Hektemoroi (gr. ἑκτήμοροι, „Sechstler“, auch Hektemorioi) war laut der späteren Überlieferung die Bezeichnung für attische Bauern, die vor der Reform Solons (594 v. Chr.?) entweder an die Grundeigentümer ein Sechstel des Ertrages als Pacht abgeben mussten oder nur ein Sechstel des Ertrages behalten durften. Die Quellen, die sämtlich erst viel später entstanden, sind widersprüchlich und lassen keinen eindeutigen Schluss zu.
Karl-Wilhelm Welwei vermutete, dass das Dasein der Hektemoroi eine mildere Alternative zur Versklavung war, indem dem Schuldner die Möglichkeit eingeräumt wurde, ein Darlehen über einen längeren Zeitraum durch regelmäßige Abgaben zu begleichen. Zu diesem Zweck wurde der Boden mit sogenannten Schuldsteinen markiert. Diese Rekonstruktion bettet die Entstehung der Hektemoroi in eine angenommene Verarmung breiterer Bevölkerungsschichten vor und während der Zeit Solons ein. Eine andere Rekonstruktion der Verhältnisse durch Beate Wagner-Hasel geht umgekehrt davon aus, dass es sich bei den Hektemoroi um eine in Attika schon länger existierende abgabenpflichtige Landbevölkerung gehandelt habe, die in der Zeit Solons befreit wurde. Welweis Schüler Mischa Meier schließlich hat 2012 die These vertreten, es habe die Hektemoroi in Wahrheit nie gegeben; der Verfasser der aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammenden Athenaion Politeia habe seine Vorlage falsch gelesen und durch dieses Missverständnis erst die irrige Vorstellung in die Welt gesetzt, es habe einst Hektemoroi gegeben.