Heinrich Deppert

Heinrich Michael Deppert (* 8. Dezember 1935 in Liegnitz, Provinz Niederschlesien; † 17. November 2014 in Bietigheim-Bissingen) war ein deutscher Musiktheoretiker und Hochschullehrer.

Werdegang

Nach der Flucht aus den deutschen Ostgebieten ließ sich die Familie Deppert in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Lammershagen nieder, wo er und seine vier Geschwister aufwuchsen. Ab 1956 studierte er Musikwissenschaft und Mathematik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ab 1957 Komposition und Schulmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik Stuttgart. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem der Komponist Karl Marx und der Dirigent Hans Müller-Kray, dessen Assistent er bis zu dessen Tod 1969 war. 1970 wurde er bei Walter Gerstenberg an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit einer Dissertation über die Kompositionstechnik im instrumentalen Spätwerk Anton Weberns zum Dr. phil. promoviert.

Nach einem Lehrauftrag an der Stuttgarter Hochschule wurde er dort 1971 Dozent, 1980 Professor für Musiktheorie. Im Jahre 1999 trat er in den Ruhestand. Bis 1983 war er als Autor für den Süddeutschen Rundfunk tätig, bis 2002 war er Stadtkapellmeister (Ehrentitel 1990 verliehen) in Marbach, wo er auch manche Arrangements für Blasorchester anfertigte.

Die Schwerpunkte seiner musiktheoretischen Forschung lagen im Bereich der Kompositionstechniken Johann Sebastian Bachs und Anton Weberns. Deppert, der zu den „Pionieren einer historisch informierten Musiktheorie“ gezählt wurde, entwickelte eine Unterrichtsmethode, die auf historischen Quellentexten basierte, deren Kontext er erforschte.

Der Philosoph und Unitarier Wolfgang Deppert war sein jüngerer Bruder. Depperts Tochter ist die Musiktheoretikerin, Komponistin und Geigerin Julia Deppert-Lang.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Heinrich Deppert, auf Bedeutende Schlesier, Gleiwitz-Sosnitza (Oehringen), ein Gleiwitzer Stadtteil in Oberschlesien. Webarchiv vom 25. Juni 2022, abgerufen am 2. Oktober 2026.
  2. ↑ Nachweis der Dissertation, in BMS online des Staatlichen Instituts für Musikforschung.
  3. ↑ Webversion von Depperts Dissertation Studien zur Kompositionstechnik im instrumentalen Spätwerk Anton Weberns (1970/72) im Internet Archive, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  4. ↑ Kurzbiografie Deppert, Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie (ZGMTH), Ausgabe 5/2–3 (2008). doi:10.31751/i.16, Rubrik Autorinnen und Autoren.
  5. ↑ Traueranzeige Heinrich Deppert der Stadtkapelle-Musikverein Marbach am Neckar e. V., auf Zeit des Gedenkens vom 20. November 2014, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  6. ↑ Folker Froebe, Editorial, Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie (ZGMTH) Ausgabe 5/2–3 (2008), S. 191–193. doi:10.31751/307.
  7. ↑ Personalseite Dr. Julia Deppert-Lang, hmt Hochschule für Musik und Theater Rostock, abgerufen am 2. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Deppert, Heinrich
ALTERNATIVNAMEN Deppert, Heinrich Michael (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Musiktheoretiker und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 8. Dezember 1935
GEBURTSORT Legnica, Provinz Niederschlesien
STERBEDATUM 17. November 2014
STERBEORT Bietigheim-Bissingen