
Das Haus Lara war zwischen dem Ende des 11. und der Mitte des 14. Jahrhunderts eine der fünf wichtigsten Familien des mittelalterlichen Königreichs Kastilien mit enormem Einfluss sowohl hier als auch im Königreich León. Zahlreiche Besitzungen in Kastilien, León, Andalusien und Galicien ermöglichten es ihr, auf die Politik des Landes gleichermaßen stabilisierend wie destabilisierend zu wirken. Als Granden von Spanien ab 1520 hielten sie die Titel eines Herzogs von Nájera und eines Markgrafen von Aguilar de Campoo. Die Stammlande (Tierra de Lara) liegen im südöstlichen Bereich der heutigen Provinz Burgos. Dort gibt es dort eine Verwaltungseinheit (comarca) mit Namen Alfoz de Lara, die aber nur einen Teil des ehemaligen Herrschaftsgebietes umfasst.
Der Chronist Luis de Salazar y Castro (1658–1734) sieht das Haus Lara als Nachfahren der Grafen von Kastilien. Diese Verbindung ist jedoch nicht nachgewiesen (Piferrer, s. u.), kann aber in weiblicher Linie möglich sein. Historiker und Genealogen stimmen darin überein, dass der Stammvater der Familie Gonzalo Núñez (* um 1052; † nach 1105) ist, erster bezeugter Besitzer des „Alfoz de Lara“ – ein temporärer Besitz und kein persönliches Eigentum, da sie nicht als Señores de Lara auftreten. Die aktive Teilnahme der Besitzer Laras an der Reconquista brachte ihnen eine enge Verbindung mit dem Königshaus ein sowie – ausgehend von einem eng umgrenzten Gebiet südöstlich von Burgos – ihren umfangreichen Grundbesitz in Kastilien, Galicien, León und Andalusien.
Im 12. Jahrhundert unterhielt Pedro González de Lara enge Beziehungen zur Königin Urraca von León-Kastilien († 1126) und stand dann in Opposition zu Alfons VII. (1130). Rodrigo González de Lara, sein Bruder, wiederum entfremdete sich durch die Ausplünderung der andalusischen Grafschaften ebenfalls dem Monarchen, obwohl er später dessen Rückhalt im Kampf gegen die Almoraviden war. Manrique Pérez de Lara, Álvar Pérez und Nuño Pérez de Lara hatten während der Minderjährigkeit Alfons’ VIII. († 1214) großen Einfluss in der Regentschaft. Álvar Núñez de Lara war Regent Heinrichs I. († 1217), Nuño González de Lara diente Ferdinand III. († 1252) und Alfons X. († 1284), führte aber auch im Jahr 1270 eine Adelsopposition gegen den König an. Juan Núñez de Lara el Mayor, Souveräner Herr von Albarracín, widersetzte sich der Krönung Sanchos IV. und floh nach Frankreich. Juan Núñez de Lara war das Oberhaupt mehrerer Aufstände gegen Alfons XI. († 1350).
Schließlich wurde die Familie, die Heinrich II. († 1379) unterstützt hatte, von Peter I. († 1369) enteignet, erhielt aber ihre Besitztümer mit der Thronbesteigung Heinrichs zurück. Das Haus Lara stand auch hinter Isabella I. bei ihrer Auseinandersetzung mit Johanna von Kastilien (Juana la Beltraneja).
Der einzige Zweig dieser umfangreichen Familie, der zu hohen Titeln gelangte, war der der Nachkommen Manrique de Laras, die als Granden von Spanien die kastilischen Titel eines Duque de Nájera, Marqués de Aguilar de Campoo, Conde de Paredes de Nava, Conde de Osorno führten und zu denen auch die Schriftsteller Gómez Manrique und Jorge Manrique gehören, zahlreiche Kirchenfürsten und eine Reihe von Rittern des Ordens vom Goldenen Vlies. Der Conde de Paredes de Nava diente als Meister des Jakobsordens.
Im Jahr 1520 machte Kaiser Karl V. das Haus Lara bzw. dessen herausragendste Vertreter zu Granden von Spanien: den Herzog von Nájera und den Marqués de Aguilar del Campoo.