Helene Scheu-Riesz

Helene Scheu-Riesz, spätestens 1939. Foto von Georg Fayer.

Helene Scheu-Riesz (geboren 18. September 1880 in Olmütz, Österreich-Ungarn; gestorben 8. Jänner 1970 in Wien) war eine österreichische Lyrikerin, Erzählerin, Übersetzerin sowie Gründerin und Herausgeberin des Sesam-Verlags.

Leben

Ihre Eltern waren jüdischer Herkunft und betrieben in Olmütz einen Weinhandel. Sie besuchte das 1892 gegründete erste Mädchengymnasium in Wien und studierte dann an der Universität Wien Englisch und Philosophie.

Larochegasse 3

Sie heiratete 1904 Gustav Scheu (1875–1935), Rechtsanwalt, für die Sozialdemokraten 1918–1923 Mandatar in der Wiener Kommunalpolitik. Das Paar hatte zwei Kinder: 1905 wurde Sohn Friedrich, 1954–1972 Außenpolitikredakteur der Wiener Arbeiter-Zeitung und Buchautor, geboren, Tochter Elisabeth (1912–2011), die nach zwei Jahren Architekturstudium in Wien am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ihr Studium beendete und in den USA eine bekannte Architektin wurde. Mit ihrem Mann Winston Close führte sie das Architekturbüro Close Associates in Minneapolis.

Gustav Scheu ließ 1912/1913 nach dem Entwurf von Adolf Loos die in der Architekturgeschichte Haus Scheu genannte Villa, 13., Larochegasse 3, errichten, wo das Paar dann wohnte. Helene Scheu-Riesz beschäftigte sich mit Kinderpädagogik (Zusammenarbeit mit Eugenie Schwarzwald) und engagierte sich für die österreichische Frauenbewegung. In der Larochegasse führte sie einen Salon, in dem Künstler wie Alban Berg, Oskar Kokoschka und Loos verkehrten.

Am 12. Februar 1934 wurde die Sozialdemokratische Partei von der Diktaturregierung Dollfuß verboten. 1937 emigrierte Scheu-Riesz, 1935 Witwe geworden, in die USA, wo sie den von ihr in Wien gegründeten Sesam-Verlag weiterführte und die Island Press gründete. 1954 kehrte Scheu-Riesz nach Wien zurück.

Scheu-Riesz’ Urne wurde 1970 im Urnenhain der Feuerhalle Simmering in Wien neben der ihres Mannes Gustav Scheu (bestattet am 18. März 1935) beigesetzt (Abteilung 8, Ring 3, Gruppe 1, Nr. 15). In derselben Grabstätte wurden die Urnen des Sohnes Friedrich Scheu (1905–1985) und dessen Frau Herta (10. September 1912–1995) bestattet.

Wirken

Scheu-Riesz schrieb Feuilletons für die Neue Freie Presse, gab ab 1910 Kinderbücher heraus und hatte, gemeinsam mit anderen Frauen, darunter Eugenie Hoffmann, die Idee, die besten Kinderbücher der Weltliteratur zu günstigsten Preisen in einem eigenen Verlag herauszubringen. Im selbstgegründeten Sesam-Verlag kam ab 1923 die Klassiker-Sammlung Kleine Sesam-Bücher heraus, deren Illustrationen von Absolventen der „Jugendkunstklasse“ Franz Cizeks an der Kunstgewerbeschule gestaltet wurden. Scheu-Riesz verfasste Romane, Märchenbücher, Essays, Puppen- und Weihnachtsspiele und übersetzte u. a. Sonette von E. B. Browning und Lewis Carrolls Alice im Wunderland.

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Das Haus Scheu auf einer privaten Hietzinger Website.
  2. ↑ Lore Brandl-Berger u. a.: Frauen in Hietzing, Wien 2014 (Memento des Originals vom 11. Januar 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Dokumentation auf der Website der Wiener Stadtverwaltung
Personendaten
NAME Scheu-Riesz, Helene
KURZBESCHREIBUNG Lyrikerin, Erzählerin, Übersetzerin und Herausgeberin
GEBURTSDATUM 18. September 1880
GEBURTSORT Olmütz
STERBEDATUM 8. Januar 1970
STERBEORT Wien