbein ist aufgewachsen in Neubrandenburg und Schneverdingen mit Abitur 1957 in Bederkesa. In Schneverdingen, einer Gemeinde, die stark von der Hermannsburger Mission geprägt war, fand Hohnsbein zur kirchlichen Jugendarbeit und beschloss nach dem Abitur, Theologie zu studieren.

Beruf

Er studierte von 1957 bis 1963 evangelische Theologie an den Universitäten in Hamburg, Marburg, Wien, Tübingen, Berlin (Kirchliche Hochschule) und Göttingen; hier legte er das 1. theologische Examen ab. 1963/64 führte er das Vikariat in Hull (Großbritannien) durch, von 1964 bis 1966 besuchte er das Predigerseminar in Loccum und bestand 1966 das 2. theologische Examen. Von 1970 bis 1972 absolvierte er das Studium der Politikwissenschaft an der Leibniz Universität Hannover mit anschließendem Examen.

Als Gemeindepfarrer war er tätig von 1966 bis 1975 in der Matthäuskirche in Lehrte und von 1976 bis 1997 in der St.-Marien-Kirchengemeinde in (Alt-)Wolfsburg. Im Nebenamt unterrichtete er 1968 bis 1997 an Gymnasien in Lehrte und Wolfsburg (Kreuzheide). Viele Jahre war er Mitglied im Vorstand des Kirchenkreistages Wolfsburg sowie Vorsitzender des Missionsausschusses des Kirchenkreistages Wolfsburg. Hohnsbein trat 1997 in den Ruhestand und lebt in Göttingen.

Wirken

Auseinandersetzung mit der Ostdenkschrift der evangelischen Kirche von 1965

Durch die Ostdenkschrift der evangelischen Kirche von 1965 änderte sich Hohnsbeins gesellschaftliche und kirchenpolitische Sicht. Die Ostdenkschrift trug wesentlich zur Durchsetzung der Entspannungspolitik Willy Brandts bei. Das hatte für Hohnsbeins Wirken praktische Folgen, als er ab 1966 im Pfarramt in der Matthäusgemeinde zu Lehrte im Kirchenkreis Burgdorf tätig war. In diesem Kirchenkreis arbeitete er mit zwei Pfarrern zusammen: den beiden Pastoren Klaus Rauterberg und Hans Dunkhase, aus deren Engagement später das Antikriegshaus Sievershausen hervorging, das heute in der Landeskirche hochangesehen ist.

Kirchliches und politisches Engagement als Pfarrer in Lehrte

Hohnsbein beteiligte sich an vielen Aktionen, die große Aufmerksamkeit über die Region hinaus erregten:

Kirchliches und politisches Engagement als Pfarrer in Wolfsburg

Kirchliches und politisches Engagement in Göttingen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Historisches Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: Lehrte, Matthäus. Sprengel Hannover, KK Burgdorf
  2. ↑ Hartwig Hohnsbein: Meine letzten sechs Tage des 2.Weltkrieges in Mecklenburg. Bautz-Verlag, 2022
  3. ↑ Hartwig Hohnsbein: Rauterberg, Robert Johannes Klaus-Hermann (1930–2006). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL), Bd. XXXIII (2012), Sp. 1095–1090
  4. ↑ Historisches Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: Sievershausen (Lehrte)
  5. ↑ Günther Stökl: Im Zeichen Europas: Voraussetzungen und Möglichkeiten einer deutschen Ostpolitik. In: Zeitwende. Die neue Furche; 39.1968,2
  6. ↑ Hartwig Hohnsbein: Vor 40 Jahren: Bundestagswahl 1969. Als der Pastor Petersmann aus Hannover der Spitzenkandidat der NPD Niedersachsen war. Hannover, 2009
  7. ↑ Hannoversche Allgemeine Zeitung (7. April 1975): Proteste gegen Gas aus Chemischen Keulen. Augenärzte mussten 40 Patienten behandeln. Polizeipräsident weist Vorwürfe zurück.
  8. ↑ Bild Hannover (8. April 1975): Krawalle, Tränengas und zwei Pastoren. Sie marschierten an der Spitze der Demonstranten.
  9. ↑ Pressemitteilung der Presse- und Informationsstelle der ev.-luth. Landeskirche Hannovers (7. April 1975): Pastoren im Talar bei Demonstration.
  10. ↑ Burgdorfer Kreisblatt (8. April 1975): Hannoversche Landeskirche verurteilt Teilnahme von zwei Pastoren im Talar.
  11. ↑ Talar und Tränengas. Pastoren zwischen Glauben und Politik. Dokumentation eines Amtszuchtverfahrens aus dem Jahre 1975 in der ev.- luth. Landeskirche Hannovers. Hrsg.: Hartwig Hohnsbein und Klaus Rauterberg. Göttingen, 2011. ISBN 978-3-926920-47-8
  12. ↑ Hartwig Hohnsbein: Flecken in Wolfsburgs Geschichte. Das Massensterben polnischer und russischer Kinder und der "Fall Körbel". In: Evangelischer Zeitung, Ausgabe Wolfsburg / Vorsfelde, 21. Januar 1985 und 28. April 1985
  13. ↑ Hartwig Hohnsbein: Aufarbeitung der Geschichte der Wolfsburger NS-Vergangenheit und die Rolle Ferdinand Porsches. In: Stephan Krull (Hg.), S. 89–93, Verlag Ossietzky, Hannover, 2013
  14. ↑ Hartwig Hohnsbein: Vom Saathoffplatz zum Nahnsenplatz. Dokumentation des Versuchs einer Vergangenheitsbewältigung in Göttingen 2005. Göttingen, 2006
  15. ↑ Hartwig Hohnsbein: Das Kloster – das war die Hölle, Dokumentation zu einer Eingabe an die Synode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers zwecks Rehabilitation der Opfer der Loccumer Hexenprozesse, 2015
Personendaten
NAME Hohnsbein, Hartwig
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelischer Pfarrer, Politikwissenschaftler und Autor
GEBURTSDATUM 19. Januar 1937
GEBURTSORT Rotenburg (Wümme)