Heinrich Santmann

Heinrich Santmann, auch Sandtmann und ähnliche Namensformen (* Oktober 1586 in Lübeck; † 23. Juli 1639 ebenda) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Chronist.

Leben

Santmann war vermutlich verwandt mit dem Hamburger Stadtphysicus Nicolaus Santmann. Er besuchte das Katharineum zu Lübeck und studierte ab 1603 Evangelische Theologie an der Universität Rostock und später an der Brandenburgischen Universität Frankfurt. Hier wurde er 1609 zum Dr. phil promoviert, unter anderem mit einer Abhandlung über den Ursprung der Stadt Lübeck. Seine Dissertation widmete er Bürgermeister Alexander Lüneburg, dem Juristen Augustin Kockert (1550–1620, Vater von Jacob Kockert) und dem Arzt Heinrich Kampferbach, seinem Onkel.

1612 wurde er zum Prediger an St. Aegidien in Lübeck berufen.

Bildnis Reimar Kocks aus der Abschrift der Cronica für Santmann 1616

1616 erhielt er von Jochim Albrecht eine für ihn gefertigte Abschrift von Reimar Kocks Cronica Der Käyserliken Stadt Lübeck in drei Bänden. Der Schreiber Hans Flaßkamp hatte nach einer Notiz auf dem Vorsatz am 8. Mai 1616 mit der Abschrift begonnen. 1624 ließ Santmann sie in zwei Bänden binden und schenkte diese 1635 mit einer längeren lateinischen Widmung seinem Verwandten und Gönner, dem Bürgermeister Johann Kampferbeke. Im März 1797 waren noch beide Bände erhalten und wurden vom Landsteuer-Sekretär August Gotthilf Taube (* 1753) in Bautzen im Kaiserlich privilegirten Reichs-Anzeiger zum Verkauf angeboten, wobei der zweite als durch Moder schadhaft und nicht an allen Stellen lesbar beschrieben wurde. Heute ist vermutlich nur noch der erste Band erhalten, der 2009 bei Christie’s versteigert wurde und sich heute in der Stadtbibliothek Lübeck befindet.

Am 24. April 1616 trug sich Santmann in Hamburg in das Album amicorum des Lukas Holste ein.

Zusammen mit den anderen an der Gründung Lübecker Stadtbibliothek beteiligten Pastoren, Mitgliedern des Rates und Lehrern des Katharineums findet sich sein Name und Wappen am 1619 geschaffenen umlaufenden Fries der Regale im heutigen Scharbausaal.

An Santmann erinnert sein Porträt in der Ägidienkirche, das 1894 von Johannes Nöhring restauriert wurde.

Seine Söhne Johannes und Michael Santmann wurden gemeinsam im Oktober 1643 an der Universität Rostock immatrikuliert. Johannes war 1667 Pastor in Seedorf im Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Michael wurde Prediger an St. Annen in Lübeck.

Werke

Digitalisat, Herzog August Bibliothek (Vorbesitzer: Martin Funk)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Sannemann, Heinrich (1602-1670). In: Kalliope | Verbundkatalog für Archiv- und archivähnliche Bestände und nationales Nachweisinstrument für Nachlässe und Autographen. Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Staatsbibliothek zu Berlin., abgerufen am 23. März 2026.
  2. ↑ Nach dem Gemälde in der Aegidienkirche, siehe BuK III, S. 518.
  3. ↑ Eintrag im Rostocker Matrikelportal
  4. ↑ Schlüsselseiten im VD 17
  5. ↑ Siehe zu den Umständen seiner Berufung Lübeckische Blätter 1, 1859, S. 171.
  6. ↑ Taube, August Gotthilf (Memento vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive) im Biographischen Lexikon der Oberlausitz (Memento des Originals vom 23. Juni 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. ↑ Digitalisat, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  8. ↑ Katalogeintrag Christie’s, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  9. ↑ Signatur Ms. Lub 2° 40a, Digitalisat
  10. ↑ Claudia Sojer, Christian Gastgeber: Das Stammbuch des Lukas Holste (1616–1623). Bericht aus dem Forschungsprojekt Peter Lambeck. In: biblos 62 (2013) ISSN 0006-2022 S. 33–56 (Digitalisat), S. 51.
  11. ↑ Johannes Baltzer, Friedrich Bruns, Hugo Rahtgens: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck. Band IV: Die Klöster. Die kleineren Gotteshäuser der Stadt. Die Kirchen und Kapellen in den Außengebieten. Denk – und wegekreuze und der Leidenweg Christi. Lübeck: Nöhring 1928, Faksimile-Nachdruck 2001, ISBN 3-89557-168-7, S. 150, Nr. 48
  12. ↑ Eintrag Johannes und Eintrag Michael im Rostocker Matrikelportal
  13. ↑ VD 17
Personendaten
NAME Santmann, Heinrich
ALTERNATIVNAMEN Sandtmann, Heinrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Chronist
GEBURTSDATUM Oktober 1586
GEBURTSORT Lübeck
STERBEDATUM 23. Juli 1639
STERBEORT Lübeck