Heinz Reichenfelser, auch Heinrich Reichenfelser (* 16. Juni 1901 in Wien; † 11. November 1969 in Graz), war ein österreichischer Graphiker und akademischer Maler.
Reichenfelser wurde als Sohn des Schriftstellers Karl Reichenfelser geboren, sein Großvater war Kupferstecher.
Während seiner Mittelschulzeit wurde er Mitglied der Wiener pennalen Burschenschaft Germania, einer deutschnationalen und schlagenden Mittelschulverbindung. Er ging auf die Wiener Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Im Ersten Weltkrieg dienste er als Zeichner beim k.u.k. Kriegspressequartier. Ab 1920 besuchte er die Wiener Kunstgewerbeschule, wo er bei Carl Witzmann und Franz Cizek lernte und an der er 1921 ein Staatsstipendium erhielt. Bis 1924 studierte er bei Rudolf von Larisch, Viktor Schufinsky, Wilhelm Müller-Hofmann und Michael Powolny und erhielt seine Lehrbefähigung. In der Zwischenkriegszeit machte er sich einen Namen mit seinen Plakaten. Nach seinem Abschluss war er in Graz als Gebrauchsgrafiker und Maler tätig, arbeitete als freischaffender Künstler und erstellte Exlibris, unter anderem für das Landesmuseum Joanneum, die Grazer Sezession und den Grazer Kunstgewerbeverein. Für das Grazer Kaufhaus Kastner & Öhler war er bis 1938 als Werbeleiter tätig.
Zum 16. November 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 614.431), für die er in Graz 1931/32 die Propagandaleitung übernahm und die Zeitschrift Der Kampf im Bild herausgab. 1934 beteiligte er sich in Schladming am Juliputsch und organisierte eine Fürsorgestelle für die Putschisten. Wegen seiner illegalen Tätigkeiten wurde er mehrmals verhaftet und verlor seine Stelle bei Kastner & Öhler. Als SS-Angehöriger bei der 38. SS-Standarte half er bei der Vorbereitung des Anschluss Österreichs mit; bekannt ist sein Plakat zur Volksabstimmung über den Anschluss.
Er wurde Mitglied beim Steierischen Kunstgewerbeverein, dessen Zeitschrift für Wohn-, Bau und Kunstberatung er gestaltete. Für seine Gesamtleistung wurde er 1936 bei der Ausstellung Kultur der Straße mit dem Österreichischen Staatspreis für bildende Kunst ausgezeichnet. Nach dem Erhalt des ersten Preises in einem Milchwerbungswettbewerb, in dessen Jury Wilhelm Thöny saß, kam er zur Grazer Sezession, mit deren Auflösung er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als kommissarischer Leiter ab 1938 beauftragt war. 1938 plante er mit dem Architekten Karl Heinz Zisser eine propagandistisch inszenierte Feier zur Ehrung der beim Putschversuch gegen Engelbert Dollfuß im Juli 1934 getöteten Nationalsozialisten, für die bekannten Propagandafotos vom 25. Juli 1938 ist Reichenfelser hauptverantwortlich.
Reichenfelser wurde 1938 als Professor Leiter der Abteilung für Gebrauchsgraphik und Schriftgestaltung der Kunstgewerbeschule Graz am Ortweinplatz, die damals in Meisterschule des Deutschen Handwerks umbenannt worden war. Er wurde Ratsherr der Stadt Graz. Er war Kurator von mehreren Ausstellungen und Radakteur der Ausstellungskataloge, unter anderem 1941 der Ausstellung GRAZ, bei der er auch das Plakat entwarf und seinen mit Hans Stockbauer (1910–1982) gestalteten Gobelin-Entwurf mit dem ursprünglichen Titel Graz – Stadt der Volkserhebung, Bollwerk gegen den Südosten präsentierte, der sich bis 2009 betitelt als Graz zur Zeit der Türkenkriege im Grazer Rathaus befand.
Zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war er als Angehöriger der Waffen-SS im Rahmen des Polenfeldzuges in Krakau eingerückt. Sein Frontdienst wurde Ende 1939 für einige Zeit unterbrochen von seiner Beteiligung an der Umsiedlung der Deutschen aus der Bukowina in die Steiermark, worüber er 1941 ein Buch schrieb. Nach der Befreiung wurde er als Angehöriger des 8. SS-Totenkopf-Infanterieregiments im Lager Glasenbach interniert. Im Mai 1948 verurteilte ihn das Volksgericht Graz wegen seiner NSDAP- und SS-Betätigung zu 15 Monaten Haft. Er verlor seine Professur.
Nach seiner Entlassung war er 1951 Mitgründer der Zeitschrift Die Aula, deren Redaktion sich jahrelang in seiner Wohnung befand. Er arbeitete als Illustrator der Bücher des Leopold Stocker Verlages. 1953 wurde er in Graz Werbechef der Brauerei Reininghaus. Reichenfelser war in mehreren Unternehmen als Werbetexter und Bauberater tätig. Heinz Reichenfelser war lange Zeit Mitglied des Vorstandes der Sektion Graz des Bundes österreichischer Gebrauchsgraphiker. 1961 wurde er ehrenhalber Mitglied der Grazer akademischen Burschenschaft Germania, der er dann bis zu seinem Tode angehörte.
Reichenfelser starb 1969.
2008 war er Teil der Ausstellung Graz Portraits des Graz Museums.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reichenfelser, Heinz |
| ALTERNATIVNAMEN | Reichenfelser, Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Graphiker und akademischer Maler |
| GEBURTSDATUM | 16. Juni 1901 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 11. November 1969 |
| STERBEORT | Graz |