Heidi Sill (* 1963 in Fürth) ist eine deutsche bildende Künstlerin. Sie arbeitet als Zeichnerin sowie als Installations- und Konzeptkünstlerin und lebt in Berlin. Von 2016 bis 2022 war sie Sprecherin des bbk berlin.
Heidi Sill studierte von 1986 bis 1992 freie Grafik und Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Georg Karl Pfahler und Rolf-Gunter Dienst. 1991 erhielt sie ein Stipendium des Freistaats Bayern an der Sommerakademie Salzburg bei Roman Opalka. 1995 absolvierte sie ein postgraduales Studium am Institut des Hautes Études en Arts Plastiques in Paris bei Pontus Hultén, Daniel Buren und Sarkis Zabunyan, im selben Jahr wurde sie Stipendiatin der Cité internationale des arts. Bis 2003 lebte und arbeitete sie in Paris, bevor sie nach Berlin zog.
Sie lehrte an der École supérieure d’art et design Grenoble-Valence (2000 und 2014), war Lehrbeauftragte an der Universität der Künste Berlin (2012/13 für Aktzeichnen) und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2022–2024). Seit 2024 lehrt sie erneut an der UdK Berlin (Grundlagen der Zeichnung). Von 2005 bis 2008 gehörte sie dem kuratorischen Team der 2yk Galerie in der Kunstfabrik am Flutgraben an und leitete den Ausstellungsraum.
Heidi Sill engagiert sich seit ihrer Studienzeit für Künstlerinnen und Künstler. Sie setzt sich insbesondere für faire Honorare und mehr Sichtbarkeit von Kunstschaffenden ein.
Während der Corona-Pandemie setzte sie sich in dieser Funktion für ein schnelles Soforthilfe-Programm für Berliner Künstlerinnen und Künstler ein.
Heidi Sills Werk umfasst Tuschezeichnungen, Collagen und Installationen. Ihre zentralen Themen sind das Spannungsfeld von Ästhetik und Gewalt, Körperbilder jenseits gängiger Normen, die Rolle der Frau sowie Fragen von Sichtbarkeit, Kontrolle und Befreiung. Formal beschäftigt sie sich mit der Oberfläche, mit Einschreibungen, Verletzungen und Spuren sowie mit dem Abdruck.
Die Serie Vorbilder weiblicher Transgression (englisch Models of Female Transgression) besteht aus Tuschezeichnungen auf Papier nach Medienbildern von Frauen, die in ihrem Leben Brüche und Grenzüberschreitungen verkörperten, darunter Hannah Wilke und Carolee Schneemann. Während ihres Aufenthalts in Schloss Wiepersdorf 2020 setzte sie die Serie mit Porträts von Bettina von Arnim fort. Eine Arbeit aus der Serie, Hannah II (2014), wurde 2018 mit dem zweiten Preis des Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten ausgezeichnet.
In der Collage-Serie Cuts bearbeitet Sill die Bildwelt von Lifestyle, Mode- und Kunstmagazinen. Sie legt diverse Schichten aus den unterschiedlichsten Fotostrecken übereinander, die sie zuvor mit einem Skalpell herausgetrennt hat, wodurch den Dargestellten ihre individuellen Erkennungsmerkmale genommen werden. Das Neue Museum Nürnberg liest dies als Absage an eine Welt des makellosen Scheins und stereotyper Bilder des Weiblichen.
Die Serie skins (ab etwa 2006) besteht aus großformatigen Tuschezeichnungen gesichtsloser Köpfe. Die Umrisse von Köpfen, Schultern und Haar lassen Porträts erahnen, die Gesichtszüge sind ausgespart und durch ein dichtes Geflecht feiner Tuschelinien ersetzt. Der Titel bezieht sich laut Neuem Museum Nürnberg, nicht nur auf die Haut, sondern auf deren Verletzungen. Die Vorlagen erhielt die Künstlerin aus dem Zentrum für Brandverletzte im Unfallkrankenhaus Berlin und aus dem Brandenburgischen Institut für Rechtsmedizin, jeweils rund 300 Fotografien, deren Augen zuvor unkenntlich gemacht worden waren. Sie übertrug die Motive auf Transparentfolien, sortierte sie nach Form, Haltung und Größe der Köpfe und schichtete bis zu 30 Folienzeichnungen übereinander. Das Ergebnis projizierte sie an die Wand und übertrug es mit Tusche auf große Blätter. Durch die Überlagerung bleiben die Verletzten anonym, wodurch die Künstlerin deren Würde wahre.
Die Serie wurde 2006 in der Einzelausstellung Ähnliche Wirkungen im Brandenburgischen Kunstverein Potsdam gezeigt, die in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesinstitut für Rechtsmedizin als Teil der Reihe Art + Science: Modell und Imagination entstand. Die Kritikerin Almut Andreae beschrieb die Blätter im Tagesspiegel als „Spurenbilder“, die den Opfern ihre Würde zurückgäben.
2025 zeigte sie im MUK Kunstverein Zirndorf im Rahmen der Biennale der Zeichnung die Ausstellung Apokalypse mit Arbeiten zu Dürers Apokalypse.
Seit mehr als zehn Jahren realisiert Heidi Sill Kunst-am-Bau-Projekte, die sie als Erweiterung ihres künstlerischen Denkens versteht.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sill, Heidi |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche bildende Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1963 |
| GEBURTSORT | Fürth |