
Hawdala (hebräisch הַבְדָּלָה haḇdālâ, deutsch ‚Trennung, Unterscheidung‘), auch Habdalah oder jiddisch Hawdole, ist ein religiöses Ritual im Judentum, das am Samstagabend bei Nachteinbruch das Ende des Schabbat und den Beginn der neuen Woche kennzeichnet. Dieser Zeitpunkt ist dann, wenn drei mittlere Sterne am Himmel sichtbar sind oder – abhängig vom Wetter – sichtbar wären. Es symbolisiert auch das Ende des am Schabbat bestehenden Arbeitsverbots. Die Zeremonie wird auch am Ende eines anderen Festtags als des Schabbat gefeiert.

Der Rabbiner und Kabbalist Josef Karo schreibt in seinem Schulchan Aruch (Orach Chajim 196), man könne sich den Ablauf mithilfe des Akronyms „Jabneh“ merken. Es steht für Jajin (Wein), Besamim (Gewürze), Ner (Licht) und Hawdala,
Nach dem Erheben des mit koscherem Wein, koscherem Traubensaft oder auch einem anderen Getränk (außer Wasser) gefüllten Kiddusch-Bechers werden die folgenden Worte gesprochen:
הִנֵּה אֵל יְשׁוּעָתִי אֶבְטַח וְלֹא אֶפְחָד: כִּי עָזִּי וְזִמְרָת יָהּ יְהֹוָה. וַיְהִי לִי לִישׁוּעָה: וּשְׁאַבְתֶּם מַיִם בְּשָׂשׁוֹן. מִמַּעַיְנֵי הַיְשׁוּעָה: לַיהֹוָה הַיְשׁוּעָה. עַל עַמְּךָ בִרְכָתֶךָ סֶּלָה: יְהֹוָה צְבָאוֹת עִמָּנוּ. מִשְׂגָּב לָנוּ אֱלֹהֵי יַעֲקֹב סֶלָה: יְהֹוָה צְבָאוֹת. אַשְׁרֵי אָדָם בֹּטֵחַ בָּךְ: יְהֹוָה הוֹשִׁיעָה. הַמֶּלֶךְ יַעֲנֵנוּ בְּיוֹם קָרְאֵנוּ: לַיְּהוּדִים הָיְתָה אוֹרָה וְשִׂמְחָה וְשָׂשׁוֹן וִיקָר. כֵּן תִּהְיֶה לָנוּ: כּוֹס יְשׁוּעוֹת אֶשָּׂא. וּבְשֵׁם יְהֹוָה אֶקְרָא:
Hinnej El jeschūʿatī ev’ṭach ve’lo efchad, ki ʿazzī ve’zimrat jah Adonaj, va’jehī lī līschūʿah. Uschʾavtem majim be’saschōn, mi’maʿajenī ha’jeschūʿah. L’Adonaj ha’jeschūʿah, ʿal ʿammejcha bir’chatecha selah. Adonaj Tze’vaʾōt ʿimmanū, misgav lanū elohej jaʿaqov selah. Adonaj Tze’vaʾōt, aschrej adam bo’ṭe’ach bach. Adonaj hōschiʿah ha’melech jaʿanenū be’jōm qarʾejnū. La’jehūdīm hajetah ōrah ve’simchah, ve’saschōn vi’qar, ken tih’jeh lanū. Kōs jeschūʿōt essā, ū’ve’schem Adonaj eqrā.
Dann wird der Segen über den Wein gesagt:
סַבְרִי מָרָנָן וְרַבָּנָן וְרַבּוֹתַי:
בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם. בּוֹרֵא פְּרִי הַגָּפֶן:
Savrī Maranan ve’rabbanan ve’rabbōtaj.
Barūch Attah Adonaj Elohejnū melech haʿōlam, bōrej perī ha’gafen. (Amen)
Wird anstelle von Wein ein anderes Getränk genommen, wird folgender Segensspruch gesagt:
ברוך אתה אדוני אלוהינו מלך העולם, אשר קידשו בדבריו
Barūch attah Adonai Eloheinū Melech haʿōlam, ascher qidschū b'dvarav.
Nachdem der Becher zurückgestellt wurde, wird die Besamimbüchse mit den Gewürzen ergriffen und fortgesetzt:
בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם. בּוֹרֵא מִינֵי בְשָׂמִים
Barūch Attah Adonaj Elohejnū melech haʿōlam, bōrej mi’nej ve’samīm. (Amen) ū
Der Geruch der im Behälter befindlichen aromatischen Gewürze wird daraufhin eingeatmet.

Daraufhin werden die Hände zum Licht der geflochtenen, mehrdochtigen Hawdala-Kerze gestreckt, sodass es sich in den Fingernägeln reflektiert, wobei gesprochen wird:
בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם. בּוֹרֵא מְאוֹרֵי הָאֵשׁ:
Barūch Attah Adonaj Elohejnū melech haʿōlam, bōrej meʾōrej haʾesch. (Amen)
Dabei wird an die Schöpfung des Lichts am ersten Schöpfungstag erinnert. Der Becher wird wieder in die Hand genommen und rezitiert:
בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם. הַמַּבְדִּיל בֵּין קֹדֶשׁ לְחוֹל. בֵּין אוֹר לְחשֶׁךְ. בֵּין יִשְׂרָאֵל לָעַמִּים. בֵּין יוֹם הַשְּׁבִיעִי לְשֵׁשֶׁת יְמֵי הַמַּעֲשֶׂה: בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה. הַמַבְדִּיל בֵּין קֹדֶשׁ לְחוֹל:
Barūch Attah Adonaj Elohejnū melech haʿōlam, ha’mavdīl bejn qodesch le’chōl, bejn ōr le’choschech, bejn jisraʾel laʿammīm, bejn jōm ha’schvīʿī le’scheschet jemej ha’maʿaseh. Barūch Attah Adonaj, ha’mavdīl bejn qodesch le’chōl. (Amen)
Die Kerze wird zum Schluss in einem Teller mit dem überfließenden Wein aus dem Kidduschbecher gelöscht. Der übriggebliebene Wein wird ausgetrunken. Sobald die Kerze ausgelöscht ist, wird dem Brauch nach ein Finger in den Wein getaucht und die Augenlider damit benetzt.
Juden aus Nordafrika sprechen dabei Psalm 19,9 EU:
יִרְאַ֤ת יְהוָ֨ה ׀ טְהֹורָה֮ עֹומֶ֪דֶת לָ֫עַ֥ד מִֽשְׁפְּטֵי־יְהוָ֥ה אֱמֶ֑ת צָֽדְק֥וּ יַחְדָּֽו׃
Jirat Adonai ṭ'hōrah, ʿōmedet laʿad; mischpeṭei Adonai emet, zaddeqū jachdav.
Handelt es sich nicht um den Schabbat, sondern um einen anderen Festtag, entfallen die Segenssprüche über die Gewürze und das Licht. Im letzten Segen heißt es dann:
מי הפריד בין החג לימי חול ...
... mi hafrīd bejn hachag līmī chōl
Ist der auf den Schabbat folgende Tag ein Feiertag, so heißt es:
מי שהפריד בין קדוש לקדוש ...
... mi schehifrīd bejn qdūsch laqdūsch
Bereits in der Mischna (Ber 5,2) wird die Hawdala erwähnt. Der Geruch der Gewürze soll an den zu Ende gehenden Schabbat erinnern und Kraft für die kommende Woche geben. Rabbi Simeon ben Lakisch (2. Hälfte des 3. Jh.) wird die Tradition zugeschrieben, dass Gott den Menschen am Vorabend des Schabbat eine zusätzliche Seele (Neschama jetera) verleihe, die ihm am Ende des Schabbat wieder genommen wird. Sobald die Schabbat-Seele den Menschen verlässt, soll diese durch die Gewürze noch einmal den Duft des heiligen Tages genießen. Nach einer anderen Interpretation soll die „Alltagsseele“ des Menschen durch ebendiesen Duft zurückgehalten werden.
Bezüglich der Hawdala-Kerze bestehen Ähnlichkeiten zum Newweling, der in Mainz an Allerheiligen und Allerseelen Verwendung findet, und zum Wachsstock, wie er heute teilweise noch in Bayern weit verbreitet ist.