
Hartwig von Raute (auch: Hartwig von Rute; zweite Hälfte 12. Jahrhundert, genaue Lebensdaten unbekannt) war ein deutschsprachiger Minnesänger.
Über das Leben Hartwigs von Raute ist im außerliterarischen Kontext nichts überliefert. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheint eine Person mit den Namen Hartuvic de Route und Hartvic de Routa beziehungsweise de Route in verschiedenen süddeutschen Urkunden (Tegernsee, Weihenstephan, Baumburg). In der Fachliteratur wird allerdings vermutet, dass es sich hier um einen Vorfahren des Minnesängers handelt, eventuell seinen Vater. Andere urkundlich erwähnten Beinamenvarianten wie riute, rutthe, oder Riuti lassen sich zudem nicht eindeutig auf den Dichter beziehen.
Hartwig wird der Hausenschule nahestehend zugerechnet. Sein Werk beinhaltet ebenfalls den Konflikt zwischen Minnedienst und Ritterdienst. Im Gegensatz zum Handeln des lyrischen Ichs bei Friedrich von Hausen entscheidet sich Hartwig aber für den Minnedienst. In der Weingartner Liederhandschrift findet sich eine textuelle Erweiterung eines Liedes, in welcher eine deutliche Absage an den Kriegsherren ausformuliert ist. Die Kreuzzugslieder Hartwigs könnten womöglich im Rahmen der staufischen Italienzüge Kaiser Heinrichs VI. entstanden sein. Die figurative Gestaltung des lyrischen Ichs schwankt zwischen Minnegefangenem, Minneerdulder und Minnenarren. Das Werk Hartwigs von Raute orientiert sich zwar am methodischen und stilistischen Handwerk seiner Zeitgenossen wie Bligger von Steinach oder Bernger von Horheim, jedoch besitzt es – sowohl in der Reimform als auch in der Metrik – eine viel höhere Komplexität. Sein Schaffen steht gattungstechnisch zwischen dem frühen und dem hohen Minnesang. Elemente des frühen Minnesangs sind in Hartwigs Dichtung die Halbreime und der freie Versrhythmus. Mit dem hohen Minnesang eint Hartwigs Werk vor allem das Nutzen der Durchreimung und die Verwendung von Kreuzreimen.
| Mir tuot ein sorgen wê | Übersetzung |
|---|---|
Mir tuot ein sorge wê in mînem muote, |
Eine Sorge beschwert mein Herz, |
Von Hartwig sind insgesamt vier Minnelieder erhalten, von denen drei Lieder einstrophig sind. In der Weingartner Liederhandschrift finden sich diese vier Lieder und eine Erweiterung des ersten Liedes. Diese kann auch als eigenes Gedicht aufgefasst werden. Neben der Weingartner Liederhandschrift sind noch im Codex Manesse drei Lieder Hartwigs belegt. Folgende Texte sind erhalten:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hartwig von Raute |
| ALTERNATIVNAMEN | Hartwig von Rute |
| KURZBESCHREIBUNG | deutschsprachiger Minnesänger |
| GEBURTSDATUM | 12. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 12. Jahrhundert oder 13. Jahrhundert |