Helge Kleifeld

Helge Heinrich Kleifeld (* 14. März 1971 in Orsoy) ist ein deutscher Historiker, Politikwissenschaftler, Geograph und Archivar.

Leben

Helge Kleifeld wurde 1971 in Orsoy geboren und wuchs in Duisburg-Homberg auf, früher Homberg/Niederrhein. Nach dem Abitur am Franz-Haniel-Gymnasium in Duisburg-Homberg 1990 studierte er Mittlere und Neuere Geschichte, Geographie und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und der Universität zu Köln (Magisterabschluss 1996 an der Universität zu Köln). Anschließend studierte er Geographie und Geschichte für das Lehramt (erstes Staatsexamen 2000 in Köln) und verfolgte gleichzeitig ein Dissertationsprojekt im Fach Geschichte, das er 2001 mit der Promotion zum Dr. phil. an der Universität Dortmund abschloss. 2001 begann Kleifeld den Diplomstudiengang im Fach Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg (Diplom-Politologe 2008). 2018 wurde er an der Universität Marburg im Fach Politikwissenschaft zum Dr. phil. promoviert.

Von 2001 bis 2003 war er Staatsarchivreferendar am Staatsarchiv Münster (zweites Staatsexamen zum Assessor des Archivdienstes 2003). Zwischen 2003 und 2005 arbeitete Kleifeld bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Historischen Archiv Krupp in Essen, seit 2005 als Abteilungsleiter und von 2006 bis 2009 als Geschäftsbereichsleiter bei der Neschen AG in Bückeburg. Zwischen 2009 und 2012 war er Abteilungsleiter der Abteilung Archiv beim Institut für Zeitgeschichte in München. Ab 2013 arbeitete Kleifeld bei der Gesellschaft zur Sicherung von schriftlichem Kulturgut mbH in Brauweiler und wurde dort Prokurist. 2018 wechselte Kleifeld zur Stadtverwaltung Mönchengladbach, wo er seitdem das Stadtarchiv Mönchengladbach leitet.

Vom SS 2011 bis WS 2012/2013 war Kleifeld Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München und hier am Lehrstuhl für Zeitgeschichte im Bereich Hilfswissenschaften der Zeitgeschichte tätig. Seit 2019 lehrt Kleifeld an der Nationalen Universität Usbekistan benannt nach Mirza Ulugh Beg in Taschkent und wurde dort 2023 zum Honorarprofessor ernannt.

Kleifelds Forschungsschwerpunkte betreffen die drei Fächer, an denen er die Lehrberechtigung für deutsche Hochschulen erlangt hat, und wechseln unregelmäßig. Im Fach Geschichte bewegt sich Kleifeld im Bereich der Zeitgeschichte. In der Politikwissenschaft beschäftigt er sich mit dem Politischen System der Bundesrepublik Deutschland – insbesondere am Beispiel der deutschen Archivlandschaft. Bezogen auf die Geographie liegen Kleifelds Schwerpunkte in der Historischen Geographie und der Wirtschaftsgeographie. Zudem veröffentlichte er zahlreiche archivkundliche Arbeiten.

Kleifeld ist bestrebt in seinen Forschungsarbeiten, wenn möglich, Verbindungen zwischen den von ihm vertretenen Fächern herzustellen und sucht die Nähe zur Praxis. Beispielsweise publizierte Kleifeld zur Kolonialgeschichte Deutsch-Südwestafrikas und zur Geschichte des heutigen Namibias, transkribierte und publizierte die Tagebücher des von 1911 bis 1925 in Südwestafrika lebenden Direktors der Kaiserlichen Realschule und späteren Höheren Deutschen Auslandsschule Ernst August Gries und bereiste auf dessen Spuren das Land. Schließlich bestieg er 2018 auf den Tag genau 100 Jahre nach der Erstbesteigung des Brandberges/Königstein durch Ernst August Gries, Reinhard Maack und Georg Schulze mit einer kleinen Gruppe von Deutschen und Afrikanern ebenfalls diesen Gipfel. Um auch die Seereisen von Gries nach Afrika nachvollziehen zu können, reiste Kleifeld 2022 mit einem Frachtschiff von Antwerpen nach Walfischbucht in Namibia.

Seine Bücher und Aufsätze wurden zum Teil ins Englische, Japanische und Russische übersetzt.

Kleifeld ist Heavy Metal Fan, Motorradfahrer, Hobbypilot und Bassist. Ausgestattet mit einem Logo und Fanartikeln vom Wacken Open Air initiierte er die „Metal is Peace Tour“ rund um das Schwarze Meer und reiste so knapp 15.000 km zusammen mit Michael Schüchen auf dem Motorrad als „Wacken Ambassador of Metal“.

Mitgliedschaften

Zu Beginn seines Studiums wurde Kleifeld 1990 Mitglied der Turnerschaft Philippina Marburg; 1994/95 wurde er Verkehrsgast der KStV Rheinpfalz zu Köln; 1997/98 Konkneipant der Burschenschaft Rheno-Germania im Schwarzburgbund Bonn, deren Ehrenphilister er seit 2000 ist. Der heutigen Turnerschaft Philippina-Saxonia Marburg gehört er als Alter Herr an. Seit 2003 ist er als Archivar der Turnerschaft Philippina tätig, seit 2004 Mitglied der Historischen Kommission des Schwarzburgbundes. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hochschulkunde (DGFH), des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), sowie des Historischen Vereins für den Niederrhein.

Kleifeld war von 2005 bis 2009 als Experte im DIN NABD 14 und von 2014 bis 2018 im DIN NA 009-00-14 AA "Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken" tätig. 2014 bis 2028 arbeitete er zudem als Experte im ISO/TC 46/SC 10 mit.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Helge Kleifeld ist neuer Leiter des Stadtarchivs. In: Rheinische Post. 9. Januar 2018. Abgerufen am 21. Mai 2025.
  2. ↑ Vademekum der Geschichtswissenschaften. 9. Ausgabe Auflage. 2010, ISBN 978-3-515-09644-7, S. 95.
  3. ↑ Stadtarchivar Helge Kleifeld als Dozent in Usbekistan. In: Rheinische Post. 29. März 2019. Abgerufen am 21. Mai 2025.
  4. ↑ Employee Of The State Archive Of Munichengladbach In: nuu.uz (Memento vom 24. Mai 2024 im Internet Archive)
  5. ↑ Als Lehrbeauftragter an der Nationaluniversität in Taschkent. Impressionen aus Usbekistan, vom Aralsee und über Germanistikstudenten in Mittelasien. In: KV (Hrsg.): Akademische Monatsblätter. Heft 9, 2022, Marl, S. 281–284. Deutsche Philologie in Zentralasien. Ein Blockseminar für Germanistik-Studenten in Usbekistan. In: SB (Hrsg.): Die Schwarzburg. Heft 3, 2022, Schwarzburg, S. 20–27. Als Dozent an der Nationalen Universität Usbekistan Mirzo Ulugh Bek in Taschkent. In: SB (Hrsg.): Die Schwarzburg. Heft 2, 2019, Schwarzburg, S. 13–18. Stadtarchivar Helge Kleifeld als Dozent in Usbekistan. In: Rheinische Post vom 29. März 2019. Der globale Stadtarchivar. In: Rheinische Post vom 19. August 2022. Prof. Dr. Dr. Helge Kleifeld. In: SB (Hrsg.): Die Schwarzburg. Heft 1, 2023, Schwarzburg, S. 45. Als Lehrbeauftragter an der Nationaluniversität in Taschkent. Impressionen aus Usbekistan, vom Aralsee und über Germanistikstudenten in Mittelasien. In: KV (Hrsg.): Akademische Monatsblätter. Heft 11, 2022, Marl, S. 281–283. Ein KVer ist Honorarprofessor in Taschkent. Nationale Universität Usbekistans zeichnet mehrjährige Lehrtätigkeit aus. In: KV (Hrsg.): Akademische Monatsblätter. Heft 10, 2023, Marl, 240. Deutsch in Usbekistan In: Verein Deutsche Sprache e. V. (Hrsg.): Sprachnachrichten. Nr. 99 (III/2023), 2023, S. 19.
  6. ↑ Archive in Namibia, in: Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, H. 1/2008, S. 56–57. Prof. Ernst August Gries. Verbandsfunktionär und Studentenhistoriker – Bildungsfunktionär und Naturforscher in Deutsch-Südwestafrika, in: Studentenkurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen, H. 3, Jhg. 24, N.F., Essen 2009, S. 16–24. Prof. Ernst August Gries. Verbandsfunktionär und Studentenhistoriker – Bildungsfunktionär und Naturforscher in Deutsch-Südwestafrika, in: Die Schwarzburg, Hrsg. SB, H. 1/2010, Husum, S. 19–27. Prof. Ernst August Gries. Lehrer und Naturforscher in Südwestafrika, in: Nachrichten der Wissenschaftlichen Gesellschaft Swakopmund, Hrsg. Wissenschaftliche Gesellschaft Swakopmund, Heft 2, Swakopmund 2010, S. 3–20. Der deutsche Korporierte Ernst August Gries in Deutsch-Südwestakrika 1911–1925, in: Sigler, Sebastian, Die Vorträge der 71. Sudentenhistorikertagung Duisburg 2011, Essen 2012, S. 129–140. Swakopmund um 1911. Reisebericht von Prof. Ernst August Gries, in: Nachrichten der Wissenschaftlichen Gesellschaft Swakopmund, Hrsg. Wissenschaftliche Gesellschaft Swakopmund, Heft 1, Swakopmund 2012, S. 2–5. Vor hundert Jahren: aus den Tagebüchern von Prof. Ernst August Gries, in: Die Schwarzburg, Hrsg. SB, H. 3/2016, Schwarzburg, S. 15–21. Korporierte in deutschen Kolonien. Prof. Ernst August Gries in Deutsch-Südwestafrika (DSWA), in: Studentenkurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen, H. 4, Jhg. 31, N.F., Essen 2016 [2017], S. 23–26. Vor hundert Jahren: Gries‘ Reise nach Swakopmund und Walfischbucht 1916, in: Die Schwarzburg, Hrsg. SB, H. 1/2017, Schwarzburg, S. 17–22. Vor hundert Jahren: Gries‘ „Nordpad“ in die Erongoregion, in: Die Schwarzburg, Hrsg. SB, H. 2/2017, S. 15–20. „Wieder Fische in der Kalahari“. Tagebücher, Reiseberichte und Briefe von Prof. Ernst August Gries aus seiner Zeit in Südwestafrika 1911–1938, 2. Überarbeitete und verbesserte Auflage, Essen 2022, 336 Seiten. Prof. Ernst August Gries. Ein Uelzener Kolonialbeamter in Deutsch-Südwestafrika, in: Der Heidewanderer. Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung, Uelzen, 99. Jahrgang, Nr. 1 S. 1–4 und Nr. 2 S. 7–8, Uelzen 2023.
  7. ↑ Auf dem Gipfel des Königstein in Namibia. 100 Jahre Erstbesteigung des Brandberges/Königstein durch Prof. Ernst August Gries, in: Die Schwarzburg, Hrsg. SB, H. 1/2018, S. 5–7, 10–13. 100 Jahre nach der Erstbesteigung: SB-Expedition auf dem Brandberg, in: Studentenkurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen, H. 1, Jhg. 33, N.F., Essen 2018, S. 16–22.
  8. ↑ "Auf den Spuren von Ernst August Gries". In: Allgemeine Zeitung vom 12. August 2022.
  9. ↑ Conservation and mass processes. Practical mass de-acidification, Hrsg. The Rhineland Regional Council, Rhineland Advice Center for Community Archives, Archivbooklets 36, Essen 2007, 86 pages. Kleifeld, Helge/Hingst, Volker: ビュッケブルグ保存法による大量脱酸と保存 [Massenentsäuerung und Bestandserhaltung nach dem Bückeburger Konservierungsverfahren]. In: Archives [アーカイブズ] (2007), H. Nr. 30, S. 58–65.
  10. ↑ „Mit dem Motorrad um das Schwarze Meer“, in: Rheinische Post, Lokales, 25. April 2019, S. C3. „Stadtarchivar auf Friedens-Fahrt“, in: Rheinische Post, Lokales, 3. Juni 2019, S. C3. „Nach 14.700 Kilometern endlich wieder zu Hause“, in: Rheinische Post, Mönchengladbach, 12. Juni 2019, S. C4. „Nach 37 Tagen zurück in Mönchengladbach“, in: RP Online, Blog zur Motorrad-Tour „Mönchengladbach: Stadtarchivar auf Motorrad-Tour ums Schwarze Meer“, 3. Juni 2019, S. 1–40. „Zu Gast bei Rockern in Osteuropa“, in: Rhein-Zeitung, Lokales, 18. Dezember 2019, S. 14. „Botschafter für Wacken – rund ums Schwarze Meer“, in: Motorradfahrer & Motorrad News, Nr. 10/2020, S. 117. „Metal is Peace: Interview mit Helge Kleifeld und Michael Schüchen“, in: Legacy, Nr. 5/2020, o. S. / PDF-S. 2. „‚Yardım Meleklerine‘ Almanya’dan Teşekkür Mektubu…“, in: Edirne Postası, 10. Februar 2020, PDF-S. 1–5. „Babaeski’nin ‚Yardım Melekleri‘ne Almanya’dan teşekkür mektubu“, in: Hürriyet, o. D., PDF-S. 1–4. „Reisebericht ‚Metal is Peace Tour‘: mit dem Motorrad durch die Metalszene Osteuropas“, in: vampster, 29. Juni 2020, o. S. „Metal is Peace – von Mönchengladbach nach Mönchengladbach“, in: Metalogy, 28. Februar 2021, o. S. „Interview mit Helge Kleifeld, Stadtarchivar von Mönchengladbach und Herausgeber des ‚Metal is Peace‘-Hefts“, in: Metalogy, 8. August 2021
  11. ↑ Friedhelm Golücke: Verfasserlexikon zur Studenten- und Universitäsgeschichte. Ein bio-bibliographisches Verzeichnis. In: Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen. Band 13, 2004, S. 174.
  12. ↑ emerkungen zur Technical Specification ISO/TS 18344: Effectiveness of paper deacidification processes, in: Masse und Qualität. Standardisierte Verfahren der Bestandserhaltung in der Diskussion, Hrsg. H. P. Neuheuser / P. K. Weber, Bonn 2016, S. 100–103. Technical Specification ISO/TS 18344 Evaluation of paper deacidification processes, in: Arbeitsblätter des Arbeitskreises Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren. 22. Fachgespräch der NRW-Papierrestauratoren am 23. und 24. März 2015 in Duisburg, Hrsg. Arbeitskreises Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e. V., 15. Ausgabe, Meckenheim 2016, S. 25–30. Qualitätsprüfung von Massenentsäuerung – aktuelle Standards, in: Archivfachliche Beiträge. Beiheft 2 der Stadtgeschichtlichen Reihe des Stadrachivs Mönchengladbach, Essen 2019, S. 44–49. Helge Kleifeld, Rezension, Deutsches Institut für Normung e. V., DIN 32701, Information und Dokumentation – Prüfung der Wirksamkeit von Mengenverfahren zur Papierentsäuerung anhand eines Testpapiers, Beuth-Verlag, Berlin, November 2018. In: Archivfachliche Beiträge. Beiheft 3 der Stadtgeschichtlichen Reihe des Stadtarchivs Mönchengladbach, Essen 2019, S. 78–79. Kleifeld, Helge, Massenentsäuerung – Von Sinn und Unsinn der Normungsarbeit. Die ISO/TS 18344 „Effectiveness of paper deacid ification processes“, in: KulturBetrieb, Heft 2, 2016, S. 26–27.
Personendaten
NAME Kleifeld, Helge
ALTERNATIVNAMEN Kleifeld, Helge Heinrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker und Archivar
GEBURTSDATUM 14. März 1971
GEBURTSORT Orsoy