Heidenhofen liegt bei 47° 59' nördlicher Breite und 8° 34' östlicher Länge auf einer durchschnittlichen Höhe von 742 m über Normalnull. Die Gesamtgröße der Gemarkung beträgt 267 ha, davon sind 185 ha Felder, 23 ha Wiesen, 25 ha Wald, 33 ha nehmen die Siedlungsfläche und Verkehrswege ein und 1 ha sonstige Flächen. Das geologische Fundament des Ortes bildet der zum Schwarzen Jura zählende Arietenkalk. Da der westliche Nachbarort Aasen noch auf dem weicheren Keuper liegt, lässt sich der Wechsel im Gesteinsuntergrund anhand einer scharfen Geländekante, welche im Laufe von Jahrmillionen durch Erosion entstanden ist, heute mit bloßem Auge zwischen den beiden Ortschaften leicht im Gelände ablesen.
Geschichte
Frühmittelalter
Heidenhofen wurde erstmals 759/60 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt; es ist damit gemeinsam mit Biesingen der älteste urkundlich erwähnte Ort des Schwarzwald-Baar-Kreises. Ursprünglich war Heidenhofen der namengebende Vorort einer Urmark, zu deren Gebiet die Orte Aasen und Biesingen gehörten.
Die St.-Josefs-Bruderschaft zum guten Tod wurde im Jahr 1694 auf Betreiben von Pfarrer Michael Greysing gegründet.
Neuzeit
Im Jahr 1806 wurde das Fürstentum zu Fürstenberg aufgelöst. Die fürstenbergischen Gebiete und damit auch Heidenhofen fallen an das neu errichtete Großherzogtum Baden.
Am 1. April 1972 wurde Heidenhofen in die Stadt Donaueschingen eingemeindet.
Ortsname
Der Name Heidenhofen, im Verlauf der Geschichte auch villa Heidenhouuen und villa Heidinhova, wurde von der bisherigen Forschung im Sinne von ‚Siedlung beim Hof des Haido‘ gedeutet.
Wappen
Der grüne Wappenschild mit goldenem Balken ist angelehnt an das Wappen der Herren von Sunthausen, denen Heidenhofen bis 1477 gehörte. In diesem Jahre verkauften die Sunthausener den Ort an die Fürstenberger. Die Zugehörigkeit Heidenhofens zum Fürstentum Fürstenberg wird durch den blausilbernen Wolkenfeh-Schildrand symbolisiert. Mit der Eingemeindung am 1. April 1972 ist das Wappen offiziell erloschen.
Sehenswürdigkeiten
Kirche St. Hilarius
Umgeben vom Friedhof steht die katholische Kirche St. Hilarius im Zentrum von Heidenhofen. Die Heidenhofener Hilariuskirche zählte zu den Urkirchen der Baar und wurde bereits am 28. April 857 in einem Diplom König Ludwigs des Deutschen erwähnt.
Die Anlage der heutigen Kirche stammt aus dem 16./17. Jahrhundert. Der massive Kirchturm trägt die Jahreszahl 1581 und beherbergt drei Glocken. Das deutlich ältere Langschiff hat barocke Züge, während der Chor im gotischen Stil erbaut wurde.
Die Orgel von St. Hilarius wurde 1733 ursprünglich für die Stadtkirche Donaueschingen erbaut und befindet sich seit 1787 in der Heidenhofener Pfarrkirche. Die Orgel von St. Hilarius ist die älteste, noch spielbereite Orgel der Baar.
Dorflinde
Winterlinde Heidenhofen
Die mächtige Dorflinde vor der Kirche St. Hilarius hat heute einen Umfang von 4,50 m und wurde im Jahre 1959 zum Naturdenkmal erklärt. Gepflanzt wurde diese Winterlinde (Talia cordata) um das Jahr 1670. Sie ist damit der älteste Lindenbaum im gesamten Landkreis.
Backhiesli
Gesellschaftlicher Mittelpunkt ist in Heidenhofen das Backhiesli mit angrenzendem Dorfplatz. Das Backhiesli ist ein Veranstaltungsort für bis zu 12 Personen und verfügt über einen traditionellen, holzbefeuerten Backofen, der regelmäßig zum Backen von Brot genutzt wird. Auf dem Dorfplatz finden alljährlich das Backhieslifest und der Weihnachtsmarkt statt.
Politik
Liste der Vögte und Bürgermeister (1598–1832)
1598–1619: Jacob Fenus, Vogt und Präfekt
1646–1657: Michael Pieheler, Vogt
1650–1656: Johannes Egle, Präfekt
1660–?: Martin Bertschin, Vogt
1670–?: Martin Bausch, Präfekt
1680–1696: Michael Bühler, Vogt und Präfekt
1696–1707: Balthasar Wismann, Vogt
1713–1720: Hans Engesser, Vogt
1716–?: Jakob Bori, Bürgermeister
1739–?: Michael Wehinger, Vogt
1752–1754: Ignati Schöndienst, Bürgermeister
1754–1757: Johannes Rottweyler, Bürgermeister
1757–1763: Johannes Engesser Bürgermeister
1763–1767: Josef Engesser, Bürgermeister
um 1770: Ignati Höfler, Bürgermeister
1777–1783: Johann Schöndienst, Vogt und Bürgermeister
1772–1775: Christian Bury, Präfekt und Ludimoderator
1784–1809: Anton Reichmann, Vogt
1804: Anton Schwörer, Vogt in Vertretung
1804–1809: Mathias Reichmann, Bürgermeister
1809–1820: Fridolin Schöndienst, Bürgermeister
1810–1818: Mathias Reichmann, Vogt
1818–1828: Johann Reichmann, Vogt
1828–1832: Konrad Höfler, Vogt und Bürgermeister
1832: Johannes Schwörer, Vogtverweser
Liste der Bürgermeister (1833–1972)
1833–1839: Matthäus Heizmann
1839–1843: Anton Höfler
1843–1845: Josef Müller sen.
1849–1857: Fideli Bury
1858–1868: Josef Müller jun.
1868–1902: Josef Höfler
1902: Silvester Höfler
1903–1908: Friedrich Reichmann
1908–1919: Mathias Schwörer
1919–1923: Johann Müller
1923–1944: Josef Müller
1944–1945: Ernst Höfler
1945–1969: August Engesser
1969–1972: Franz Weiß
Liste der Ortsvorsteher (seit 1972)
1972–1975: Franz Weiß
1976–1988: Franz Bury
1988–2009: Hans Reichmann
2010–2024: Reinhard Merkle
seit 2024: Petra Höfler
Sagen
Mehrere Sagen umranken das sich auf der Heidenhofener Gemarkung befindliche „Bettelhansenkreuz“.
Literatur
Heidenhofen 760-1960. 1200 Jahre. Jubiläumsfeier am 30.,31. Juli und 1. August, o.O. 1960.
Hermann Frey: Heidenhofen. Eine kleine Heimatkunde (= Schriftenreihe des Landkreises Donaueschingen, Band 20), Freiburg i. Br. 1968.
Thomas H. T. Wieners: Gemeinsame Wurzeln – getrennte Wege. Historische Betrachtungen anlässlich der 1250-jährigen Ersterwähnung von Biesingen und Heidenhofen, in: Almanach 2009. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 33, S. 128–130.
Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010, Stadt Donaueschingen, Donaueschingen 2010, ISBN 978-3-00-030968-7.
Joachim Sturm, Elisabeth Winkelmann-Klingsporn: Im Zeichen der Linde: Heidenhofen – ein altes Dorf auf der Baar, in: Almanach 2011. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 35, S. 50–63.
↑Herbert Weiß: Heidenhofen (2010), in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010, Donaueschingen 2010, S. 33.
↑Herbert Weiß: Heidenhofen (2010), in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010, Donaueschingen 2010, S. 14.
↑Herbert Weiß: Das Fundament des Dorfes, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010, Donaueschingen 2010, S. 20.
↑Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, hrsg. v. Hermann Wartmann, Bd. 1, Zürich 1863, Nr. 25, S. 28f. u. Bd. 2, Zürich 1866, Anhang Nr. 1, S. 381f.
↑Die Urkunden zur Ersterwähnung von Dorf, Urmark und Urkirche Heidenhofen aus dem Mittellateinischen von Thomas H. T. Wieners, in: ders., Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen, 44-47, hier S. 44f.
↑Thomas H. T. Wieners: „Würdigung der Wörter“. Zur Ersterwähnung der Heidenhofener Urmark und Urkirche in Diplom Nr. 81 König Ludwigs des Deutschen von 857, in: ders., Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 33–43, hier S. 33.
↑Thomas H. T. Wieners: „Würdigung der Wörter“. Zur Ersterwähnung der Heidenhofener Urkirche und Urmark in Diplom Nr. 81 König Ludwigs des Deutschen von 857, in: ders., Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 33–43.
↑Herbert Weiß: Heidenhofen – Hof des Alemannen Haido, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 48
↑Tarcisio Stramare: Eine alte St. Josefsbruderschaft in Heidenhofen in Deutschland aus dem Italienischen von Thomas H. T. Wieners, in: ders., Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 155–157, hier S. 155.
↑Herbert Weiß: Heidenhofen – Hof des Alemannen Haido, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 32
↑Herbert Weiß: Beschreibung des Wappens von Heidenhofen, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidenhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 17.
↑Die Urkunden der deutschen Karolinger, Bd. 1: Die Urkunden Ludwigs des Deutschen, Karlmanns und Ludwigs des Jüngeren (= Monumenta Germaniae historica. Diplomata regum Germaniae ex stirpe Karolinorum, Bd. 1: Ludowici Germanici, Karlomanni, Ludowici Iunioris Diplomata), hrsg. v. Paul Kehr. Berlin 1932–34 (ND 1980), Nr. 81, S. 118f.
↑Die Urkunden zur Ersterwähnung von Dorf, Urmark und Urkirche Heidenhofen aus dem Mittellateinischen von Thomas H. T. Wieners, ders., Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 44–47, hier S. 45f.
↑Herbert Weiß: Unsere Kirche, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidenhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 158
↑Herbert Weiß: Unsere Kirche, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidenhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 159
↑Herbert Weiß: Die Heidenhofener Dorflinde, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 21
↑Wolf Hockenjos: Die Linden. Baumoriginale im Schwarzwald-Baar-Kreis (Teil 5), in: Almanach 2011. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises. F. 35, S. 256–263, hier S. 260
↑Hermann Frey: Heidenhofen. Eine kleine Heimatkunde (= Schriftenreihe des Landkreises Donaueschingen, Bd. 20), Freiburg i. Br. 1968, S. 85
↑Hermann Frey: Heidenhofen. Eine kleine Heimatkunde (= Schriftenreihe des Landkreises Donaueschingen, Bd. 20). Freiburg i. Br. 1968, S. 85f.
↑Herbert Weiß: Heidenhofen, ein Stadtteil von Donaueschingen, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier. Donaueschingen 2010, S. 17
↑Herbert Weiß: Heidenhofen, ein Stadtteil von Donaueschingen, in: Thomas H. T. Wieners, Hans Reichmann, Herbert Weiß (Hrsg.): Von „villa Heidinhova“ -759/60- bis Heidenhofen -2010- 1250 Jahre. Geschichte und Geschichten. Ein Lesebuch, gestaltet aus Anlass der 1250-Jahrfeier 2010. Donaueschingen 2010, S. 17.