
Heinrich Bocer (* 6. Januar 1561 in Salzkotten; † 5. Juli 1630 in Tübingen) war ein deutscher Jura-Professor in Tübingen.
Heinrich Bocer studierte ab 1577 die Rechtswissenschaften unter Bigelius in Marburg, unter Borcholt in Helmstedt sowie in Heidelberg und Straßburg. Er promovierte 1585/86 in Tübingen und wurde dann Dozent an der Tübinger Universität. 1595 wurde er Professor des Lehens- und Kriminalrechts und war seit 1587 Beisitzer des württembergischen Hofgerichts. Er widmete sich ab 1595 vollkommen seiner akademischen Laufbahn, nachdem er eine ordentliche Professur erhalten hatte. Eine Ernennung zum Vizekanzler der württembergischen Regierung schlug er 1604 aus. Vier Jahre später wurde Bocer aber württembergischer Rat.
Bocer war neben Johannes Christoph Harpprecht einer der angesehensten Tübinger Jura-Professoren und juristischen Autoren seiner Zeit. In seinen meist thesenartig formulierten Disputationen beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Kriminal- und Lehensrecht sowie dem römischen Recht. Bocer ging auf viele Kriminaldelikte genauer ein und wurde häufig in der Gutachterpraxis zitiert. Gleichzeitig entstanden unter seiner Federführung zahlreiche Dissertationen, wie etwa zur Nützlichkeit der Verteidigung.
Ihm wurde gelegentlich eine zu große Nähe zum langobardischen Recht vorgeworfen. Vor allem mit seinen Abhandlungen über das römische Recht versuchte Bocer aber, die humanistische Jurisprudenz des 16. Jahrhunderts aufrechtzuerhalten.
Er heiratete im Juni 1585 Kordula Riepp (* um 1535) und in zweiter Ehe 1607 Eufrosine Halbritter, Tochter des Johannes Halbritter, Professor der Rechte in Tübingen, und der Eufrosine Kyrrwang. Er wohnte mit ihr in der oberen Hafengasse in Tübingen. Er war der Stifter des Bocer’schen Stipendiums.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bocer, Heinrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Bocer, Henricus; Bocerius, Henricus; Bocerus, Heinrich; Bocerus, Henricus; Boker, Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | Rechtswissenschaftler in Tübingen |
| GEBURTSDATUM | 6. Januar 1561 |
| GEBURTSORT | Salzkotten |
| STERBEDATUM | 5. Juli 1630 |
| STERBEORT | Tübingen |