Helene Blunck

Helene Blunck (* 1879; † 1953) war eine deutsche Krankenschwester und von 1933 bis 1953 Vorsitzende der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (B.O.K.D. Vorläuferorganisation des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe).

Karriere

Blunck entstammte dem Bildungsbürgertum. Sie absolvierte eine Krankenpflegeausbildung am Rotkreuz-Mutterhaus in Kassel. 1907 wurde sie leitende Schwester an den Städtischen Krankenanstalten Düsseldorf. 1910 ging sie für ein Jahr zur pflegerischen Weiterbildung nach England. Nach der Rückkehr wurde sie von Agnes Karll, der Reformerin der deutschen Krankenpflege, zur Mitarbeit im jungen, 1903 durch Agnes Karll gegründeten B.O.K.D. (Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen in Deutschland / heute: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) angeworben. 1913 bis 1914 bildete sich Blunck an der Hochschule für Frauen zu Leipzig, auf Anraten von Agnes Karll, zur leitenden Schwester weiter. Aus dieser Zeit sind das Kollegien-Buch sowie ein Studien- und Sittenzeugnis erhalten. Sie besuchte ein breites Spektrum von naturwissenschaftlichen und klinischen Kursen sowie Kurse über das Gesundheitswesen und Berufskunde. Auch wirtschaftliche und politische Themen gehörten zu dieser Weiterbildung. Zu den allgemeinbildenden Kursen gehörten Aufbau der Erde und Goethes Faust. Im Oktober 1913 studierten dort 20 Schwestern, darunter 13 Schwestern des B.O.K.D., eine Schwester des Diakonievereins, eine holländische Diakonisse und zwei finnische Schwestern. Es wurden zu diesem Zeitpunkt lediglich theoretische Fächer gelehrt, da es nicht gelungen war, ein Krankenhaus als Praxisstelle zur Kooperation zu gewinnen. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Blunck in der österreichischen Lazarettpflege, da der B.O.K.D. einen Einsatz seiner Schwestern ablehnte. Im letzten Kriegsjahr leitete sie ein Flüchtlingslager in Mähren. 1933 wurde sie zur Vorsitzenden des B.O.K.D. gewählt und folgte damit Maida Lübben. Vorausgegangen war eine Kampfabstimmung zwischen Maida Lübben und Helene Blunck, die Letztere für sich entscheiden konnte. Maida Lübben gehörte dem konservativ nationalen Flügel an, Helene Blunck dem Reformflügel um Marie Cauer. Das Zerwürfnis zwischen den beiden Flügeln, das der Kampfabstimmung folgte, wurde durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick beendet, der Helene Blunck im Amt bestätigte. Am 13. Mai 1938 beschloss der Berufsverband, unter dem Druck der Nationalsozialisten, seine Auflösung, wurde aus Versehen aber nicht aus dem Vereinsregister ausgetragen. Die Mitglieder wurden vom „Reichsbund der freien Schwestern und Pflegerinnen (RBdfS)“ übernommen, desgleichen das blaue Waschkleid der B.O.K.D. Schwestern. Deshalb wurden die RBdfS-Schwestern als „Blaue Schwestern“ bezeichnet. Aufgrund des Versehens, dass der Verband 1938 nicht aus dem Vereinsregister getilgt worden war, konnte er 1945, nach Kriegsende, seine Tätigkeit direkt wieder aufnehmen, dies erneut unter Helene Blunck. Die Ziele der alten Berufsorganisation konnten nahezu unverändert übernommen werden. Nicht übernommen werden konnten aber die Organisationsstrukturen der alten B.O.K.D., da die Siegermächte keine einheitlich, zentral von Berlin gesteuerten Verbände gestatteten. Der Name wurde geändert in Agnes-Karll-Verband (AKV). Helene Blunck reiste durch die drei westlichen Besatzungszonen, um die alten B.O.K.D. Schwestern zu sammeln und neue Mitglieder zu akquirieren. In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) war die Wiederaufnahme der Tätigkeit verboten. Hier waren Berufsorganisationen in Konkurrenz zum Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) generell unerwünscht. Die Verbände der drei westlichen Besatzungszonen bildeten 1951 einen Hauptvorstand, um ein Auseinanderdriften zu vermeiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten viele alte Schwestern in eine wirtschaftliche Notlage. Der Verband entschloss sich, einen Unterstützungsfonds, die „Helene-Blunck-Hilfe“, zu schaffen. Deren Satzung sah vor, Mitgliedern auf Antrag Beihilfen zur Miete, zum Lebensunterhalt und zur Fortbildung sowie zinslose Darlehen zu gewähren. Den Fonds gab es bis 1973 in allen Landesgruppen.

Der Bruder Bluncks war der Schriftsteller Hans Friedrich Blunck. Er stieg im November 1933 zum Präsidenten der Reichsschrifttumskammer auf, wurde aber schon zwei Jahre später wegen fehlender Radikalität mit dem Titel des Altpräsidenten abgefunden. Immerhin veröffentlichte er noch zwischen 1933 und 1944 unter anderem 100 Aufsätze im „Völkischen Beobachter“.

Helene Blunck schrieb eine Biografie über Agnes Karll, die 1968 erneut aufgelegt wurde. Blunck verstarb 1953. Ihre Nachfolgerin als Vorsitzende wurde Margarete Lungershausen. Die erste Vorsitzende des B.O.K.D. war Agnes Karll. Sie übte dieses Amt bis zu ihrem Tod 1927 aus.

Veröffentlichung

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

Videopodcast

Einzelnachweise

  1. 1 2 Horst-Peter Wolff: Helene Blunck. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who ws who in Nursing history“. Band eins. Ullstein Mosby, Berlin/Wiesbaden 1997, S. 18.
  2. 1 2 Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Martin Meidenbauer, München 2008, S. 162 f.
  3. 1 2 Deutscher Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) e.V.: Entwicklung, Zielsetzungen, Aktivitäten von 1903 bis 1983. Herausgegeben anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Berufsverbandes. 3. Auflage 1989. Druckerei Henrich, Frankfurt/Main, S. 21+26.
  4. ↑ Karin Wittneben: Maida Lübben. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who ws who in Nursing history“. Band drei. Elsevier, München 2004, S. 184 f.
  5. ↑ Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, die Präsidentin Christel Bienstein: Stellung der DBfK-Vorläuferorganisationen im Nationalsozialismus. (PDF) Mai 2020, abgerufen am 12. Mai 2026.
  6. ↑ Pflege-Bildung. Ein Video-Podcast rund um das Lernen im Pflegeberuf. Episode 119: Geschichte des DBfK. Prof. Dr. Roland Brühe im Gespräch mit Prof. Dr. Anja-Katharina Peters. Veröffentlicht am 10. Mai 2026 von Roland Brühe, (57 Min.). Zu Helene Blunck Min. 30:46 f. Geschichte des DBfK
  7. ↑ Liselotte Katscher: Geschichte der Krankenpflege. Ein Leitfaden für den Unterricht an Krankenpflegeschulen. Geistlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1957, S. 107.
  8. ↑ Martin Hermeling: Die geschichtliche Entwicklung des Deutschen Berufsverbands für Krankenpflege (DBfK) und seine Perspektiven für die Zukunft. Studienarbeit Hochschule Osnabrück. Kap. 2.4.2. GRIN, München 2000.
  9. ↑ Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band sechs. hpsmedia, Hungen 2012, S. 196 f.
Personendaten
NAME Blunck, Helene
KURZBESCHREIBUNG Krankenschwester und Vorsitzende der B.O.K.D. (Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands)
GEBURTSDATUM 1879
STERBEDATUM 1953