Sie war die Tochter des Komponisten Joseph Joachim Raff (1822–1882) und der Schauspielerin Dorothe „Doris“ Raff, geb. Genast (1826–1902). Ihre Eltern beschlossen, sie privat unterrichten zu lassen.
Raffs Vater komponierte zu ihren Texten die Kantate Die Tageszeiten (Opus 209) (1878) und den Liederzyklus Blondel de Nesle (Opus 211) (1880). Das Pseudonym Helge Heldt sollte verschleiern, dass es sich dabei um Werke seiner Tochter, die noch im Teenageralter war, handelte.
Sie stand in einer engen, aber asexuellen Beziehung mit dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen, der von ihrer Schönheit fasziniert war. Um Ibsens Werke besser würdigen zu können, lernte sie Norwegisch. Als Geburtstagsgeschenk im Jahre 1890 gab sie ihm eine Studie in Öl einer jungen Frau mit weißem Kopftuch, die der Dichter als „Kleine Solveig“ – die weibliche Figur, die er in dem Drama Peer Gynt dargestellt hatte – bezeichnete. Später erhielt er eine gemalte Landschaft der Normandie von ihr.
Helene Raff wurde als Porträtmalerin in München bekannt und gewann einen soliden Ruf als Autorin. Neben der Biografie ihres Vaters, etlichen Novellenbänden, Jugendbüchern und journalistischen Arbeiten führte sie ein Tagebuch, das sich unter anderem mit Ibsen befasst.
Raff spezialisierte sich allmählich auf die Sammlung von Märchen und Legenden des südlichen Deutschlands und Tirols. Zu ihren Werken in diesem Bereich zählen Altbayerische Legenden, Fränkische Legenden und Sagen und Laurins Rosengarten. Ihre AutobiografieBlätter vom Lebensbaum erschien 1938. Vier Jahre später erlag sie einem Krebsleiden.
Werke
Modellgeschichten. [8 Erzählungen]. Paetel, Berlin 1902
daraus: Die Lügen-Wabi in: Deutsche Rundschau, Bd. 110 (1902), S.138–148 (Digitalisat im Internet Archive)
daraus: Der Scherbenflicker. Eine Pariser Modellgeschichte in: Deutsche Rundschau, Bd. 112 (1902), S.445–461 (Digitalisat im Internet Archive)
Christofora. Novelle. In: Deutsche Rundschau, Bd. 120 (1904), S.321–351 (Digitalisat im Internet Archive)
Die Braven und die Schlimmen. Geschichten aus Bayern und Tirol. Berlin 1904
Eva Stainer. Erzählung. In: Deutsche Rundschau, Bd. 127 (1906), S.321–339 (Digitalisat im Internet Archive)
Sünder und Entsühnte. Erzählungen und Skizzen. Paetel, Berlin 1907
Naturgewalten. Vier Erzählungen (= Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 26. Jg., Bd. 8). Engelhorn, Stuttgart 1909. (Neuauflage 2020, ISBN 978-3-7437-3783-9)
Paul Heyse. Mit drei Bildnissen. Cotta, Stuttgart 1910
Paul Heyse. (= Volksbücher der Literatur, Bd. 29). Velhagen & Klasing, Bielefeld u. Leipzig 1911 (Digitalisat).
Deutsche Frauen über Meer. Thienemann, Stuttgart 1911; 1930
Der Nebelreiter und andere Geschichten. Stuttgart 1912 (Digitalisat im Internet Archive)
Der Findling vom Arlberg. München 1913 (Thienemann, Stuttgart o. J.: Mit Bildern von Erica von Kager)
Das junge Geschlecht. Erzählungen. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1915 (Digitalisat im Internet Archive)
Friedenskämpfe. Erzählungen (= Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 32. Jg., Bd. 23). Engelhorn, Stuttgart 1917 (Digitalisat im Internet Archive)
Die Georgine. Roman. Stuttgart 1920
Laurins Rosengarten. Märchen, Geschichten und Sagen aus dem Lande Tirol. Ausgewählt und erzählt von Helene Raff. Mit vier farbigen Bildern von K. M. Schultheiß. Stuttgart o. J. [ca. 1920]
Marit Lange: Three Women in Ibsen’s „Blue Drawing Room“. In: A Thing or Two About Ibsen. His prossessions, dramatic poetry and life. Andrimne Forlag og Kommunikasjonshus AS, Oslo 2006. ISBN 82-92546-08-1, S. 188–201.
A.E. Zucker: Ibsen, the Master Builder. Thornton Butterworth Ltd. London 1930.
Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 83 (online).
Elisabeth Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Metzler, Stuttgart 1981, S. 242.
Simon Kannenberg: Artikel „Helene Raff“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25. April 2018.