Hedjwer

Hedjwer in Hieroglyphen
Determinativ

Hedj Wer
ḥḏ-wr
Großer Weißer
Ausgeschriebener Name
O11G36G36
G36

Ah-hedj Weru
ˀḥ-ḥḏ-wrw
Er der Großen des weißen Schreins

Hedjwer (auch Hedj-wer geschrieben) ist der Name einer Pavian-Gottheit der altägyptischen Mythologie. Er war ein wichtiger Ahnengott und gehört, neben Horus, Seth, Neith und Bat, mit zu den ältesten Göttern der ägyptischen Geschichte. Er wurde besonders während der frühdynastischen Periode verehrt.

Darstellung

Hedj-wer erscheint meist als sitzender, weißer Mantelpavian. Er sitzt wahlweise auf dem Boden, auf einem Podest oder auf einem Würfelthron. Meist hat er die Hände in den Schoß oder auf seine Knie gelegt, manchmal wird er auch dabei gezeigt, wie er ein Opfer- oder Räuchergefäß in den Händen hält.

Belege

Hedj-wer ist sehr wahrscheinlich schon seit König (Pharao) Narmer zu Beginn der 1. Dynastie belegt: Im Ägyptischen Museum Berlin befindet sich eine Figur aus Kalzit-Alabaster (Travertin) in Gestalt eines Mantelpavians, die vermutlich Hedj-wer darstellt. An der Sockelfront ist der Serechname des Narmer eingraviert. Bemerkenswerterweise ruhen die Hände des Pavians genau über dem Serech des Narmer, was vielleicht sogar eine tiefere, religiöse Bedeutung haben mag: Hedj-wer beschützt oder segnet Narmer. Der zeitlich nächste Beleg wird durch mehrere Tonsiegelabdrücke aus dem Grab des Hemaka in Sakkara gedeckt, auf denen König Dewen bei einem Besuch des Schreins des Hedj-wer dargestellt ist. Der nächste Beleg stammt aus dem Grab des Königs Semerchet derselben Dynastie. Dort wurden mehrere Elfenbeinetiketten entdeckt, auf denen ein Fest zu Ehren Hedj-wers dargestellt ist. Insgesamt stammt eine erstaunliche Anzahl von Pavianstatuetten und -anhängern aus proto- und frühdynastischen Gräbern aus Naqada, Abydos, Sakkara, Gizeh und Helwan, die möglicherweise Hedj-wer gewidmet sind.

Mythologische Rolle

Die mythologische Rolle des Hedj-wer ist nicht leicht zu erfassen, weil er bereits ab dem frühen Alten Reich immer seltener erwähnt wurde und bald darauf mit dem Mond- und Zeitgott Thot verschmolz. Auch Thot wurde ab dem Mittleren Reich oft und gern als sitzender Pavian dargestellt. Hedj-wer wurde als Ahnengottheit verehrt, die die Seele des verstorbenen Königs repräsentierte. Die frühen Ägypter glaubten, dass sich die Seelen und/oder Geister der verstorbenen Vorgängerkönige in weiße Paviane verwandelten, die dann mit dem neuen König ihre Weisheit und Erfahrung teilten. Sie fungierten dabei wohl als eine Art Orakel.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 247.
  2. ↑ Erika Schott: Die Sockelinschrift des Narmeraffen. In: Revue d’Égyptologie. (RdE), Nr. 21. La Société française d ́egyptologie, Paris 1969, S. 77–83.
  3. ↑ Ludwig David Morenz: Der Pavian des Narmer als ein besonderer Königsgott. Göttingen 2014, S. 143–145.
  4. ↑ Walter Bryan Emery: Excavations at Saqqara: The tomb of Hemaka. Kairo 1938, S. 64.
  5. ↑ Hermann Alexander Schlögl: Das alte Ägypten. Nachdruck, München 2006, S. 71–72.
  6. ↑ W. M. van Haarlem: Temple Deposits in Early Dynastic Egypt. Berkeley (California) 2019, S. 54 & 63–65.