H. H. Zwanzig trat nach einer Lehre zum Heizungsbauer zunächst den Wehrdienst an, verweigerte nach einem halben Jahr aber den Dienst mit der Waffe und leistete im Anschluss zivilen Ersatzdienst in Bethel bei Bielefeld. Von 1970 bis 1976 studierte er an der Hochschule der Künste Berlin Freie Kunst bei Hans Kuhn; seinen Abschluss als Meisterschüler machte er bei Karl Horst Hödicke.
1983 war er Mitbegründer der Produzentengalerie Gras fressen Berlin in der Muthesiusstraße in Berlin-Steglitz, in der er bis 1986 mehrere Ausstellungsbeteiligungen hatte. Ab 1987 führte er die Galerieräume in der Muthesiusstraße gemeinsam mit der Künstlerin Susanne Knaack unter dem Namen Nositiv Atelier als Arbeits- und Ausstellungsraum weiter. In den 1980er Jahren war er als bildender Künstler auch unter den Pseudonymen Walderat und van Bilderas tätig. Unter dem Namen Ballamo verfasste er in den 1980er und 1990er Jahren zudem Gedichte, Kommentare und Kurzprosa, die in den vom Nositiv Atelier herausgegebenen Werkstattheften veröffentlicht wurden.
Werk
H. H. Zwanzigs künstlerische Ausdrucksformen waren die Malerei, die Zeichnung sowie dreidimensionale Assemblagen. Zu seinen Einflüssen zählte er die Arte Povera und den Dadaismus, Georg Baselitz, das Frühwerk seines Lehrers Hödicke sowie den österreichischen Dichter Ernst Jandl.
Die künstlerische Betätigung bezeichnete H. H. Zwanzig als eine Form der Weltflucht und spontane Reaktion auf seine Umwelt. Seine oft mit ironisch witzigen Titeln versehenen Arbeiten haben den Charakter schnell notierter Tagebucheinträge, die ohne ein zuvor festgelegtes Konzept entstanden sind. Als Bildträger für seine in der Regel kleinformatigen Malereien und Zeichnungen sowie für seine Objekte nutzte er daher auch gern das, was gerade zur Hand war: Alltagsmaterialien, Gebrauchtes und Ausrangiertes. Pinsel oder Zeichenstift ließ er zunächst frei laufen, bevor er korrigierend eingriff, übermalte bzw. -zeichnete oder das entstandene Werk letztlich wieder ganz verwarf. Insbesondere in seiner Malerei sind die zu Beginn entwickelten Motive aufgrund der zahlreichen Übermalungen am Ende oft nur noch schemenhaft zu erkennen. Die Zeichnungen wiederum sind geprägt von stakkatoartig nebeneinandergesetzten Strichen, die die schnelle Arbeitsweise erkennen lassen.
Neben der bildenden Kunst blieben auch Gedichte bis ins hohe Alter ein wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel für H. H. Zwanzig.
Ausstellungsbeteiligungen
2026: Sommerausstellung, Stiftung Starke, Berlin-Grunewald; Disordini, mit Walter Santoni, Lorenzo Ricci, Susanne Knaack, Lange Nacht der Bilder, ID-Studios, Berlin-Hohenschönhausen
2025: Disegni, mit Walter Santoni und Susanne Knaack, Projektraum ID-Studios, Berlin-Hohenschönhausen; Sommerausstellung, Stiftung Starke, Berlin-Grunewald; ALLES vorbei, vorbei, Studio im Hochhaus, Berlin-Hohenschönhausen; Winterausstellung, Stiftung Starke, Berlin-Grunewald
2024: IST SITUATION, Rathaus Pankow; Alles VI, Studio im Hochhaus, Berlin-Hohenschönhausen; Ceci n'est pas comme ci comme ça, mit Walter Santoni und Susanne Knaack, Projektraum ID-Studios, Berlin-Hohenschönhausen; Winterausstellung, Stiftung Starke, Berlin-Grunewald
2023: Alles V, Studio im Hochhaus, Berlin-Hohenschönhausen; Winterausstellung, Stiftung Starke, Berlin-Grunewald
2022: Drei an die Wand, mit Walter Santoni und Susanne Knaack, Atelierausstellung, Berlin-Steglitz; Il giardino su Marte, mit Walter Santoni und Susanne Knaack, Lange Nacht der Bilder, ID-Studios, Berlin-Hohenschönhausen
2020: TOD, Galerie Verein Berliner Künstler (Katalog); Salon Gras Fressen Draußen, Schlamau, Brandenburg
2019: SEX, Galerie Verein Berliner Künstler (Katalog); Improvisierte Gemeinschaftsausstellung anlässlich des ArtSpring Berlin, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin
2017: Pop Up Vol. 24, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; Computerbögen, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; EROS, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin
2016: Pop Up Vol. 14, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; Kommune 5, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; Natürlich figürlich, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; OPIUM, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin
2015: Pop Up Vol. 1, Toscana-Halle, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; Open Art Weekend, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin; Die Lichtenberg Norm A4 quer, Galerie Zwitschermaschine, Berlin-Schöneberg
2013: Mushrooms, Salon Gras fressen, Berlin-Zehlendorf; nie gezeigt, mit Volkmar Schulz-Rumpold, Salon Gras fressen, Berlin-Zehlendorf
2012: Armut, Schmutz und niedere Begierde, Salon Gras fressen, Berlin-Zehlendorf
2011: Wir sind Papst, Salon Gras fressen, Berlin-Zehlendorf
2010: Wasser und Land, mit Susanne Knaack und Eberhardt Purrucker, Galerie Verein Berliner Künstler
2009: Von Blumen und Vögeln, mit Susanne Knaack, Salon Gras Fressen, Berlin-Zehlendorf; Nach der Natur – aber nicht nur, mit Susanne Knaack, Galerie Pillango, Berlin; p.art, Offene Ateliers Pankow, ECC-Kreativstadt Weißensee, Berlin
2007: Gruppe Gras Fressen, Salon Gras fressen, Berlin-Zehlendorf
1997: Normal Null oder: Was ist Glück?, mit Susanne Knaack, Kunststiftung Poll, Berlin; Zehn schöne Deutsche sind schöner als fünf schöne Deutsche, mit Susanne Knaack, Dirty Windows Gallery, Berlin; Avec Plaisir, mit Susanne Knaack, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin; Très joli, mit Susanne Knaack, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin
1996: An sich und für sich und an und für sich, mit Susanne Knaack, Dirty Windows Gallery, Berlin; Unvermeidliche Bilder, mit Susanne Knaack, Atelierausstellung Nositiv Atelier, Berlin
1986: Schweinebilder ohne Paul, Gras Fressen, Berlin-Steglitz
Morris/Trasov Archive, The Morris and Helen Belkin Art Gallery, Vancouver, BC (Postkarte an Michael Morris mit Malerei, 1983; Postkarte an Michael Morris mit Malerei, 1984; Postkarte an Michael Morris mit Malerei, 1985)