

Sade ist eine Grafenfamilie aus der Provence. Die Mitglieder der Familie hatten im Laufe der Jahrhunderte zusätzlich zu ihrer Funktion als Lehnsherren (unter anderem von Mazan, Saumane, ab 1627 auch La Coste) zahlreiche Positionen im Hochadel und im hohen Klerus von Frankreich inne, zum Beispiel Bischof, Abt oder Richter. Eine fortlaufende Stammlinie existiert seit Raimond de Sade.
Der Name ist seit dem 12. Jahrhundert in Avignon bezeugt, unter anderem in den Varianten Sado, Sadone, Sazo, Sauza.
Louis de Sade baute 1177 die Brücke Saint-Bénézet in Avignon. Der ältere Paul de Sade empfing 1316 den Papst Johannes XXII. bei seiner Ankunft im Exil in Avignon. Hugues III. de Sade war 1373 Ratsherr in Avignon.
Der ältere Jean de Sade war Ratgeber des Ludwig II. von Anjou, Doktor der Rechte, 1406 Oberrichter der Provence. Jean wurde im 15. Jahrhundert geadelt, wodurch fortan die gesamte Familie adelig war. Der älteste Elzéar de Sade war Schildknappe und Mundschenk von Papst Benedikt XIII. Kaiser Sigismund ehrte ihn für die Verdienste seines Hauses mit der Erlaubnis, den kaiserlichen Doppeladler in seinem Familienwappen führen zu dürfen. Der jüngere Jean de Sade war Erster Präsident des Rechnungshofs und Reichssiegelbewahrer. Joachim der Jüngere war Erbe von Joachim dem Älteren, so dass Saumane an seine Linie fiel.
Jean-Baptiste de Sade war Oberst der päpstlichen Kavallerie in Venaissin. Das Amt wurde bis zu Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade vererbt. Gaspard-François de Sade, Landvogt der Stadt Avignon, war der erste de Sade, der den Titel Marquis verwendete.
Donatien-Alphonse-François de Sade (1740–1814), der als „Marquis de Sade“ Bekannteste aus dem Hause Sade, war ein Aktivist der Französischen Revolution. Er schrieb Bücher, in denen er eine atheistische, materialistische, revolutionäre und amoralische Aufklärungs-Philosophie mit sadistischer Pornographie mischte; sein Leben entsprach seinen Schriften, weshalb er mehrmals verhaftet und verurteilt wurde. Nach dem Machtantritt Napoleons wurde der Missliebige 1801 in eine Irrenanstalt in Charenton verbracht, die er lebend nicht mehr verließ.
Während vier Generationen seiner Nachfahren versuchten, Donatien-Alphonse-François de Sade totzuschweigen, öffnete Xavier Henri Marie de Sade erstmals das Familienarchiv für Forscher, unter anderem für Gilbert Lély und Maurice Lever, nahm wieder den Titel Marquis an und versuchte, seinen Familiennamen auf Weinflaschen zu vermarkten.
Laure de Sade (1859–1936), Gemahlin von Adheaume de Chevigné (1847–1911), einem Kammerherrn des Grafen von Chambord, gehörte neben Élisabeth Greffulhe zu den Vorbildern der Herzogin von Guermantes in dem Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust (siehe: Élisabeth Greffulhe in der Literatur).
1814–1983 besaß die Familie das Schloss Condé.
Raimond de Sade.